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Klein aber Hannah: Social Media ist auch Schuld am Mobbing in der Schule

Umfrage

Klein aber Hannah: Social Media ist auch Schuld am Mobbing in der Schule

Verletzende Kommentare zum Aussehen, zur eigenen Figur oder zur Kleidung sind für viele Schüler*innen leider Alltag. Influencerin Hannah Kaiser gibt im Interview Tipps, um Jugendliche stark zu machen und auch Einblicke in die Wirkung von Social Media.

Ein bisschen ironisch ist es schon, dass YouTuberin und Agenturchefin Hannah Kaiser gerade via Social Media eine Umfrage zum Thema Mobbing in der Schule durchgeführt hat. Denn die sozialen Netzwerke spielen dabei eine entscheidende Rolle.

Umfrage zu Mobbingerfahrungen in der Schule

Am 1. August 2020 befragte sie ihre Follower*innen nach Mobbingerfahrungen in der Schule, nach der Sorge vor dem ersten Schultag und dem morgendlichen Beautyritual. Auf ihre sechs Fragen bekam sie 34.950 Antworten, auf jede Frage hatten über 5.900 Menschen geantwortet. Soweit die Fakten. Und trotzdem reden wir hier natürlich nicht von einer wissenschaftlichen Studie, sondern eher einem Stimmungsbild, wie es Schülerinnen und Schülern so geht.

Klein aber Hannah

Hannah Kaiser, 29 Jahre alt, gebürtige Wienerin und inzwischen in Hamburg Zuhause, betreibt die zwei YouTube-Kanäle "Klein aber Hannah" und "Klein aber lecker" und hat außerdem die YouTube-Agentur "Klein aber" gegründet. Wenn sich eine im Bereich Influencer*innen auskennt, dann also unsere Gesprächspartnerin.

Ihre Motivation zur Umfrage über Mobbing und Body Shaming in Schulen hat einen sehr persönlichen Hintergrund. "Ich habe mich früher auch oft nicht wohl in meiner Haut gefühlt, und das habe ich vor allem in der Schule gemerkt. Neckende, aber ziemlich verletzende Kommentare von Freunden, SchulkollegInnen und zum Teil auch LehrerInnen haben dazu beigetragen, dass ich irgendwann in einer Essstörung gelandet bin. Ich weiß also aus eigener Erfahrung, was Worte bewirken können.

Selbstwertgefühl steigern

Die Schulzeit ist eine Zeit, in der unglaublich viel passiert. Der Körper verändert sich drastisch, die Hormone spielen verrückt (zumindest war es bei mir so), man will einfach nur dazugehören und weiß noch nicht genau, wer man selbst eigentlich ist. Ich hätte mir in dieser Zeit deutlich mehr Unterstützung im Bereich Selbstwahrnehmung, Körperwahrnehmung und Stärkung meines Selbstwertgefühls gewünscht. Sich in seinem Körper wohlzufühlen, ist für mich die Grundlage eines glücklichen und erfolgreichen Lebens. Ein Unterrichtsfach oder ein Workshop in der Schule würde hier durchaus helfen."

55 % der Befragten wurden schon gemobbt

Nun ist die Umfrage, die Hannah durchgeführt hat, natürlich nicht evidenzbasiert. Die Antworten sind dennoch aufschlussreich, weil sie einiges darüber verraten, welche Erfahrungen Jugendliche im Schulalltag machen. Die Zahl mit der höchsten Besorgnisquote ist wohl die, dass 89% aller Schüler*innen schon mal mitbekommen haben, dass Mitschüler*innen gehänselt wurden. Eigene Mobbingerfahrungen haben 55 % der Befragten.

Mobbing ist in Schulen allgegenwärtig

Auch Hannah Kaiser war davon überrascht. Sie sagte uns im Interview: "Die Ergebnisse waren erschreckend: Mobbing ist omnipräsent. Mehr als die Hälfte aller SchülerInnen wurden schon einmal wegen Ihres Äußeren gehänselt. Da ich selbst Mobbing am eigenen Körper erlebt habe und SchulkollegInnen kenne, die gehänselt wurden, habe ich schon damit gerechnet, dass ebenfalls einige NutzerInnen die gleichen Erlebnisse gemacht haben oder momentan machen. Dass die Zahlen aber so hoch ausfallen, finde ich sehr beunruhigend. Die Ergebnisse der Umfrage haben mich deshalb nochmals darin bestärkt, dass das Thema Selbstliebe und gesunde Selbstwahrnehmung in Schulen angegangen werden muss und nicht weggesehen werden darf."

Soziale Medien erzeugen Druck

Wir Eltern glauben ja, dass gerade weil viel über Mobbing berichtet und gesprochen wird, die Situation sich doch eigentlich zum Positiven verändern müsste. Immerhin sind wir alle ja viel aufmerksamer. Das stimmt, und trotzdem stellt Hannah fest, dass wir einen Wandel erleben. "Alles ist und wird digital, und wir wissen, dass soziale Medien wie Instagram vielen jungen Menschen ein Idealbild vorgaukeln: Schlank, schöne Haare, keine Pickel. Dass das nicht die Realität ist, ist manchen gar nicht bewusst.

Die Verunsicherung, die dann auf Seiten der Jugendlichen entsteht, ist doch ganz normal, wenn man sich anhand dessen misst, was auf den ersten Blick „perfekt” aussieht, auf den zweiten jedoch Illusion ist. Bereits hier muss also Präventionsarbeit geleistet werden, um Kindern und Jugendlichen von Anfang an aufzuzeigen, was die Realität ist und wie man damit umgehen sollte."

Hannah Kaiser

Elternaufgabe: Mit Kindern über Medien sprechen

Für euch bedeutet das, dass ihr durchaus mit euren Kindern mehr über Social Media sprechen müsst. Es reicht nicht, eurem Nachwuchs ein Smartphone in die Hand zu drücken, ihr müsst vor allem den Umgang mit Medien erklären und immer wieder aufmerksam sein, ob eure Kinder eigentlich wissen, was da passiert. Denn natürlich wird gerade in den sozialen Netzwerken viel optimiert, wird die Wahrheit verzerrt.

Hannah Kaiser sagt: "Die gesellschaftliche Norm – schlank, weiß, dünn – wird vielen Kindern schon von klein auf vermittelt. Ich glaube auch, dass das Streben nach einem Ideal durch Social Media noch mehr befeuert wird. Ja, es gibt eine starke „Body Positivity”-Bewegung und vermehrt NutzerInnen, die unter dem Hashtag #fürmehrrrealität auf Instagram echte Körperbilder posten. Aber es wird auch unglaublich viel gefaked – mit den entsprechenden Posen, den „Schönheits-OP”-Filtern und den „Face Tune”-Apps."

Sind Influencer Freunde?

Auch problematisch kann aber die gefühlte Nähe zu den Influencer*innen sein. Denn durch Sociale Medien entsteht oft eine große Nähe zum Star. Da zwischen Realität und Fiktion zu unterscheiden fällt mitunter Erwachsenen schwer, wie sollten unsere Kinder das können? Auch Hannah sieht, "dass Influencer auf Social Media viel nahbarer sind als beispielsweise Sportler oder Stars aus Film und Fernsehen. Wir wissen, wie es bei ihnen Zuhause aussieht, was sie jeden Tag anziehen und welche Produkte sie verwenden.

Diese Influencer-Nutzer-Beziehung ist für viele Jugendliche nicht immer hilfreich, sondern birgt auch einige Gefahren. Es entsteht der Eindruck, dass Influencerin XY meine Freundin ist, und guten Freunden vertraut man nun mal in vielen Belangen. Diese Grenzen, die dort verschwimmen, sind für Jugendliche teilweise nicht zu kontrollieren. So sollte man stets darauf achten, dass sie nicht in die Medienwelt flüchten und das `echte` Leben vergessen. Wichtig ist hier, dass sie immer mit einem gesunden Maß an Distanzierung die sozialen Medien nutzen."

Kein Platz für Mobbing

Die Agenturinhaberin appelliert an alle, dass es keine "gesellschaftliche Norm des Aussehens und des Körpers" gibt. "Dieses starre Denken muss aufgebrochen werden. Es darf nicht als normal angesehen werden, dass Kinder sich in der Schule unwohl fühlen oder Angst haben, weil sie aufgrund ihres Aussehens beleidigt werden. Als Lernort und Lebensraum darf Schule kein Platz für Mobbing sein."

Tipps für Self Love von Klein aber Hannah

Um eure Kinder stark zu machen, hat Hannah noch fünf Tipps für euch.

Wichtig ist zuallererst zu lernen, sich und seinen Körper zu akzeptieren. Hier sind meine Top fünf Tipps für Jugendliche:

  1. Meditation/ Achtsamkeitstraining: Dadurch bin ich viel friedlicher und entspannter mit mir selbst geworden. Ich meditiere täglich und mache häufig einen Body Scan. Der hat mir besonders geholfen, mich wohler in meinem Körper zu fühlen und ihn vor allem überhaupt erstmal wahrzunehmen. Wir sehen den Körper nämlich ganz gerne als selbstverständlich an, als wäre er nur ein “Gehirn-Taxi” und blenden dabei aus, dass er mehr Zeit und Zuwendung braucht als wir oft denken.
  2. Tanzen, ohne darüber nachzudenken, wie es aussieht. Einfach mal die Musik durch den Körper laufen lassen.
  3. Reflektion und Glaubenssatzarbeit: Man sollte reflektieren und sich bewusst hinterfragen, was gerade falsch läuft. Warum geht es mir nicht gut? Hier kann es helfen sein inneres Gefühlschaos aufzuschreiben. Zudem kann man damit leichter die negativen Glaubenssätze, die einen in manchen Situationen noch blockieren, identifizieren. Und an diesen kann man dann mit unterschiedlichen Techniken arbeiten.
  4. Sprüche zur Motivation: Mir helfen beispielsweise Hintergrundbilder auf dem Handy. Wenn ich zum Beispiel einen Selbstwertgefühlsboost brauche oder einfach einen Reminder, dass ich mir keinen Stress machen muss wegen jeder Kleinigkeit, motiviert mich ein entsprechender Handyhintergrund zwischendurch immer wieder.
  5. Tapping (Klopftechnik): Am Anfang war ich bei dieser Methode skeptisch, aber sie hat mir schon oft geholfen, inneren Blockaden zu lösen und mich in Momenten von Stress und Angst leichter und entspannter zu fühlen.

 

Andrea Zschocher
Das sagtAndrea Zschocher:

Meine Meinung

Auch wenn diese Umfrage natürlich nicht repräsentativ ist, immerhin ist ein Problem in den sozialen Netzwerken ja auch, dass jede*r alles sein kann, so zeigt sie dennoch Probleme auf, die Schüler*innen heute haben. Dass viele erleben, wie andere gehänselt werden, wegen Aussehen oder Kleidung, ist eine traurige Realität. Und, wie Hannah Kaiser sagt, es ist wichtig, unseren Kindern zu vermitteln welche Werte wichtig sind. Es gibt keine gesellschaftliche Norm wie Menschen auszusehen haben. Wir sollten das alle nur mehr leben und andere eben so sein lassen, wie sie sind.

Für viele Eltern sind diese spitzen Bemerkungen kleine Neckereien, die nicht weiter beachtet werden müssen. Und manche Kinder stecken das vielleicht auch gut weg. Andere können das aber nicht und fangen an, sich zu schämen, für ihren Körper, für ihr Aussehen. Das ist so unnötig und falsch.

Bildquelle: Klein aber

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