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Nudes – Nackt im Netz:  Expertin gibt 7 Tipps, wie Eltern ihre Kinder sensibilisieren können

Nudes – Nackt im Netz: Expertin gibt 7 Tipps, wie Eltern ihre Kinder sensibilisieren können

Expertinnentipps

Es ist für uns alle ein schambehaftetes Thema: Nacktfotos im Netz. Oder Filme, die uns bei sexuellen Aktivitäten zeigen. Womit wir Erwachsenen schon nicht zurecht kommen, damit haben auch Jugendliche verstärkt zu tun. Denn das Smartphone ist einfach überall dabei und filmen und fotografieren ist ein Dauerthema. Wir haben mit Lea Römer, Pressereferentin von JUUUPORT gesprochen. Sie gibt Tipps, wie die Gefahren von Nacktaufnahmen, sogenannten Nudes im Netz minimiert werden können.

Bis zu acht Anfragen bekommt das Portal Juuuport.de pro Tag, seit Corona haben sie deutlich zugenommen. Der Inhalt: Fragen von jungen Menschen rund ums Thema Internet. Hier können sie sich anonym Hilfe suchen, denn oft sind es eben keine Interessensbekundungen, sondern massive Sorgen und Nöte, die da angesprochen werden. Die Bandbreite ist groß, von Cybermobbing über Cybergrooming bis zu Sharenting durch die Eltern.

Scham wegen Fotos im Netz

Oft schämen sich die Jugendlichen zu sehr, um ihre Sorgen mit dem Freund*innen- oder Familienkreis zu teilen. Wie soll man denn auch mit dem eigenen Vater, der eigenen Mutter darüber sprechen, dass Nacktfotos von einem zirkulieren. Oder Videos, auf denen man peinliche Dinge tut. Die Scham ist einfach zu groß und JUUUPORT will Entlastung und Hilfestellung anbieten.

JuliaBaumgartPhotography_LeaRoemer

Onlinehilfe von jungen Menschen für junge Menschen

Das Herzstück von JUUUPORT sind die Scouts, erklärt Lea Römer. Das sind Jugendliche und junge Erwachsene, die zwischen 16 bis 21 Jahre alt sind und ausgebildet werden, "um anderen jungen Menschen bei Problemen im Netz zu beraten und erste Hilfe zu bieten." Es gibt auch ein Berater*innen-Team, das die Scouts unterstützt und die eingehende Fragen vorsortiert. Denn klar ist, nicht alle Fragen sind für die selbst noch recht jungen Scouts geeignet.

Unsere Scouts sind auf Augenhöhe mit den Ratsuchenden. Sie sprechen eine Sprache und nutzen die gleichen Apps. Deshalb wissen sie am besten, in welche Probleme junge Menschen ungewollt reinschlittern können.

Lea Römer, Juuuport.de

Unterstützung von Erwachsenen

Manche themenfremde Anfragen werden nicht an die Scouts weitergeleitet. Auch die, so Römer, "die jugendgefährdend für die Scouts sein können, werden von erwachsenen Betreuer*innen beantwortet oder an spezielle Kooperationspartner von Juuuport weitergeleitet." Aber auch hier wird alles anonym behandelt, niemand kann zurückverfolgen, wer die Anfragen, die per Kontaktformular oder WhatsApp eingehen, verschickt hat.

Datenschutz ist uns sehr wichtig. Handynummern uoder Mailadressen werden uns nicht angezeigt. Dafür haben wir bestimmte technische Lösungen gefunden, die es den Ratsuchenden ermöglichen, vollkommen anonym zu blieben, wenn sie das möchten.

Lea Römer

Hilfe bei Fragen nach Cybermobbing oder Cybergrooming

"Hauptthema ist u.a. Cybermobbing, auch als Folge von Sexting, Cybergrooming, Mediensucht, Datenklau oder Abzocke sind Themen, die junge Menschen beschäftigen. Die Bandbreite ist leider sehr groß", berichtet Lea Römer.

Und sie erklärt: "Sexting ist erstmal nichts Negatives. Das heißt, dass sich ein Paar intime Fotos, z.B. über einen Messenger schickt, vielleicht, weil sie sich nicht sehen können, oder weil es ihnen Lust bereitet. Das ist nichts Verwerfliches, junge Menschen probieren sich aus, auch im sexuellen Bereich. Das Problem ist, wenn das Vertrauen einer der Beteiligten missbraucht wird, weil das Foto weiterverschickt oder in den sozialen Netzwerken geteilt wird."

"Die Folgen davon sind dramatisch, denn so ein Foto kann sich online sehr schnell verbreiten und man bekommt es nur sehr schwer wieder aus dem Netz. Natürlich kann Cybermobbing dann eine Folge sein. Trotzdem gibt es Möglichkeiten, sich gegen den Missbrauch intimer Inhalte zu wehren."

Tipps im Umgang mit Sexting

Die Tipps der Scouts von JUUUPORT bei Anfragen zu Sexting sind z.b. auch,

  • Ohne Gesicht fotografieren
  • Ganz persönliche Merkmale wie Muttermale mit einer App verschwinden lassen
  • Neutrale Hintergründe, denn so können auch weitere Möglichkeiten für Mobbing unterbunden werden
  • Nur Bilder an die verschicken, denen man vertraut
  • Im besten Fall Fotos nur zeigen und nicht verschicken

Ich sehe Eltern hier ganz klar in der Pflicht, ihrem Kind zu erklären, welche positiven Möglichkeiten ein Smartphone bietet, aber auch welche Gefahren es gibt.

Lea Römer, Juuuport.de

7 Tipps für Eltern

  • Interesse zeigen: Was macht mein Kind im Netz?
  • Offline wie online nachfragen: Mit wem ist mein Kind befreundet?
  • Klar machen, dass das Netz sehr viele Möglichkeiten (für uns alle) bietet, um miteinander in Kontakt zu kommen.
  • Ohne erhobenen Zeigefinger miteinander ins Gespräch kommen.
  • Smartphoneverbote sollte es nicht geben, sie sorgen dafür, dass Jugendliche im Zweifelsfall nicht mit ihren Sorgen zu euch kommen.
  • Anerkennen, dass euer Nachwuchs medienkompetent ist. Jugendliche wissen, wie sie mit einem Smartphone umgehen, sie können allerdings die Folgen ihres Handelns oft nicht absehen.
  • Apps ausprobieren, Einstellungen überprüfen

Eltern klären ihre Kinder über die Gefahren in der Offline-Welt sehr genau auf. Lauf nicht einfach über die Straße, geh nicht mit Fremden mit. Genauso muss das auch im Netz sein. Das ist eine Welt für sich und die jungen Menschen sind da zu oft auf sich allein gestellt, das ist schwer nachvollziehbar.

Lea Römer, Juuuport.de

Einmal im Netz ist es im Netz?

Die schlechte Nachricht: Fotos oder Videos, die einmal ins Netz gestellt wurden, lassen sich nur unter großen Anstrengungen und oft genug niemals wieder vollständig löschen. Auch JUUUPORT kann das nicht. "Aber wir können aufklären", sagt Lea Römer. "Es ist eine Straftat, wenn unerlaubt Fotos von jemandem hochgeladen werden, insbesondere dann, wenn es sich um intime Aufnahmen handelt. Es gibt das Recht am eigenen Bild. Deshalb ist es sinnvoll, Beweise zu sichern. Diese können hilfreich sein, wenn die Polizei ins Spiel kommt. Weiß man, wer der Täter ist, ist es sinnvoll, gemeinsam mit einer Vertrauensperson das Gespräch zu suchen. Aber natürlich ist das ein schambesetztes Thema und für viele eine Hürde."

Man kann Beiträge und Aufnahmen melden, damit die Betreiber informiert sind. Aber man hat keine Kontrolle darüber, wer das Video / Foto schon runtergeladen und auf seinem eigenen Gerät gespeichert hat.

Lea Römer, Juuuport.de
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Nudes - Nackt im Netz: TV-Tipp

Der Thematik Fotos und Videos im Netz nimmt sich auch eine neue TV-Serie an. "NUDES - Nackt im Netz" ist eine zehnteilige norwegische Serie, die genau dieses Thema aufgreift und aus drei verschiedenen Perspektiven zeigt.

In "Sofias Story" steht die 16-Jährige Sofia im Mittelpunkt, deren erstes Mal heimlich gefilmt wurde. Alle Mitschüler*innen können das Video anschließend im Netz sehen.

Bei "Viktors Story" geht es um Viktor, einen 18-Jährigen, der eine Minderjährige ohne ihr Wissen beim Sex gefilmt hat und angezeigt wurde.

"Adas Story" dreht sich um intime Fotos, die aus einem privaten Sexting-Chat in pädophile Kreise gelangt sind.

Ab dem 17. August, 22:50 Uhr wird die Serie in der ARD ausgestrahlt, ab dem 18. August sind die Episoden in der ARD Mediathek abrufbar.

Im Video bekommt ihr ein paar Tipps, die bei Mobbing helfen können. Wendet euch aber im Zweifelsfall auch immer an eine Beratungsstelle, niemand sollte das allein durchleben müssen:

Welche Smartphone-Kategorie passt zu deiner Nutzung?

Bildquelle: getty images / iStock / Getty Images Plus / tommaso79 Foto Lea Römers: © Julia Baumgart Photography

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