Schulangst: So können Kinder sie überwinden

Täglicher Horror

Schulangst: So können Kinder sie überwinden

Warum Kinder nicht mehr zum Unterricht wollen, hat die unterschiedlichsten Gründe. Ein großer Faktor ist der Leistungsdruck und die Versagensängste, die dieser Druck erzeugt. Wie sollt ihr als Eltern darauf reagieren, wenn euer Nachwuchs nicht mehr in die Schule will?

Immer mehr Kinder leiden unter Stress, wie eine Umfrage der KKH  offenbarte. Familiäre Situationen und Ärger mit den Freunden sind einige Faktoren, die den Kindern schlaflose Nächte bereiten. Ein Grund ist aber auch der Leistungsdruck, dem die Schüler sich ausgesetzt fühlen und der sich dann in Schulangst ausdrückt. Für euch als Eltern ist dies auch eine Herausforderung, denn wer möchte sein Kind schon in die Schule treiben, wenn es über Schmerzen klagt?

Gründe für die Schulangst

Warum Kinder nicht mehr in die Schule möchten, kann daran liegen, dass sie sich selbst enorm unter Druck setzen. Alles unter einem "gut" in einer Arbeit ist eine Katastrophe. Es sind gerade die leistungsorientierten und fleißigen Kinder, die von großer Furcht befallen sind zu versagen. Da ist die Sorge, eben nicht eine gute Note in der Mathearbeit zu bekommen oder souverän ein Referat halten zu können.

Diese Kinder schaukeln sich in ihrer Angst immer höher. Wenn sie dann tatsächlich keine gute Arbeit geschrieben haben, macht es das Ganze noch schlimmer. Auf der anderen Seite gibt es Kinder, die Schwierigkeiten mit dem Lernstoff haben und nur mit Mühe oder gar nicht mitkommen. Auch dies erzeugt Druck - sie wollten ihre Eltern nicht enttäuschen oder werden von ihren Mitschülern wegen ihrer schlechten Leistung gehänselt.

Die Mädchen und Jungen geraten dann in eine Angstspirale. Sie erleben Schule als Versagen und möchten am liebsten nie wieder das Klassenzimmer betreten. Das Selbstbewusstsein erleidet einen Knacks und die schulischen Leistungen werden schlechter. Die Angst zu versagen kann dann zum tatsächlichen Versagen führen, da die Kinder sich nicht mehr richtig konzentrieren können.

Dann tritt das ein, was diese Kinder und Jugendlichen immer befürchtet haben, ein. Wie gehen sie damit um? Indem sie diesen Ort des Schreckens vermeiden. Ihr seelisches Unwohlsein wird zu einem physischen Unwohlsein - Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Übelkeit sind gerade bei jüngeren Kindern die Symptome. Einige Kinder bekommen auch Herzrasen und Schweißausbrüche. Allen ist gemeinsam, dass sie nicht mehr so gut schlafen. Und mit diesem Schlafmangel kommen dann die Konzentrationsschwierigkeiten.

Symptome einer möglichen Schulangst

Die körperlichen Symptome sind ein Erkennungsmerkmal von Schulangst, aber auch andere Merkmale sollten euch als Eltern aufhorchen lassen. Wenn euer Kind zum Beispiel so viel glücklicher an den Wochenende und in den Ferien ist. Natürlich lieben Kinder Freizeit, aber es ist ein Unterschied, wenn euer Nachwuchs in der Schulzeit sichtbar schlecht drauf ist und in den Ferien geradezu aufblüht. Auch wenn er das eigene Zuhause als Festung sieht und kaum Anstalten macht, andere zu besuchen, habt ein Auge drauf. Wenn sich seine Gedanken ständig um die Schule kreisen und von ihm immer wieder ein "Ich schaff das nicht" kommt, solltet ihr eingreifen.

Wie könnt ihr als Eltern helfen?

Was macht ihr also, wenn euer Kind euch morgens erzählt, dass es solche Bauchschmerzen hat und ihr vermutet, dass dies eher psychosomatische Schmerzen sind? Wenn ihr es aus Mitleid nun zuhause lasst, bedient ihr leider genau diese Vermeidungsstrategie. Ein offenes Gespräch ist hier das Wichtigste. Fragt nach, woher diese Angst vor dem Schulbesuch rührt. Fürchtet euer Kind Versagen in einem bestimmten Fach? Möchte es im Unterricht nicht aufgerufen werden, weil es die Antworten nicht weiß oder zu gehemmt ist, vor anderen zu sprechen? Sind die Lehrer zu streng? Oder sind es die Mitschüler, die Angst verbreiten? Mobbing ist ebenfalls häufig der Grund, warum Kinder nicht mehr in die Schule wollen.

Gemeinsam nach Lösungen suchen

Wenn ihr den Grund für die Schulangst gefunden habt, sucht gemeinsam nach Lösungen. Euer Kind sollte sich von euch ernstgenommen fühlen. Versucht nicht, das Problem klein zu reden. Beleuchtet das Problem lieber von allen Seiten. Wenn man sich in die Lage von jemand anderen versetzt, hilft dies, die Situation besser zu verstehen. Seid mitfühlend, aber auch aufbauend, damit euer Kind das nötige Zutrauen bekommt, einen Ausweg aus seiner Lage zu finden.

Gespräche mit den Lehrern wären zum Beispiel in erster Schritt. Sie können auch beurteilen, inwieweit eure Tochter oder euer Sohn vom Schulstoff überfordert ist. Dann könnt ihr gemeinsam Schritte überlegen, ob man dies mit Üben wieder aufholen kann. Wenn nicht, solltet ihr über einen Klassen- oder Schulwechsel nachdenken. Es geht ja darum, dass euer Kind nicht ein ständiges Gefühl der Überforderung haben soll.

Impulse aus der Freizeitgestaltung

Einige Dinge lassen sich allerdings üben - auch das öffentliche Reden. Oft helfen sehr schüchternen Kindern spielerische Ausdrucksformen und Rollenspiele. Viele der größten Hollywoodstars waren als Kinder schüchtern und haben durch das Theaterspielen Selbstvertrauen gewonnen. Das ist sowieso das A&O: Kinder brauchen Selbstbewusstsein, um Herausforderungen bewältigen zu können. Wenn sie dies nicht in der Schule entwicklen, können, neben dem Elternhaus, Sportvereine, Musikschulen oder andere Jugendvereine Impulse geben, damit sich die Kinder stärker fühlen.

So etwas Großes wie die Schulangst zu überwinden ist etwas Elementares und hat Auswirkungen auf das spätere Leben. Wenn man gelernt hat, sich einem Problem zu stellen und eben nicht in einen Vermeidungsmodus zu fallen, stärkt dies ungemein. Dafür braucht euer Kind eine liebevolle Umgebung und so viel Unterstützung wie möglich. Und natürlich Geduld. So etwas verschwindet nicht von heute auf morgen. Aber wenn ihr das Gefühl habt, dass sich nicht viel verändert hat und sich euer Kind immer noch großen Leistungsdruck macht, holt euch professionelle Hilfe wie zum Beispiel die schulpsychologische Beratungsstellen.

Bildquelle: Moore Media/Getty Images

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