Wenn Kinder ausgegrenzt werden

Schulkind

Wenn Kinder ausgegrenzt werden

Kinder fühlen sich in Gruppen von Gleichaltrigen und Gleichgesinnten sehr wohl. Wenn sich diese Gruppe gegen das Kind stellt, sind die Eltern gefragt.

Freundschaften, Kindergruppen: Das sind keine Synonyme für vollendete Harmonie. Die echten Freundschaftsgruppen - von Erwachsenen manchmal mit irritiertem Unterton „Banden“ genannt - zeichnen sich durch einige Eigenschaften aus:
In der echten Gruppe herrscht eine eigene Kultur mit Geheimsprachen, gemeinsamen Interessen oder bestimmten Gruppenvorlieben.
Freundschaften unter Kindern machen die Ablösung von den Eltern erträglich. Man grenzt sich von ihnen ab und findet in dem „besten“ Freund, in der „besten“ Freundin eine Halt gebende Bezugsperson. Und in der gemeinsamen Solidarität gegenüber der Welt der Erwachsenen entsteht ein einigendes Band. Je verständnisloser die Erwachsenen auf die Symbole der Kinder reagieren, umso mehr fühlen sich die Freundinnen und Freunde auf dem richtigen Weg. Man will unter sich bleiben. Erwachsene stören da nur. Man will spielen, Witze machen, Tricks ausprobieren, mal eine Gegenwelt konstruieren, in der alles möglich ist.
Freundschaftsbanden sind aber dann problematisch, wenn sie andere Kinder auf Dauer ausgrenzen und diese keine Chance haben, sich einer Gruppe anzuschließen, also Außenseiter sind. Oder wenn Banden Prügelknaben brauchen, um ihr Tun gegen Sündenböcke zu richten, gegen sie in Wort und Handeln zu Felde ziehen. Und erst recht problematisch wird es, wenn Kinder andere nötigen oder erpressen - egal, ob dies verbal oder materiell geschieht (Stichwort „Mobbing“ oder „Abzocken“). Sollten Gruppen ihre Handlungen gezielt gegen andere Kinder richten, dann gilt es einzuschreiten, dann ist es wichtig, das Opfer zu stärken, ihm Wege zu weisen, wie es sich behaupten kann. Abstrakte Formulierungen, wie „Wehr dich!“ oder „Schlag zurück!“ helfen in solchen Situationen wenig.

Wie Kinder Außenseiter werden

Es sind zwei Merkmale, die Kinder manchmal zu Außenseitern werden lassen:

  • Vor allem anderen sind es körperliche Merkmale. Kleine, vor allem aber übergewichtige Kinder, die kaum Ausstrahlung haben, werden schnell zur Zielscheibe (siehe auch "Mobbing"). Selbstbewusstsein vermittelt sich über Körperbewusstsein. Fühlen sich Kinder nicht wohl in ihrer Haut, spüren andere Kinder das sehr genau. Haben Kinder keinen Standpunkt - und dies ist körperbezogen gemeint -, werden sie schneller umgehauen, oder es haut sie schneller um.
  • Kinder werden von Gleichaltrigen aber auch abgelehnt, wenn sie zu selbstbezogen, herrschsüchtig und unsozial sind.

„Kann ich etwas dafür tun“, fragt eine Mutter, „dass mein Kind nicht zum Außenseiter wird, dass es Freunde findet, Freundschaften knüpft?“ Und eine andere will wissen, welche Eigenschaften es denn sind, die ein Kind beliebt oder unbeliebt werden lassen.

Kinder und Freunde

Zweifellos haben ein umsorgender Erziehungsstil, ein freundliches Erziehungsklima innerhalb der Familie förderliche Auswirkungen auf die Beziehungs- und Freundschaftsfähigkeit von Kindern. Doch wohlgemerkt: Kinder sind ausgesprochen unterschiedlich. Während der siebenjährige Tobias ständig neue Freunde hat, sie so häufig wechselt, dass seine Eltern langsam schon den Überblick verlieren, hat die gleichaltrige Antonia nur eine beste Freundin. Während der sechsjährige Markus vier Freunde hat, die sich jeden Tag auf dem Spielplatz treffen, sitzt die achtjährige Maike allein in ihrem Zimmer, liest, malt, denkt nach und führt ein Tagebuch. Jedes Kind braucht eine ganz individuelle Anzahl von Freunden: Das introvertierte Kind kommt mit wenigen Freunden aus, ja, es ist sich manchmal selbst genug; das extrovertierte Kind benötigt eine „Fußballmannschaft“, um sich wohlzufühlen. Es ist normal, wenn sich Kinder in Übergangsphasen - und das ist nun mal die Phase zwischen fünf und acht - zurückziehen, auf sich selbst besinnen, für sich allein sein wollen. Wer in dieser Phase ständig dafür sorgt, dass sein Kind den Kontakt zu Freunden aufnimmt, darf sich nicht wundern, dass sich das Kind immer mehr einkapselt.

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