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Wie sehr kann man Kinder hassen? Die Coronapolitik versagt bei Familien vollkommen

Wie sehr kann man Kinder hassen? Die Coronapolitik versagt bei Familien vollkommen

Hoffnungslosigkeit

Ist Deutschland eigentlich ein Kinderhasserland? Aktuell fühlt es sich für unsere Autorin genauso an. Denn während viele Menschen die Wiedergabe ihrer Grundrechte einfordern, werden Kinder der Durchseuchung preisgegeben. Und außer den Eltern interessiert das eigentlich niemanden.

Andrea, schreib doch mal darüber, wie es Familien zurzeit gerade geht. Uff, was für eine Aufgabe. Denn selbstverständlich kann ich nicht für alle Familien in Deutschland sprechen (besonders nicht für die, die am Wochenende durch Berlin marschierten und meinem Zweijährigen ins Gesicht brüllten, sie würden für seine Freiheit auf die Straße gehen...).

Erschöpfung bei Familien

Wir alle gehen unterschiedlich mit der aktuellen Situation um. Aber ich bin sicher, viele haben ein Déjà-vu und erinnern sich mit großer Erschöpfung an den Herbst und Winter 2020, als die Schul- und teilweise auch die Kitakinder wieder wochenlang zuhause waren.

Meine Erstklässlerin war von Dezember 2020 bis Juni 2021 nur alle zwei Wochen von 8:00-11:45 in der Schule. Es hat unglaublich viel Kraft gekostet und zwar nicht nur meine. Auch für sie war es eine extreme Herausforderung, sich durch die Schule nur sehr unzureichend betreut, das Lesen, Schreiben und Rechnen selbst beizubringen. Denn sind wir mal ehrlich: Wie viel Zeit können Eltern darauf verwenden, ihren Nachwuchs so zu unterstützen, wie der es eigentlich wirklich bräuchte?

Aber sie hat es, wie so viele Kinder deutschlandweit ertragen, hat sich eingeschränkt und angepasst, weil es das war, was verlangt wurde, um die älteren Menschen zu schützen. Kinder sind ein extrem wichtiger Teil der Gesellschaft, auch wenn wir sie nicht so behandeln.

Kinder zurück in der Schule - ohne Schutz

Nun sind die Kinder bis auf wenige Bundesländer, in denen es noch Ferien gibt, wieder zurück im Unterricht. In voller Klassenstärke und je nach Bundesland mit oder ohne Maskenpflicht im Unterricht. Aktuell wird vielerorts noch getestet und ja, auch Luftfilter sollen irgendwann noch kommen, aber das war es dann auch mit Hygienemaßnahmen. Wie arm ist das eigentlich? Politiker*innen debattieren über Luftfilter für Schulen in Parlamenten, wo diese Dinger natürlich längst stehen. Arbeiten da keine Menschen, die sich diesem Zynismus bewusst sind?

Abstand halten geht in den kleinen, vollbesetzten Klassenräumen nicht, offiziell zugelassene FFP2-Masken gibt es für Kinder nach wie vor nicht. Stattdessen wurde ja die FFP2-Maskenpflicht für Kinder lieber wieder zurückgenommen. Es ist beschämend für alle Verantwortlichen, wie wenig sich da in über 20 Monaten Pandemie für Kinder getan hat.

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis alle Kinder sich infizieren

Die Eltern von Schulkindern schicken ihre Kinder also jeden Morgen mit guten Wünschen in die Schule und können nicht mehr tun als hoffen, dass sich niemand ansteckt. Ein Wunsch, der sich nicht erfüllen wird, denn die Infektionsraten bei den Kindern steigen. Es ist leider keine Frage mehr, ob die Kinder sich anstecken, sondern nur noch wann und wie schwer sie erkranken.

Ohnmächtige Wut und Hilflosigkeit

Eine ohnmächtige Wut überkommt mich, wenn ich höre, wie immer wieder öffentlich darüber debattiert wird, welche Freiheiten denn nun wieder für alle gelten sollen. Alle meint selbstverständlich nur die Erwachsenen. Denn immerhin wird im September allen, die geimpft werden können, theoretisch ein Impfangebot gemacht worden sein. Und es sind ja auch Wahlen.

Da muss man die potentiellen Wähler*innen schon mit Versprechen locken. Dank einer alternden Gesellschaft werden bei der kommenden Bundestagswahl dreimal so viele Menschen wählen, die über 60 Jahre alt sind als unter 30-Jährige. Und für ältere Menschen, die vielfach eben leider keinen Bezug für die Belange von Kindern und Familien haben, wird der Wahlkampf geführt. Es ist zum Haareraufen.

Appelle an Kinder, von denen jetzt niemand was wissen will

Wir erinnern uns alle noch gut an die Appelle im letzten Jahr, als es keine Impfung und zunächst auch keine medizinischen Masken gab: Da wurden Spielplätze geschlossen! Spielplätze! Einer der wenigen Orte, wo Kinder sich innerstädtisch frei bewegen können. Ich werde das nicht vergessen, wie rund um die Berliner Spielplätze überall Absperrband flatterte. Kinder wurden nur noch als "Virenschleudern" und "Pandemietreiber" bezeichnet. Nie hat sich jemand für diese vollkommen überzogene Maßnahme entschuldigt.

Niemand hat auf die Kinder geschaut

Schulen und Kitas waren monatelang geschlossen, weil wir als Gesellschaft alles tun mussten, um die ältere Bevölkerung zu schützen. Den Kindern wurden soziale Kontakte vorenthalten, Austausch, Bewegung, Bindung außerhalb des Elternhauses zum Schutze aller. Der "Schutz" ging so weit, dass die Zahlen, die Gewalt in der Familie und sexualisierte Gewalt gegen Kinder dokumentieren, explodierten. Denn niemand konnte mehr hinschauen.

Wie sollen diese Narben je verheilen? Wie sehr kann man Kinder hassen, um so viel Gewalt zuzulassen? Wir haben große Schuld auf uns geladen und verlangen von den Kindern, dass sie das einfach mittragen.

Wo ist der Gemeinschaftssinn jetzt?

Jetzt wäre der Zeitpunkt der älteren Bevölkerung, die von den Kindern geschützt wurde, für die Jungen einzustehen. Sich zurückzunehmen, um die zu schützen, die nicht geimpft werden können und gezwungen werden, jeden Tag auf engstem Raum unendlich viele Kontakte zu haben. Wo ist die damals geforderte Solidarität jetzt? Nicht bei den Kindern und ihren Familien. Sondern bei den Parteien, um Rechte einzufordern und Lockerungen, denn die Pandemie war ja jetzt lange genug an der Reihe.

Hasst ihr Kinder?

Ist das, was gerade deutschlandweit an Schulen passiert, nicht der blanke Kinderhass? Neulich las ich, dass 2020 alle Menschen Angst vor der Triage hatten, also der Entscheidung, wer das letzte Intensivbett bekommt, wem zuerst geholfen werden kann, wer die besten Chancen auf ein Überleben hat. Niemand wollte sich vorstellen, dass ein*e Mediziner*in diese Entscheidung für die eigenen Eltern oder Großeltern fällen müsste.

Was glaubt ihr, was auf den Kinderintensivstationen in diesem Winter los sein wird? Es gibt viele Kinder, die intensivmedizinisch betreut werden müssen und es werden auch Kinder hier landen, die mit einer Covid-Erkrankung zu kämpfen haben. Wer will da die Triage vornehmen? Und die Gesellschaft lässt es zu, weil Studien besagen, dass Kinder in der Regel nicht so schwer erkranken.

Long Covid Kids

Ich will hier keine Panik verbreiten. Ich bin auch keine Ärztin oder Wissenschaftlerin, die hier nun en détail Aufklärung betreiben könnte. Aber ich sehe viele Virolog*innen, die vor dem Weg, den Deutschland gerade in Bezug auf Corona-Schutzmaßnahmen für Kinder nimmt, kritisch sehen. Die sich dafür stark machen, dass wir als Gesellschaft noch mal überlegen, ob wir diesen Kinderhass wirklich weiter tragen wollen. Denn auch sehr viele vermeintlich mild erkrankte Kinder sind ein vermeidbares Szenario. Und Long Covid macht leider auch vor Kindern nicht Halt.

Keine Quarantäne mehr

Für Kinder ist nichts vorbei. Und für ihre Eltern auch nicht. In Nordrhein-Westfalen und Berlin wurde nun beschlossen, nur das Kind, was positiv getestet wurde, in Quarantäne zu schicken. Die Klassenkamerad*innen verbleiben im Schulbetrieb, eventuell soll es PCR-Tests für alle Klassenkamerad*innen geben.

Der Grund für die neue Regelung, auch wenn das so natürlich niemand sagt: Die Arbeitskraft der Eltern möglichst lange aufrecht erhalten. Denn wir sind ja nicht nur Eltern, wir sind schon auch wirtschaftsrelevant. Fällt leider nur immer erst dann auf, wenn wir nicht mehr alles für alle möglich machen und uns stattdessen um kranke Kinder kümmern.

Eltern sind wütend

Wenn wir nun ständig mit unseren Kindern in Quarantäne hocken würden, dann würde aber auffallen, wie viel Eltern leisten. Ich bin mir ziemlich sicher, dass viele nach den Erfahrungen der letzten Monate nicht mehr sagen würden: Klar opfere ich mich weiter für alle anderen auf. Nee, wir stehen an einem Punkt, an dem viele Eltern einfach nur noch wütend sind.

Geht wählen, nutzt die Briefwahl

Aber es gibt keine Lösung, außer sich sehr genau zu überlegen, wo wir unser Kreuz bei der Bundestagswahl setzen werden. Das ist nur ein kleiner Hebel, aber es ist zumindest ein kleiner, zugegeben schon recht verzweifelter Versuch, die Interessen unserer Kinder wahrzunehmen. Eigentlich müssten alle (Groß)Eltern mit ihren (Enkel)Kindern die Parteiprogramme durchgehen und sie auf Kinderschutz und Kinderfreundlichkeit hin überprüfen. Kinder dürfen nicht wählen, aber wir wählen für ihre Zukunft.

Alle Eltern sollten jetzt sofort ihre Briefwahlunterlagen anfordern. Vermutlich wird es nämlich so sein, dass wir dann mit unseren Kindern in Quarantäne sitzen, oder, dass wir trotz Impfung an SarsCov2- erkranken. Aber dann haben wir wenigstens gewählt und ein kleines Stück mitbestimmt, wie die Gesellschaft mit dem Kinderhass in der Zukunft umgehen wird.

Quellen: WDR, tagessschau, Rbb

Mein Fazit

Was seit März 2020 in vielen Familien passiert ist, ist eine große Ungerechtigkeit. Und ein bisschen beschleicht einen das Gefühl, dass man es als Elternteil doch hätte besser wissen müssen. Von Kindern fordert diese Gesellschaft immer ganz schnell Einschränkungen und Solidarität. Selbst aber genau das auch den Schutzbedürftigsten zu gewähren, da wird es auf einmal ganz still.

In mir ist so viel Wut und Verzweiflung und Ratlosigkeit. Denn natürlich habe ich keine Lösung für die aktuelle Situation. Aber wisst ihr was: Das ist auch nicht mein Job. Ich bin keine Politikerin, ich bin Journalistin und Dreifachmutter. Und ich habe die Schnauze voll von all dem Kinderhass und der Ignoranz so vieler Menschen.

Bildquelle: getty images / iStock / Getty Images Plus / Halfpoint

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