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Scheinschwangerschaft: Darum spielt uns der Körper einen Streich

Pseudogravidität

Scheinschwangerschaft: Darum spielt uns der Körper einen Streich

Die Periode bleibt aus, Morgenübelkeit macht sich breit, der Bauch wird größer – Frau ist sich sicher, ich bin schwanger. Aber Schwangerschaftstest und Ultraschall zeigen keinerlei Hinweise auf eine Schwangerschaft. Es handelt sich wahrscheinlich um eine Scheinschwangerschaft.

Was ist eine Scheinschwangerschaft?

Die Symptome einer Scheinschwangerschaft unterscheiden sich nicht wirklich von denen einer richtigen Schwangerschaft: Die Menstruation bleibt aus, Morgenübelkeit tritt auf, Bauch und Brüste werden größer. Teilweise fangen die Brüste sogar an, Milch zu produzieren. Manche Frauen glauben auch, Kindsbewegungen im Bauch wahrzunehmen. In wenigen Fällen kann bei einer Schwangerschaft sogar eine erhöhte Konzentration des Schwangerschaftshormons Progesteron im Blut nachweisbar sein.

Doch auch dies ist kein endgültiger Beweis für eine Schwangerschaft. Dr. med. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte, dazu: "Als sicheres Schwangerschaftszeichen gilt nur der positive Schwangerschaftstest und ein Ultraschallnachweis. Das Ausbleiben der Menstruationsblutung bei einem ansonsten regelmäßigen Zyklus, Veränderungen an Gebärmuttermund und Gebärmutter, die bei der frauenärztlichen Untersuchung oft bereits kurz nach dem Ausbleiben der planmäßigen Monatsblutung festgestellt werden können, deuten nur darauf hin."

Während der Volksmund von einer Scheinschwangerschaft spricht, lauten die Bezeichnungen in der medizinischen Fachsprache „Pseudocyesis“, „Graviditas imaginata“ oder „Pseudogravidität“.

Psychische Ursachen: Deshalb kann eine Scheinschwangerschaft auftreten

Ursachen einer Scheinschwangerschaft sind in einem Großteil der Fälle psychischer Natur. Im Grunde genommen spielt die Psyche dem Körper eine Schwangerschaft und die Symptome vor und dieser reagiert drauf mit typischen Schwangerschaftsanzeichen.

Bei manchen Frauen ist der Wunsch, ein Kind zu bekommen, so groß, dass der Körper darauf so reagiert, wie er es auch auf eine richtige Schwangerschaft machen würde. Diese Belastung durch den langwierigen Wunsch, schwanger zu werden, wird meist als Wunschneurose bezeichnet.

Aber auch das Gegenteil gibt es: Wenn eine Frau sehr große Angst hat, schwanger zu werden, kann das Gehirn ebenfalls eine Schwangerschaft simulieren, in dem es den Körper anregt, besonders viel Östrogen und Gestagen zu produzieren. Die Scheinschwangerschaft ist in diesem Fall ein Symptom einer Angstneurose.

Auch eine Fehlgeburt oder Verluste im Familien- und Freundeskreis können eine Scheinschwangerschaft auslösen. Der Zyklus einer Frau hängt eng mit der Psyche zusammen. Der Wunsch nach einem Kind oder die Angst davor sind in solchen Fällen so übermächtig, dass der Körper die gewünschten oder befürchteten Symptome zeigt.

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Frauen, die denken sie seien schwanger, missdeuten oft andere körperliche Vorkommnisse oder Veränderung wie Blähungen, Darmbewegungen, Bauchwassersucht oder Fetteinlagerungen. Das ist besonders oft der Fall, wenn eine Frau, nachdem sie lange die Pille genommen hat, diese absetzt. Oft ist sie in einem solchen Fall nicht mehr mit den Begleiterscheinungen, die ihr Zyklus mit sich bringt, vertraut und vermutet dahinter eine Schwangerschaft.

Das gegenteilige Phänomen einer Scheinschwangerschaft, eine verdrängte Schwangerschaft, gibt es übrigens auch. Auch hier sind psychische Gründe oft der Grund.

Welche medizinischen Ursachen gibt es für eine Scheinschwangerschaft?

Neben psychischen Ursachen können aber auch medizinische Gründe vorliegen, dass die Frau scheinschwanger ist: Hormonelle Veränderungen und eine dadurch resultierende Produktion der Schwangerschaftshormone Östrogen und Gestagen können Schwangerschaftssymptome auslösen. Auch kann zum Beispiel eine Zyste am Eierstock Ursache sein. Oft bleibt in einem solchen Fall die Monatsblutung aus und die Frau denkt, sie sei schwanger, obwohl sie es nicht ist.

Positiver Schwangerschaftstest, aber kein Baby?

Wenn der Schwangerschaftstest positiv ausfällt, aber bei der Ultraschalluntersuchung kein Embryo in der Gebärmutter gefunden werden kann, ist das kein Zeichen für eine Scheinschwangerschaft. Es kann dann eine Eileiterschwangerschaft o.ä. vorliegen. Dr. med. Christian Albring erklärt: "Wenn der Schwangerschaftstest aus dem Blut deutlich und anhaltend positiv ist, aber in der Gebärmutter kein Embryo gefunden werden kann, dann muss mittels der Ultraschalluntersuchung ausgeschlossen werden, dass sich das befruchtete Ei in den Eileitern oder in der Bauchhöhle eingenistet hat."

Was tun gegen eine Scheinschwangerschaft?

Ein negativer Schwangerschaftstest oder ein negativer Befund bei der Ultraschaluntersuchung sollten eigentlich Gewissheit verschaffen und die Lage klären, doch das ist oft zu einfach gedacht. Denn leiden Frauen an einer Scheinschwangerschaft, leidet auch ihre Seele mit. Das Loslassen ist für Frauen in solch einer Situation unfassbar schwer.

Zur Bewältigung dieser Diagnose müssen Frauen deshalb dem „Warum“ nachgehen. Eine psychologische Beratung stellt hier einen wichtigen Schritt dar, damit betroffene Frauen sich in einem vertraulichen Umfeld mit dem übersteigerten Kinderwunsch oder der Angst auseinandersetzen können.

In solchen Fällen fürchten viele Frauen den Schritt zum Psychologen, weil sie nicht als „verrückt“ abgestempelt werden wollen. Aber eine Beratung ist in jedem Fall empfehlenswert. Wenn die psychische Belastung so groß ist, dass sie sogar zu einer Manipulation des Körpers führt, stellt eine psychotherapeutische Beratungen einen wichtigen Weg zur Besserung dar. Denn nicht zu Letzt kann solch eine psychische Belastung auch die Chancen auf eine richtige Schwangerschaft deutlich schmälern.

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Bildquelle: Gettyimages/fizkes

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