KiSS-Syndrom: Umstrittene Diagnose bei Säuglingen

Ob es das KiSS-Syndrom wirklich gibt, wird zwischen Ärzten und Alternativmedizinern heftig diskutiert. Letztere halten diese Halswirbel-Fehlstellung für die Ursache vieler Entwicklungsstörungen bei Kindern. Was es mit dem KiSS-Syndrom auf sich hat.


(0)

Melden Sie sich in unserer Community an, um Beiträge zu Ihren Favoriten hinzuzufügen.

Jetzt anmelden
Mit KiSS wird die Kopfgelenk-induzierte-Symmetrie-Störung abgekürzt. Gemeint ist damit keine Krankheit, sondern eine Fehlstellung der ersten beiden Halswirbel, die die Wirbelsäule mit dem Kopf verbinden. Sie soll für spätere Entwicklungsstörungen bei den betroffenen Kindern verantwortlich sein.

KiSS-Syndrom: Baby

Das Baby schreit ohne erkennbaren Grund - hat es das KiSS-Syndrom?


© Thinkstock

Weil der Zusammenhang zwischen der Wirbel-Fehlstellung und den ihr nachgesagten Folgen aber bisher nicht wissenschaftlich belegt werden konnte, zweifeln Schulmediziner an der KiSS-Theorie (siehe: Kritik am KiSS-Syndrom). Alternativmediziner vertreten sie jedoch vehemment und auch viele Erfahrungsberichte aus dem Internet erzählen von Behandlungserfolgen nach der KiSS-Diagnose.

Ursachen für das KiSS-Syndrom


Vermutet wird, dass insbesondere traumatische Geburtserlebnisse, wie z.B.

- eine Zangen- oder Saugglockengeburt,
- ein (Notfall-)Kaiserschnitt,
- eine besondere Belastung der Halswirbelsäule bei der Geburt,
- Mehrlingsgeburten,
- ein Geburtsgewicht von über 4.000 Gramm etc.

zur Wirbel-Verschiebung führen. Aber auch die Steißlage im Mutterleib beispielsweise soll das KiSS-Syndrom verursachen können.
KiSS-Syndrom-Symptome
Typisch für das KiSS-Syndrom ist, dass das Baby eine bevorzugte Richtung hat, was sich deutlich in seiner Körperhaltung und seinem Verhalten zeigt.

Anzeichen für das KiSS-Syndrom in Körperhaltung und Bewegung des Säuglings:

• Schiefhaltung des Kopfes und des Rumpfes, evtl. Überstrecken des Körpers
• abgeplatteter Hinterkopf, evtl. Haarabrieb
• Kopfhalte- und Kopfdrehschwäche
• Schieflage im Bettchen
• asymmetrische Schädelform
• Gesichtsasymmetrie (z.B. ein Auge kleiner als das andere)
• ungleiche bzw. einseitige Bewegungen von Armen und Beinen
• Fehlstellung der Füße
• unreife Hüftgelenke

Mögliche Anzeichen für das KiSS-Syndrom im Verhalten des Säuglings:

• anhaltendes Schreien, insbesondere beim Hochnehmen
• Vermeidung der Bauchlage
• eindeutig bevorzugte Brust beim Stillen, deshalb Stillprobleme
• bevorzugte Blickrichtung
• Trinkprobleme, häufig mit Sabbern und Schluckbeschwerden
• Schlafstörungen
• Überspringen einzelner Entwicklungsphasen (z.B. das Krabbeln)

Die Symptome treten in der Regel nicht alle gleichzeitig auf und können auch die Folge anderer Erkrankungen oder Störungen sein. Das Schreien kann z.B. auch auf die 3-Monats-Koliken hindeuten.

 Das könnte Sie interessieren: Schreibabys beruhigen

Das Baby schreit und zeigt damit an, dass ihm etwas fehlt. Wieso Sie Ihrer Intuition bei Schreibabys trauen sollten.


Folgen des unbehandelten KiSS-Syndroms

Befürworter der KiSS-Theorie sind davon überzeugt, dass ein unbehandeltes KiSS-Syndrom zu Störungen im Entwicklungsprozess führen kann. Dazu gehören beim Baby z.B. motorische Probleme, Haltungsschäden, Schlaf- und Entspannungsstörungen, eine gehemmte Sprachentwicklung sowie allgemeine Entwicklungsverzögerungen.
 
Beim heranwachsenden Kind wandelt sich das unbehandelte KiSS-Syndrom dann zum KiDD-Syndrom (Kopfgelenk-induzierte Dyspraxie/Dysgnosie), was weitere Probleme wie ADHS, Lern- und Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen und Migräne oder Bettnässen zur Folge haben kann.

Diagnose und Behandlung des KiSS-Syndroms
Wenn Sie vermuten, dass etwas mit Ihrem Kind nicht stimmt, sollten Sie es auf jedem Fall einem Arzt vorstellen. Er wird die gesamte Krankengeschichte erheben, alle Symptome erfragen und klinische Untersuchungen durchführen. Eventuell wird er Ihr Baby auch röntgen. Und wie geht es weiter? Das hängt ganz davon ab, was der Arzt von der Diagnose KiSS-Syndrom hält. Erkennt er sie an und zieht er sie in Betracht, wird er Ihnen bestimmt eine Manualtherapie und/oder Osteopathie empfehlen.

 Das könnte Sie interessieren: Osteopathie bei Babys

Mit behutsamen Griffen die Selbstheilungskräfte mobilisieren – das ist das Ziel der Osteopathie. Wann sie Babys helfen kann.


So sieht die KiSS-Therapie aus

Die KiSS-Therapie an Säuglingen sollte nur von qualifizierten und erfahrenen Heilpraktikern durchgeführt werden. Sie zielt darauf ab, die Blockaden und Verspannungen der Kopfgelenke durch mobilisierende Griffe und sanften Druck auf bestimmte Punkte zu lösen. Eine einzelne Behandlung kann dabei zwischen zehn und 45 Minuten dauern. Von den Krankenkassen werden manuelle Therapien übrigens in der Regel übernommen, eine osteopathische Behandlung dagegen muss häufig selbst gezahlt werden.

Lesen Sie auf der zweiten Seite mehr zur Kritik an der Diagnose und Behandlung des KiSS-Syndroms!





mehr zum Thema
Krankheiten kontrovers
Artikel kommentieren
Login