Organverschiebung in der Schwangerschaft: So macht sich Ihr Baby in Ihrem Bauch Platz

Immer wieder faszinierend: Die Verwandlung von der kleinen Erbse zum großen Säugling, der sich für die weite Welt bereit macht. Wie viele andere fragen Sie sich sicherlich auch, wie Ihr Baby in Ihrem Bauch überhaupt Platz findet. Wir haben eine fesselnde Animation zur Organverschiebung während der Schwangerschaft für Sie – und verraten Ihnen, was Ihr Baby während der neun Monate mit Ihren Organen anstellt.


(0)

Melden Sie sich in unserer Community an, um Beiträge zu Ihren Favoriten hinzuzufügen.

Jetzt anmelden
Wie um Himmels Willen soll ein Baby in meinen Bauch passen? Welche Frau hat sich das nicht schon gefragt? Denn logistisch gesehen ist doch eigentlich gar kein Platz für den Nachwuchs, oder? Magen, Leber, Herz – die Organe sind alle vorschriftsmäßig an ihrer Stelle und brauchen ja schließlich ihren Platz – wo soll da noch ein Baby reinpassen? Keine Sorge, Ihr Kind versteht es, sich während der Schwangerschft zwichen den Organen Platz zu verschaffen, wie diese Animation auf anschauliche Weise zeigt: 


How a woman’s internal organs move when she’s pregnant

Eine ausführlichere Version der Animation gibt es auf der Seite des Museum of Science and Industry in Chicago.

Die Organe in der Schwangerschaft: Das passiert bei der Organverschiebung


Wie die Animation anschaulich verdeutlicht, verschieben sich die Organe während der Schwangerschaft ein ganzes Stück. Ab etwa der 27. SSW legt das heranwachsende Baby immer mehr zu und die Organe von Mama müssen den Weg frei machen. Das geht leider mit lästigen Schwangerschaftsbeschwerden, wie Sodbrennen, Verdauungsproblemen oder Kurzatmigkeit einher. Was genau mit den einzelnen Organen einer werdenden Mama geschieht, haben wir uns einmal angeschaut:

➤ Der Magen

Der arme Magen hat die denkbar schlechteste Position. Da er am höchsten Punkt des Uterus liegt, bekommt er im Laufe der Schwangerschaft immer mehr Druck von unten. Ab der 34. SSW hat er kaum noch die Hälfte des ursprünglichen Fassungsvermögens. Außerdem geht durch den Druck der Schließmuskel des Magens nach oben hin leichter auf. So kann Magensäure in die Speiseröhre gelangen. Die Folge: Sodbrennen.

Was lässt sich tun?
Am besten fünf kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt zu sich nehmen, statt drei große. Beim Schlafen sollten Sie darauf achten, den Oberkörper etwas höher zu lagern, das hilft, damit die Säure eher unten bleibt. Hier haben wir noch mehr Tipps gegen Sodbrennen in der Schwangerschaft.

➤ Die Lunge
Auch die Lunge verliert an Fassungsvermögen: Sie bekommt während der Schwangerschaft 25 Prozent weniger Luft. Denn Magen und Leber werden von unten gegen die Lunge gedrückt und verschieben die Lunge so nach oben. Die Folgen sind Kurzatmigkeit und das Gefühl, nie genug Luft zu bekommen.

Was lässt sich tun?
Die gute Nachricht: Ab etwa der 36. SSW lässt der Druck meist plötzlich nach. Denn dann senkt sich das Köpfchen Ihres Nachwuchses ins Becken und die Lungen haben wieder mehr Platz zum Atmen – das ist vor allem in Hinblick auf die Strapazen der Geburt extrem wichtig.

➤ Das Herz
Das Herz liegt relativ geschützt im Brustkorb – da kommt die Gebärmutter selbst ganz am Ende der Schwangerschaft nicht hin. Trotzdem zeigt auch Ihr Herz während Ihrer Schwangerschaft Auffälligkeiten: Es muss nun etwa eineinhalb Liter mehr Blut pumpen, um Sie und Ihren Nachwuchs ausreichend zu versorgen, deshalb wird es während der Schwangerschaft auch größer – was wir für eine schöne Metapher für das Mamawerden halten. Zusätzlich beginnt das Herz schneller zu schlagen. Bei Ihnen macht sich das durch verstärktes Herzklopfen und ein enges Gefühl in der Brust bemerkbar.

Was lässt sich tun?
Bei starkem Herzklopfen sollten Sie sich erst einmal kurz hinlegen – mit erhöhtem Oberkörper und Beinen. Das hilft der Durchblutung der Plazenta und Ihr Herz kann sich wieder etwas beruhigen.


Organverschiebung Schwangerschaft

Organverschiebung: Ab etwa der 27. SSW geht es richtig los


© Museum of Science and Industry in Chicago
➤ Die Blase
Die Blase reagiert besonders empfindlich auf eine Schwangerschaft: Auch schon in den frühen Schwangerschaftsmonaten haben Sie das Gefühl, einfach immer auf die Toilette zu müssen. Anfangs ist daran noch nicht der Druck durch das Baby schuld, sondern das Gelbkörperhormon Progesteron. Das bewirkt, dass der Blasenschließmuskeln seine Aufgabe nicht mehr richtig erledigen kann. Später wird die Blase dazu noch immer weiter nach unten gedrückt – der Harndrang verstärkt sich noch zusätzlich.

Was lässt sich tun?
Ein alter Hebammentrick hilft zumindest, dass die Blase vollständig leer wird: Beim Wasserlassen den Bauch etwas anheben, damit die Blase Raum hat, sich zu entleeren. Und: Trotzdem viel trinken – auch wenn Sie gefühlt immer auf die Toilette müssen.

➤ Der Darm
Darm mit Charme – außer er bekommt das Progesteron zu spüren. Denn auch der Darm reagiert besonders empfindlich auf das Gelbkörperhormon: Er wird träge und langsam. Noch dazu wird er von der Gebärmutter sehr in die Enge getrieben und nach hinten gedrückt, so kann er sich nicht richtig entfalten – Völlegefühl und Verstopfung sind die Folge. Da auch die Venen aus der Region des Dickdarms zusammengedrückt werden, kann dies einen Stau in den Blutgefäßen und damit Hämorrhoiden verursachen.

Was lässt sich tun?
Natürliche Mittel gegen Verstopfung sind beispielsweise eingeweichte Backpflaumen oder Sauerkraut. Außerdem: Viel trinken und viele Ballaststoffe zu sich nehmen. Gegen Hämorrhoiden helfen Cremes oder Zäpfchen.

➤ Die Leber
Die Leber besteht aus relativ nachgiebigem Gewebe, deswegen kann sie leicht „auf Wanderung“ gehen und gelangt so in den Oberbauch. Fühlen Sie einen intensiven Juckreiz, ohne dass ein Hautausschlag o.ä. zu sehen ist, kann es sich in (seltenen) Fällen um eine Schwangerschafts-Cholestase handeln, einem Schwangerschaftsleiden, das die Leber befällt. Hier sollten Sie einen Arzt aufsuchen, denn die sogenannte intrahepatische Schwangerschafts-Cholestase erhöht das Risiko für eine Frühgeburt.

Was lässt sich tun?
Wenn Sie Ihrer Leber etwas Gutes tun wollen, essen Sie am besten wenig Fett.
Keine Sorge

Die meisten Mamas spüren diese Organverschiebung während der Schwangerschaft nicht. Nur der Druck auf die Organe kann in den höheren Schwangerschaftswochen Schmerzen oder auch Übelkeit verursachen. Und: Nach der Geburt kehren die Organe auch wieder brav an ihren Platz zurück.

 Das könnte Sie interessieren: Ultraschall in der Schwangerschaft

Hallo Baby: Der erste Ultraschall ist ein unvergleichliches Erlebnis. Endlich können Sie ihr Baby zum ersten Mal sehen.



von Nicole Metz




mehr zum Thema
Schwangerschaftsbeschwerden
Artikel kommentieren
Login