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Taufe ohne Kirche: Wenn die Eltern konfessionslos sind

Taufe ohne Kirche: Wenn die Eltern konfessionslos sind

Baby

Die Gründe sind vielfältig: Auch Eltern, die selbst keine Konfessionszugehörigkeit haben, möchten manchmal ihre Kinder trotzdem taufen lassen. Unter welchen Umständen das möglich ist und welche Alaternativen es gibt, haben wir für euch herausgefunden.

Jedes Jahr werden rund 300.000 Kinder getauft, 2020 waren es deutlich weniger, vermutlich auch deshalb, weil große Feiern aufgrund von Corona nicht möglich waren. Doch gehören zu den Täuflingen auch Kinder, deren Eltern konfessionslos sind, also aus der Kirche ausgetreten sind oder erst gar nicht Mitglied waren? Das fragen sich Eltern, die ihr Kind taufen lassen möchten, obwohl sie sich von den beiden Kirchen schon längst verabschiedet haben.

Taufe ohne Kirche: Die Gründe

Es gibt die unterschiedlichsten Gründe dafür, sein Kind taufen zu lassen, auch wenn man selbst kein Mitglied der Kirche ist. Oft sind Menschen aus Protest gegen die Kirchenpolitik ausgetreten, glauben aber nach wie vor an Gott und möchten dies ihrem Nachwuchs nicht vorenthalten.

Oder die Familien leben in christlichen Gemeinden, in denen ihre Kinder zu Außenseitern werden, wenn sie nicht getauft wären und dann nicht wie ihre Freunde zur Kommunion oder später zur Konfirmation gehen können. Manchmal wollen Eltern aber auch Verwandten einen Gefallen tun.

Dann gibt es oft einen sehr praktischen Grund: Man möchte das Kind in eine Konfessionsschule oder Konfessions-Kita anmelden. Diese Betreuungsstätten dürfen jetzt konfessionslose oder Kinder anderer Religionen nicht ablehnen, aber die Nachfrage ist einfach zu groß und da hat man sicherlich als Katholikin oder Protestant bessere Chancen.

Gründe gibt es also genug, um ein Kind taufen zu lassen, obwohl man selbst gar nicht mehr Kirchenmitglied ist. Was sagen nun die Kirchen dazu?

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Taufe ohne katholische Kirchenmitgliedschaft

Es gibt kein Nein, aber das Ja ist schon an Bedingungen geknüpft. Die Eltern müssen mit dem zuständigen Pfarrer sprechen und in diesem Taufgespräch begründen, warum sie ihr Kind taufen lassen wollen.

Reinhild Ahlers, die im Bistum Münster die Fachstelle Kirchenrecht leitet, erklärte in einem Interview mit "Kirche und Leben": "Es muss klar sein, dass dem Kind der christliche Glaube vermittelt wird. Dann ist es in der Regel so, dass es zumindest im unmittelbaren Umfeld des Kindes eine Person gibt – also nicht die Oma, die ab und an aus München anreist –, die die religiöse Erziehung übernimmt."

Demzufolge sollten dann auch die Paten ausgesucht werden, die die Eltern bei der Aufgabe, den christlichen Glauben zu vermitteln, helfen sollen. Letzten Endes liegt es an dem Pfarrer, ob er die Taufe übernimmt. Er kann sie nicht ablehnen, aber er kann sie aufschieben - bis sich die Situation geändert hat.

Das kann bedeuten, dass ein Elternteil wieder in die Kirche eingetreten ist oder sich Paten gefunden haben, die besser unterstützen können. Oder man wartet, bis das Kind selber den Wunsch äußert, getauft zu werden.

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Taufe ohne evangelische Kirchenmitgliedschaft

In der evangelischen Kirche wird ähnlich verfahren wie in der katholischen. Die Regelungen sind unterschiedlich bei der jeweiligen Landeskirche. Grundsätzlich kommt es aber wieder drauf an, wie der Pastor oder die Pastorin den Taufwunsch sieht.

Wenn klar ist, dass es nur ein Weg in die evangelische Kita ist oder man macht es, weil Oma sich sonst zu sehr aufregt, dürfte es ein größeres Sträuben geben. Pfarrerin Melanie Pauly sagt: "Als evangelische Pfarrerin kann ich Ihnen versichern, dass kein Geistlicher eine Taufe durchführen wird, bei der aus einem Taufgespräch eindeutig hervorgeht, dass die Motivation in Richtung "Ich will es Oma recht machen" oder "Mein Kind soll nicht ausgeschlossen werden" geht. Ja, das Taufbegehren kann dann aufgeschoben werden, bis sich die Motivation glaubhaft ändert."

Taufe ohne Kirche: Auf die Paten kommt es an!

Paten sind bei einer Taufe immer wichtig und nur in besonderen Fällen wird bei einer Taufe auf sie verzichtet. Bei konfessionslosen Eltern, die ihr Kind taufen lassen wollen, fällt den Paten eine noch größere Rolle zu. Sie sollen garantieren, dass dem Täufling der christliche Glaube der jeweiligen Konfession nahegebracht wird.

Das bedeutet - die Paten sollten Kirchenmitglieder sein, in der katholischen Kirche müssen sie mindestens 16 Jahre alt sein, in der evangelischen Kirche geht dies schon ab 14 Jahren. Und sie müssen auch die richtige Konfession haben.

Bei evangelischen Taufen, bei denen die Eltern Kirchenmitglieder sind, können auch Katholiken das Patenamt übernehmen, das ist aber nicht erlaubt, wenn die Eltern konfessionslos sind. Dann müssen sie der jeweiligen Konfession angehören. Die Paten können auch diejenigen sein, die Fürbitten oder Taufsprüche vorschlagen.

Was bedeutet die Taufe für das Kind?

"Die Taufe hat neben der theologischen auch eine rechtliche Dimension", erklärt Melanie Pauly. "Ein Kind, das getauft wird, wird rechtlich nur als Gemeindeglied geführt, wenn mindestens ein Elterntail oder Pate mit entsprechender Kirchenzugehörigkeit vorhanden ist. Ist dies nicht der Fall, hat die Taufe ausschließlich theologisch-geistlichen Charakter, heisst, das Kind gehört zu Jesus Christus und ist damit Teil der kirchlich-geistlichen Gemeinschaft, aber eben nicht Teil der kirchlich-institutionellen Gemeinschaft mit Rechtscharakter. In diesem Fall müsste es im Zuge der Erlangung seiner Religionsmündigkeit selbst eintreten.

Anders herum: Wenn die Eltern aus der Kirche austreten, bevor das Kind sein 14. Lebensjahr vollendet hat, wird dieser "mitausgetreten".

Muss man eine Taufe bezahlen, wenn man nicht in der Kirche ist?

Auf den Gedanken könnte man kommen, denn wer nicht in der Kirche ist, zahlt ja keine Kirchensteuer. Doch Taufen sind in der Regel kostenlos. Man könnte allerdings den Blumenschmuck bezahlen, wenn man etwas Besonderes für die Taufe haben möchte. Eine Spende für die Kirchengemeinde wird auch immer gern gesehen, ist aber nicht zwingend.

Welche Unterlagen braucht man für die Taufe?

Im Prinzip gelten für alle Taufen die gleichen Regeln. Man braucht:

  • Geburtsurkunde oder Familienstammbuch des Kindes
  • Personalausweise der Eltern
  • ggf. Heiratsurkunde
  • Bescheinigung der Kirchenzugehörigkeit der Paten

Taufe ohne Kirche: Überzeugungskraft ist angesagt

Wie ihr seht, sind Taufen möglich, auch wenn ihr nicht mehr einer Konfession angehört. Ihr musst aber überzeugende Gründe haben, warum ihr euer Kind taufen lassen wollt, obwohl ihr selbst der Kirche abgeschworen habt oder ihr nie beigetreten seid.

Die Alternative: Freie Taufe

Ihr wollt euer Kind keiner Religionsgemeinschaft anschließen, aber die Zeremonie einer Taufe gefällt euch? Dann könnt ihr eine sogenannte freie Taufe durchführen. Der Name ist etwas irreführend, da es sich eher um ein Willkommensritual als um eine Taufe im eigentlichen Sinne handelt.

Bei einer freien Taufe können auch religiöse Elemente eine Rolle spielen, sie müssen es aber nicht. Ihr bekennt euch dabei hauptsächlich zu eurern elterlichen Aufgaben und lasst Freunde und Verwandte euer neues Familienmitglied offiziell willkommen heißen. Das kann sowohl für Eltern, als auch die Gäste ein sehr emotionaler Moment sein und soll das Band zwischen Eltern und ihrem Kind festigen.

Ihr könnt die Zeremonie von einem professionellen Redner oder freien Theologen durchführen lassen oder sie selbst durchführen, bei euch zu Hause feiern oder eine Location mieten. Wie der Name sagt, ist auch die Form der Feier absolut frei.

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Bildquelle: Getty Images / martinedoucet
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