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Durchschnittsalter erstes Kind: Wird die 35 die neue 25?

Durchschnittsalter erstes Kind: Wird die 35 die neue 25?

Familienplanung

Mamas sind immer älter: Das Durchschnittsalter fürs erste Kind liegt bei über 30 Jahren (in Ostdeutschland 29,2 Jahre). Was sind die Ursachen? Ist das weltweit auch so? Und: Gibt es überhaupt das ideale Alter, eine Familie zu gründen?

"Sag mal, warum sind die Mamas bei euch in Hamburg alle so alt?!", fragte mich meine jüngere Halb-Schwester aus dem bayerischen Voralpenland, als sie bei uns zu Besuch war. Gute Frage, dachte ich. Tatsächlich: Es gibt wirklich viele frischgebackene Mamas zwischen Elbe und Alster, die auf die 40 zugehen oder sogar deutlich älter sind. Scheint hier normal zu sein. Aber ist das repräsentativ?

Wir haben uns einmal die Fakten für euch angesehen und beantworten die Frage, in welchem Durchschnittsalter Frauen und Männer ihr erstes Kind bekommen.

Wie alt sind Mütter im Durchschnitt beim ersten Kind?

Schon seit den 70er-Jahren steigt das Alter, in dem Frauen Babys bekommen.

  • Im Durchschnitt bekommen Frauen hierzulande mit 30 Jahren ihr erstes Kind.
  • Der Anteil der Mamas Ü40 hat sich seit 1990 vervierfacht.
  • Mein bayerischer Besuch hatte recht: In Hamburg leben die ältesten Mamas (in Sachsen-Anhalt sind sie mit 28,9 Jahren am jüngsten).
  • Interessant: Nach der Wiedervereinigung hat sich das Durchschnittsalter fürs erste Kind in Ostdeutschland enorm erhöht, von 24,9 (1991) auf 29 Jahre (2003). Was war da los? Ganz einfach: Der Arbeitsmarkt war unsicher.

Durchschnittliches Alter beim ersten Kind: Eine Frage des Jobs?

Vermutlich auch, ja. Ein Kind zu bekommen scheint nach wie vor leider für viele Frauen zum Karriere-Knick oder sogar -Aus zu werden.

Das könnte auch das Durchschnittsalter fürs erste Kind bei Akademikerinnen erklären: Im Schnitt 32 Jahre sind Mamas, die einen Uni- oder Fachhochschulabschluss in der Tasche haben. Rund die Hälfte der Akademikerinnen hat mit 35 noch kein Kind.

Elternzeit & Co.: Senkt das das Durchschnittsalter fürs erste Kind?

Studien belegen außerdem, was auf der Hand liegt: Wenn Staaten die Elternzeit großzügig fördern, ist das tendenziell ein Anreiz, sich etwas früher für ein Kind zu entscheiden.

In Deutschland sind wir zwar auf einem guten Weg, aber es gibt noch einiges zu tun.

  • Die gute Nachricht: Der Anteil von Vätern, die Elterngeld beziehen, steigt (von knapp 21 % in 2008 auf fast 36 % in 2018). Über ein Drittel nimmt sich also eine berufliche Auszeit fürs Baby. Immerhin.
  • Die schlechte Nachricht: Die meisten nehmen nur zwei Monate, weil sie laut DIW-Studie negative berufliche Konsequenzen befürchten müssen (die Frauen anscheinend hinnehmen müssen?).
  • Plus: Der Gender Pay Gap macht einen Strich durch manch schöne gleichberechtigte Familien-Rechnung. Solange Frauen mehrheitlich in schlechter bezahlten Branchen arbeiten oder bei gleicher Position weniger Gehalt kassieren, schlägt es sich natürlich auf dem Familienkonto nieder, wenn der Mann länger zuhause bleibt.

Wie alt sind Väter im Durchschnitt?

Apropos Männer. Es wird ja gern über "alte" Mamas lamentiert. Tja meine Damen, meine Herren, frisch gebackene Papas sind noch älter! Und zwar 34,7 Jahre durchschnittlich (Stand 2019).

Wie ist das Durchschnittsalter fürs erste Kind weltweit?

Laut OECD-Studie steigt das Durchschnittsalter fürs erste Kind auf der ganzen Welt:

  • Einzig und allein in Mexiko sind Frauen beim ersten Kind unter 28 Jahre.
  • In acht Staaten (Chile, USA, Türkei und einige osteuropäische Länder) sind Erstgebärende zwischen 28 und 30 Jahre.
  • Im Rest der Welt sieht es ähnlich aus wie in Deutschland: Frauen sind mindestens 30 Jahre, wenn sie ihr erstes Kind in den Armen halten.
  • Die ältesten Mamas mit über 32 Jahren leben in Japan, Irland, Italien, Korea, Luxemburg, Spanien und der Schweiz.

Wann sollte eine Frau ihr erstes Kind bekommen?

Diese Frage hört man manchmal. Sie stößt mir aber offen gestanden auf. "Sollte"? Wer will denn bestimmen, was das richtige Alter ist? Das müssen ganz allein die Frau und ihr*e Partner*in entscheiden. Ein Kind krempelt das komplette Leben um –  das ist also keine Frage des Sollens, sonders des Wollens.

Formulieren wir das also etwas anders:

Gibt es einen richtigen Zeitpunkt für die Schwangerschaft?

Klar spricht einiges für eine eher frühe Mutterschaft:

  • Zwischen 20 und 35 ist die Fruchtbarkeit am höchsten und Komplikationen während der Schwangerschaft und der Geburt treten seltener auf.
  • Wer gern mehrere Kinder haben will, sollte logischerweise etwas früher loslegen.
  • Außerdem: Wenn das Kind auszieht, habt ihr noch viele Jahrzehnte vor euch (und werdet später verhältnismäßig fitte Omas und Opas).
  • Ein weiterer Grund: Schwangerschaft, Geburt und der Alltag mit Baby oder Kleinkind sind wirklich (meistens) wunderschön – aber auch verdammt anstrengend. Mit 20 habt ihr eine ganz andere Energie und körperliche Fitness als mit 40 und steckt kurze Nächte und vielleicht sogar den Mental Load besser weg.

Es gibt allerdings auch Gründe für eine eher späte Mutterschaft:

  • Die Ausbildung ist abgeschlossen, der Berufseinstieg gemeistert, die Karriere auf dem Weg. Ihr seid finanziell besser abgesichert als in jungen Jahren.
  • Ihr lebt vielleicht in einer stabileren und längeren Partnerschaft als diejenigen, die sich in jungen Jahren ineinander verknallt und ungeplant eine Familie gegründet haben.
  • Ihr habt schon vieles gemacht und erlebt, was nicht jede*r mit Baby machen würde (Backpacking durch Asien, Job geschmissen ohne was Neues zu haben, Extremsportarten ausprobiert etc.).
  • Auch wenn ihr und euer Bauchzwerg ab 35 als Risiko-Schwangerschaft eingestuft werdet, ist das meist kein Grund zur Sorge. Es bedeutet einfach nur, dass euer Frauenarzt oder eure Frauenärztin auf bestimmte Werte besonders achtet (Schwangerschaftsdiabetes kommt zum Beispiel häufiger vor als bei jüngeren Schwangeren).

Letztlich spielt es keine Rolle, wie jung oder alt ihr seid. Eure Lebensumstände sind entscheidend und dass ihr euch vorstellen könnt, in die Elternrolle hineinzuwachsen. Und den "idealen" Zeitpunkt gibt es vermutlich eh nicht!

Psychotest: Bin ich bereit für ein Baby?

Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsches Institut für Wirtschaft (DIW), OECD, European Journal of Population

Überdurchschnittlich … alt

Ich bin mit 34 Mama geworden. Das ist älter als der Durchschnitt beim ersten Kind, aber hey, immer noch jünger als Madonna mit ihren damals 38 und viele andere spätgebärende Promis. Die Gründe: Ich hatte noch nicht den richtigen Mann gefunden, arbeitete wahnsinnig gerne, machte ausgiebig Party und konnte mir nicht vorstellen, dass ich auch mit Kind quer durch die Welt reisen könnte. Fast hatte ich ein wenig Panik, dieses Leben „aufzugeben“.

In wenigen Monaten werde ich 40. Zweites Kind? Echt alles nochmal von vorn, wo der Lütte schon fast "groß" ist? Bei Nummer Zwei wäre ich bestimmt deutlich müder und körperlich am Limit. Aber ich wäre auch deutlich gelassener, weil ich mit dem "Alter" vieles entspannter sehe.

Bildquelle: Getty Images / kieferpix

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