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Neuer Höchststand: So viele Eltern haben 2019 Erzieherische Hilfe angenommen

Kindeswohl

Neuer Höchststand: So viele Eltern haben 2019 Erzieherische Hilfe angenommen

Das Kindeswohl hat im Kinder- und Jugendrecht große Bedeutung. Um dies zu schützen, gibt es verschiedene Möglichkeiten Familien und insbesondere Eltern zu helfen. 2019 gab es so viel Unterstützungsfälle bei Familien wie noch nie zuvor.

Was sind Erzieherische Hilfen?

Das deutsche Recht kommt ja gerne etwas kryptisch daher und das ist auch bei den "Erzieherischen Hilfen" der Fall. Was bedeutet also dieser Begriff?

Unter dem Begriff Erzieherische Hilfen werden alle professionellen Beratungs-, Betreuungs-, oder Hilfeangebote für Eltern minderjähriger Kinder zusammengefasst. Um diese Unterstützung zu bekommen, muss eine Voraussetzung erfüllt sein: Die Kindeswohl entsprechende Erziehung kann durch die Eltern nicht (mehr) gewährleistet werden.

Das Gesetz fasst dies wie folgt zusammen:

Ein Personensorgeberechtigter hat bei der Erziehung eines Kindes oder eines Jugendlichen Anspruch auf Hilfe (Hilfe zur Erziehung), wenn eine dem Wohl des Kindes oder des Jugendlichen entsprechende Erziehung nicht gewährleistet ist und die Hilfe für seine Entwicklung geeignet und notwendig ist.

§ 27 Abs. SGB VIII

Grundsätzlich ist es freiwillig diese Hilfe anzunehmen. Das Familiengericht kann bei einer drohenden Kindeswohlgefährdung aber auch eingreifen und Erzieherische Hilfe anordnen. Unter bestimmten Vorrausetzungen kann die Hilfe auch für Volljährige unter 27. Jahren in Anspruch genommen werden.

Folgende Angebote fallen im Einzelnen unter Erzieherische Hilfe:

  •  Erziehungsberatung
  • Heimerziehung
  • Sozialpädagogische Familienhilfe
  • Vollzeitpflege
  • Erziehungsbeistände/Betreuungshelfer
  • sonstige Hilfearten

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1,02 Millionen Fälle von Erzieherischer Hilfe

Im Zehnjahresvergleich haben die Erzieherischen Hilfen um 22 % zugenommen. 2019 erreichten sie mit 1,02 Millionen Fällen einen neuen Höchststand. Im Vergleich zu 2018 sind das 1,3 % mehr.

Zu 47 % der Fälle wurden in 2019 Erziehungsberatungen in Anspruch genommen. Zu 13 % der Fälle kam es zur Heimerziehung und zu sozialpädagogischen Familienhilfen. In 72 % erhielten Minderjährige Erzieherische Hilfen.

43 % aller Erzieherischen Hilfen wurden 2019 von Alleinerziehenden in Anspruch genommen. Darüber hinaus bekommen 39 % aller Fälle staatliche finanzielle Unterstützung wie Arbeitslosengeld II o. ä. 51 % hiervon wiederum waren alleinerziehend. Bei Elternpaaren war der Anteil mit Transferleistungsbezug nur 25 % hoch.

Wo kann ich Hilfe bekommen?

Wenn ihr merkt, dass es in eurer Familie nicht mehr ganz rund läuft, scheut nicht davor, Hilfe zu suchen. Sie steht euch zu! Ansprechpartner ist das örtliche Jugendamt. Alternativ können auch kirchliche Einrichtungen bzw. Wohlfahrtsverbände (z. B. die Caritas) helfen. Es ist keine Schande Hilfe anzunehmen, bevor es zu spät ist und ihr euch als Familie verliert.

Quelle: Statistisches Bundesamt

Sarah Plück
Das sagtSarah Plück:

Fluch und Segen zugleich

Ich finde, es ist ein Segen, dass Familien so vielfältige Hilfe bekommen können. Gleichzeitig ist es natürlich beunruhigend zu sehen, dass vor allem Alleinerziehende häufig an ihre Grenzen kommen. Hier stimmt etwas im System nicht. Und ich bin mir leider sehr sicher, dass nach diesem Corona-Jahr insbesondere die Alleinerziehenden nochmals mehr an ihre Grenzen gekommen sind. Dann ist es nur gut, dass es die Erzieherischen Hilfen gibt und vor allem auch in Anspruch genommen werden.

Bildquelle: Gettyimages/fizkes

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