Frühförderung: Kinder müssen selbstbestimmt lernen


(0)

Melden Sie sich in unserer Community an, um Beiträge zu Ihren Favoriten hinzuzufügen.

Jetzt anmelden

Frühförderung: Kinder müssen selbstbestimmt lernen

Prof. Renate Zimmer von der Uni Osnabrück, eine der international führenden Forscherinnen auf dem Gebiet der kindlichen Motorik, sagt, was selbstbestimmtes Lernen bei der Frühförderung für Kinder ausmacht:
  • Erkundungsradius der Kinder erweitern: „Kleinkinder lieben jede Weiterentwicklung ihres Erkundungsradius´. Sie merken, dass sie immer weiter kommen. Und bekommen immer neue Bestätigung, dass sie etwas können - ´Je selbstständiger ich werde, desto mehr neue Erfahrungen kann ich machen.´

    “Sehr förderlich sei etwa, zu Hause Erlebniswelten zu schaffen, „indem man z.B. den Fußboden so verändert, dass Matratzen, Kissen und Hindernisse zu einer Krabbel-, Lauf- oder Kletter-Umgebung werden“.
  • Beobachten lernen: „Wir müssen dem Kind bei seinen Lernschritten ruhig zusehen können. Grundlage der Frühförderung ist, dass wir Vertrauen geben, dass wir da sind und dass das Kind auch danebenliegen darf mit seinen Versuchen, bis es die richtige Problemlösung selbst gefunden hat. Die Erfahrung, ´Aha, ich muss einen anderen Weg einschlagen´, ist wertvoll - viel wertvoller als ständige Anleitung. Denn so habe ich mehr gelernt, als wenn ich gleich den richtigen Weg gewiesen bekomme“, so Renate Zimmer.
    Deshalb braucht Frühförderung auch und vor allem: andere Kinder.

    Spiel- oder Krabbelgruppen, gemeinsam malen, musizieren und erleben - das ist nicht in erster Linie deshalb so wichtig, weil dabei Bilder oder Melodien entstehen, sondern weil hier Frühförderung gemeinsam geschieht. Kinder brauchen Kinder, und für uns Eltern ist es auch gut, zusammenzukommen: „Das Kind braucht ein anderes Rollenmodell als immer nur Erwachsene, und Eltern brauchen den Kontakt, um zu sehen, wie machen die anderen das“, sagt Renate Zimmer. Sie empfiehlt, gute Angebote zu nutzen, „nur nicht jeden Tag eine andere Gruppe und eine andere Aktivität“, nicht fürchten also, es gebe so viel zu verpassen.
  • Bei der Frühförderung nicht verbissen sein: Es ist sehr gut, wenn wir 2, 3 Inseln in der Woche haben, wo wir mit anderen zusammenkommen, um etwas gemeinsam zu tun. Aber die wichtigste Frühförderung für Kinder, entspringt aus der Kontinuität unserer Beziehung und aus alltäglichen Anregungen:
    • Mithelfen beim Wäscheaufhängen? Eine Übung für den präzisen Klammergriff.
    • Rhythmische Fingerreime? Kapital für die Sprachentwicklung.
    • Rituale und alltägliche Regeln? Futter für die soziale Intelligenz.
Wir haben ja schon im frühen Babyalter gelernt, dass Anregung dankbar aufgenommen wird, etwa beim Spiel mit Form, Farbe und Klang. In den folgenden Jahren kommt es darauf an, im Alltag Achtsamkeit dafür zu entwickeln, dass unsere Kinder immer mehr kann und immer mehr können möchten.