Wie lange bin ich noch fruchtbar? – Ein Fruchtbarkeitstest gibt Antwort

Kinderwunsch

Wie lange bin ich noch fruchtbar? – Ein Fruchtbarkeitstest gibt Antwort

Spätestens Anfang 30 hören viele Frauen mit Kinderwunsch die biologische Uhr immer lauter ticken. Unausweichlich stellt sich ihnen jetzt immer wieder die Frage: „Wie lange kann ich mit dem Schwanger werden noch warten und wann wird es zu spät sein?“. Fruchtbarkeitstests sollen diese Frage beantworten können.

Ein Baby? Ja, aber nicht jetzt.

Die Frauen in Deutschland werden immer später Mütter. Aktuell liegt das Durchschnittsalter für Erstgeburten bei 29 Jahren, Tendenz steigend. Die Gründe dafür sind vielfältig. In den meisten Fällen ist das Aufschieben des Kinderwunschs aber eine bewusste Entscheidung der Frau – die Lebenssituation scheint einfach lange Zeit noch nicht passend genug für ein Kind. Ärzte sehen das Aufschieben der Familiengründung jedoch kritisch, denn je älter eine Frau ist, desto schwieriger wird es für sie, auf natürlichem Weg schwanger zu werden. Und desto weniger Zeit bleibt ihr später für ein weiteres Kind.

Der AMH-Wert wird mittels Blutuntersuchung bestimmt.

Die Fruchtbarkeit der Frau ist begrenzt

Der gesamte Vorrat an Eizellen wird schon beim weiblichen Embryo angelegt. Mit der Geburt verfügen Mädchen dann über ein Kontingent von 1 Millionen Eianlagen. Dieses Kontingent bildet die gesamte Fruchtbarkeitsreserve der Frau; ihr Körper bildet keine neuen Eizellen mehr und die Zahl der Eianlagen nimmt kontinuiertlich ab. Bereits zum Zeitpunkt der ersten Periodenblutung sind nur noch 500.000 Eianlagen vorhanden. Etwa 400-500 davon kommen im Laufe des Lebens zum Eisprung, die übrigen gehen zugrunde. Das Eizellen-Depot der Frau wird also mit zunehmendem Alter kleiner und kleiner. Die Antibaby-Pille spart keine einzige Eianlage!

Spätestens ab 35 geht es in die "kritische Phase" über, denn Studien zeigen, dass bereits jetzt die Eizellenreserve bei mehr als jeder 10. Frau stark vermindert ist. Dazu kommt, dass bereits ab 30 Jahren immer häufiger Eizellen mit auffälligem Erbgut springen. Die Risiken für eine Fehlgeburt und andere Komplikationen während der Schwangerschaft steigen.
Die Fruchtbarkeit ist und bleibt aber ein sehr individueller Faktor. Während manche Frauen auch mit 40 Jahren noch Chancen haben, auf natürlichem Weg schwanger zu werden, kann es in diesem Alter bei anderen Frauen schon zu spät für eigene Kinder sein. Deshalb die drängende Frage vieler Frauen ab 30 an ihren Gynäkologen: Kann man vorhersagen, wie lange ich noch fruchtbar bin? „Ja, das geht. Wichtigste Parameter dafür sind das Anti-Müller-Hormon (AMH) und das Alter der Frau.“ erklärt Priv.-Doz. Dr. Christian Gnoth, Gynäkologe und Kinderwunsch-Experte vom Grevenbroicher Endokrinologikum & IVF-Zentrum.

Anti-Müller-Hormon als wichtiger Fruchtbarkeits-Parameter

Das AMH wird mittels einer Blutuntersuchung bestimmt und lässt Rückschlüsse über die Reserven der Eianlagen zu: je niedriger der AMH-Wert, desto erschöpfter ist das Eizellen-Depot. Aber: „Das AMH kann vielfältig interpretiert werden und ist immer in Zusammenhang mit den Hintergründen und den Lebensumständen zu betrachten.“, betont Dr. Gnoth. „Ein niedriges AMH kann ein schlechtes Zeichen sein, muss es aber nicht. Das Alter und andere Faktoren spielen da auch noch eine Rolle.“
Anhand des AMH-Werts und anderer Fruchtbarkeitsfaktoren können Kinderwunsch-Experten wie Dr. Gnoth individuelle Prognosen zur Fruchtbarkeitsreserve einer Frau von bis zu fünf Jahren abgeben. Ein solcher Fruchtbarkeitstest wird in der Regel nicht von der Krankenkasse übernommen und beläuft sich auf 30 bis 50 Euro. Manchmal kann für eine zuverlässige Prognose zusätzlich eine Ultraschall-Untersuchung der Eierstöcke hinzugezogen werden, dann steigen die Kosten auf etwa 100 bis 200 Euro.
Seit Herbst 2015 ist in den Medien immer wieder vom „Juno“ Fruchtbarkeitstest zu lesen. Das Besondere daran: Es handelt sich hierbei um einen Heimtest, den Frauen selbstständig durchführen können, ohne Termin und Arztbesuch. Doch Gynäkologen kritisieren dieses Angebot scharf. Warum, das lesen Sie auf der nächsten Seite.

So funktioniert der „Juno Fruchtbarkeitstest“ für Zuhause

Seit November 2015 haben Frauen die Möglichkeit, ihre Fruchtbarkeitsreserve mit dem "Juno Fruchtbarkeitstest" ganz ohne Arztbesuch von Zuhause aus bestimmen zu lassen. Klingt praktisch? Mag sein, doch im Internview äußert Gynäkologe Dr. Christian Gnoth Kritik an diesem Verfahren.

Wer die eigene Fruchtbarkeitsreserve nicht beim Arzt oder in der Klinik bestimmen lassen will, der hat seit November 2015 die Möglichkeit, das Ganze von Zuhause aus zu machen. Dr. Alexander Just, Facharzt für Gynäkologie aus Österreich hat dafür den „Juno Fruchtbarkeitstest“ entwickelt. Sein Ziel: Frauen schnell und unkompliziert eine Orientierung geben, wie lange sie noch schwanger werden können und sie davor zu bewahren, die Familiengründung zu lange aufzuschieben.

So funktioniert der „Juno Fruchtbarkeitstest“

Der Heimtest basiert auf der Untersuchung des AMH-Werts in Kombination mit einem Fragebogen zur Lebenssituation. Für die Blutuntersuchung bestellen sich die interessierten Frauen ein Testkit mit dem nötigen Zubehör und einer Anleitung zur selbstständigen Blutentnahme und schicken es dann per Post an das Juno Institut zurück. Außerdem füllen sie einen Online-Fragebogen zu Themen wie dem Alter, der Gesundheit und den Gewohnheiten aus.
Nachdem die Daten der Blutuntersuchung und des Fragebogens gemeinsam ausgewertet wurden, erhält die Kundin ihren personalisierten Befund. „Der Algorithmus berechnet alle wissenschaftlich bekannten Faktoren viel genauer als ein Arzt das könnte.“ wird Dr. Just auf der Webseite der österreichischen Tageszeitung Kurier zitiert.
Gratis ist das Ganze natürlich nicht. Anfangs wurde der "Juno Fruchtbarkeitstest" noch für 189 Euro auf der Webseite des Juno Instituts angeboten, was Gynäkologe Priv.-Doz. Dr. Christian Gnoth damals als „unverschämt teuer“ bezeichnete. Zur Erinnerung, der Bluttest in der Frauenarztpraxis oder Kinderwunschklinik kostet zwischen 30 und 50 Euro. Liegt eine medizinische Begründung für den Test vor, wird er sogar von den Krankenkassen übernommen. Aktuell ist der Juno Heimtest für 149 Euro zu erwerben. Darin enthalten sind alle Utensilien für Blutentnahme und -versand an das Institut sowie die Auswertung und eine telefonische Beratung zum Ergebnis. Wer möchte, kann zusätzlich eine ausführliche Befundbesprechung dazu buchen, muss dafür jedoch tiefer in die Tasche greifen.

Gynäkologe äußert Kritik am Heimtest

Dies kritisiert Kinderwunsch-Experte Dr. Gnoth und betont, wie wichtig eine umfassende Beratung vor und nach einem Fruchtbarkeitstest für die Patientin ist. Dass diese Leistung beim Juno Heimtest mittels eines Fragenbogens und Telefonats erbracht werden, hält er für unzureichend. Insbesondere, dass die ausführliche Befundbesprechung nicht inklusive ist, stößt ihm sauer auf. Silvia Hecher, Geschäftsführerin des Juno Instituts, betont jedoch, dass eine umfassende Beratung zum Ergebnis sehr wohl im Angebot enthalten sei. Insbesondere auf Frauen mit einem auffälligen Befund würde man proaktiv zugehen. Natürlich sei es möglich, eine ausführlichere Besprechung des Befundes dazu zu buchen, jedoch sei es vollkommen normal, dass der beratende Arzt dafür bezahlt werden muss, das sei in der alltäglichen Praxis schließlich auch nicht anders.

Eine umfassende fachliche Beratung ist unerlässlich.

An der Zuverlässigkeit des „Juno Fruchtbarkeitstests“ zweifelt Dr. Gnoth übrigens nicht. „Es gibt standardisierte Verfahren und nur wenige Anbieter für die Auswertung solcher Bluttests. Das heißt, wenn es keine Anwendungsfehler bei Blutentnahme und -transport gibt, gehe ich davon aus, dass die Ergebnisse der österreichischen Kollegen korrekt sind.“ Dennoch rät er allen Frauen, die sich bezüglich ihrer Fruchtbarkeit unsicher sind, sich in erster Linie an ihren Frauenarzt zu wenden oder eine Kinderwunschklinik aufzusuchen. „Wichtig ist ja schon der Grund, warum eine Frau den Test machen will.“, so Dr. Gnoth. „Macht sie ihn, weil sie Probleme damit hat, schwanger zu werden, ist eine fachliche Beratung beim Kinderwunsch-Experten sowieso unerlässlich, der im Zweifel selbst einen Fruchtbarkeitstest (mittels AMH-Messung und Ultraschall, Anm. Redaktion) machen würde.“ Dem widerspricht Silvia Hechler nicht und betont in dem Zusammenhang, dass das Juno Institut interessierte Frauen auch auf die Möglichkeit eines Fruchtbarkeitstests beim Gynäkologen hinweist.

Fruchtbarkeitstest beim Arzt vs. Heimtest

Was ist nun also "besser": der Fruchtbarkeitstest beim Arzt oder der "Juno Fruchtbarkeitstest" für Zuhause? Fest steht: Beide Varianten liefern bei der korrekten Durchführung seriöse Ergebnisse. Unterschiede gibt es lediglich im Preis und in der Art und Weise der Beratung. Interessierte Frauen sollten sich folgende Fragen stellen um abzuwägen, welcher Weg für sie der bessere ist:
➤ Nehme ich das Warten auf einen Termin und gegebenenfalls die Anfahrt zum Kinderwunschexperten in Kauf oder bestelle ich mir das Testkit lieber bequem nach Hause?
➤ Bin ich bereit, mindestens 149 Euro für einen Heimtest auszugeben, auch wenn der Fruchtbarkeitstest in einer Kinderwunsch-Praxis vermutlich günstiger wäre?
➤ Traue ich mir zu, mir mithilfe mit des Testkits selbst Blut abzunehmen oder könnte ich gegebenenfalls einen Arzt (kann auch der Hausarzt sein) darum bitten?
➤ Reicht mir eine telefonische Beratung nach dem Test aus oder lege ich Wert auf ein persönliches Beratungsgespräch in der Klinik bzw. Praxis?
(Stand: Oktober 2016)

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