Daumenlutschen: Darauf sollten Eltern achten!

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Daumenlutschen: Darauf sollten Eltern achten!

Jeder weiß, wenn ein Kind zu sehr und lange am Daumen nuckelt, kann das unschöne und sichtbare Folgen haben. Zahnfehlstellungen, Sprechschwierigkeiten oder Warzen sind mögliche Auswirkungen intensiven Daumenlutschens. Worauf du daher achten solltest.

Daumenlutschen bei Kindern ist weit verbreitet – und auch nichts Neues. Der Frankfurter Arzt und Psychiater Heinrich Hoffmann hat das Thema bereits 1845 in seinem berühmten Bilderbuch “Struwwelpeter“ aufgegriffen. Darin erzählt er Geschichten über unvorsichtiges oder sogar gefährliches Verhalten von Kindern. Eine davon ist die Erzählung von Konrad, dem Daumenlutscher, der damit nicht aufhören will und dem der Schneider am Ende die Daumen abschneidet.

Daumenlutschen: Was bei Babys noch süß ist, kann später problematisch werden

Daumenlutschen: Anfangs harmlos, später folgenreich

Dass Abschreckung wie im Beispiel von Konrad nicht die richtige Art des Umgangs mit dieser kindlichen Angewohnheit ist, darüber sind sich alle einig. Die übereinstimmende Ansicht von Ärzten ist es, dass Daumenlutschen bis zum Ende des dritten Lebensjahres harmlos ist und du auch nichts dagegen unternehmen musst. Später allerdings können sich unschöne Folgen und Spätschäden bemerkbar machen. Die möglichen Auswirkungen im Mund sind dabei die schlimmsten.

Daumenlutschen und die möglichen Folgen:

  1. Verformung des Kiefers
  2. Schrägstellung der Zähne
  3. Überbiss
  4. manchmal auch Artikulationsschwierigkeiten bei Sprechbeginn
  5. dadurch verspätetes Erlernen der Sprache
  6. Hornhaut oder Warzen am Lutschfinger
  7. gehänselt werden
  8. schlimmstenfalls Verhaltensstörungen

Vor allem im Mundbereich machen sich die Folgen von längerem Daumenlutschen irgendwann unschön bemerkbar. Der Daumen drückt beim Lutschen die oberen Schneidezähne nach vorne. Da die Zähne noch in der Wachstumsphase sind, verursacht das hässliche Schrägstellungen, die Zähne treten stark nach außen hervor. Dass das tatsächlich vom Daumenlutschen kommt, ebenso wie ein starker Überbiss, ist erwiesen. Darüber hinaus kann anhaltendes Daumenlutschen bis weit über das Kleinkindalter hinaus ein Anzeichen für eine Verhaltensstörung sein, die psychologisch behandelt werden sollte.

Ursachen und Hintergründe des Daumenlutschens

Saugen ist ein angeborener Reflex. Dass kleine Kinder gerne an etwas nuckeln ist ganz normal – und eine Art Überlebensstrategie. Dieser Saugreflex ist angeboren und sichert die Nahrungsversorgung im ersten Lebensjahr. Man weiß außerdem, dass mancher Fötus schon vor der Geburt, noch im Mutterleib, schon den Daumen in den Mund nimmt.

Nuckeln löst Anspannungen. Das Saugen hat eine beruhigende Wirkung. Bei Angst oder Anspannung nuckeln manche Kinder gerne, um sich zu trösten. Sie nehmen dafür nicht nur ihren Daumen, sondern gern auch andere Finger oder Schnuller, Ärmel, Schmusetücher und Stofftiere.

Unterstützung beim Abgewöhnen. Da die Nebenwirkungen des Daumenlutschens auf Dauer nicht zu übersehen sind, sollte sich dein Kind diese Angewohnheit bald wieder abgewöhnen. Allerdings ist das gar nicht so einfach. Dass Bestrafung – wie bei Konrad aus dem “Struwwelpeter“ - nicht zu den empfohlenen Methoden gehört, versteht sich von selbst. Strafe kann zwar vielleicht wirksam sein, wird aber von Pädagogen nicht angeraten. Dafür gibt es andere Wege, wie du deinem Kind dabei helfen kannst, mit dem Daumenlutschen aufzuhören.

Daumenlutschen abgewöhnen – so klappt es

Es gibt es ganze Reihe von Wegen, die zum Ziel führen können. Welches Vorgehen für dich und dein Kind das beste ist, musst du selber entscheiden. Vielleicht ist es auch eine Kombination aus mehreren dieser Ratschläge. Auf jeden Fall solltest du nicht vergessen, die Bemühungen deines Kindes auch entsprechend anzuerkennen.

Mittel gegen Daumenlutschen:

  • Tinkturen. Sie werden auf den Daumennagel aufgetragen und schmecken bitter oder scharf. Der unangenehme Geschmack soll die Kinder vom Daumenlutschen abhalten.
  • Handschuhe. Stoff im Mund empfinden Kinder ebenfalls als unangenehm. Es reicht ein Handschuh nur für den Daumen, also ein Stück Stoff, das über den Daumen gezogen und mit Klettverschluss am Handgelenk befestigt wird.
  • Bachblüten. Sie sollen den Drang zum Daumenlutschen unterdrücken. Manche Eltern haben mit dieser Form der alternativen Medizin gute Erfahrungen gemacht.
  • Homöopathie. Auch unter den homöopathischen Mitteln gibt es einige Globuli, die den Kindern dabei helfen sollen, sich das Daumenlutschen abzugewöhnen. Vor allem Ipecacuanha und Belladonna sollen hilfreich sein.
  • Ersatz. Eine Empfehlung lautet, die Kleinen zunächst auf einen Schnuller umzugewöhnen. Der hat gegenüber dem Daumen den Vorteil, dass man ihn nach einiger Zeit – am besten mit einem kleinen Ritual – ersatzlos entsorgen kann.
  • Ablenkung. Stellst du fest, dass dein Kind immer in bestimmten Situationen mit dem Daumenlutschen anfängt, kannst du erfolgreich sein, wenn du dein Kind in dem Moment für etwas anderes interessierst: ein gemeinsames Spiel, eine Vorlesegeschichte, Kuscheln oder etwas anderes, das ihm Wohlbehagen bereitet.
  • Lob. Das Loben gehört natürlich dazu, die Leistung auch zu würdigen, wenn dein Kind auf das Daumenlutschen verzichtet. Lob ist immer wichtig; die meisten Kinder lernen dadurch auch am schnellsten.
  • Belohnung. Eine gute Motivation sind ebenfalls kleine Belohnungen. Das können Bonbons oder eine andere Leckerei sein, längeres Aufbleiben, eine Gute-Nacht-Geschichte oder sonst eine Wunscherfüllung.
  • Eigeninitiative. Am erfolgversprechendsten ist es natürlich, wenn dein Kind von selbst mit dem Daumenlutschen aufhört. Sei es aus freien Stücken, oder weil es von anderen Kindern dafür gehänselt wird.
  • Geduld. Das Wichtigste nicht zu vergessen: Bei allen denkbaren Methoden der Abgewöhnung ist eine Komponente immer und ganz besonders unverzichtbar: Geduld.

Ärzte geben Entwarnung

Daumenlutschen ist bei Babys nicht die Ausnahme, sondern eher die Regel. Vor dem dritten Lebensjahr brauchst du dir ohnehin keine übergroßen Sorgen zu machen. Das bestätigen auch Mediziner. Die Nebenwirkungen sind dann im Allgemeinen unproblematisch, und sie bilden sich von selber wieder zurück.

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