Verstopfung beim Baby und Kleinkind

Gesundheit

Verstopfung beim Baby und Kleinkind

Eine Verstopfung bei Babys und Kleinkindern ist leider keine Seltenheit. Aber nicht jedes Mal, wenn die Windel leer bleibt, müssen Sie sich Sorgen machen. Woran Sie eine echte Verstopfung erkennen, wie Sie sie behandeln können und wie Sie Ihrem Kind die Angst vorm "Groß machen" nehmen.

Symptome einer Verstopfung bei Baby und Kleinkind

In den ersten sechs Lebenswochen sollte ein gestilltes Kind mehrmals am Tag Stuhlgang haben. Danach ist es ohne weiteres unbedenklich, wenn es einige Tage kein "Groß" in die Windel macht. Solange der Säugling sechs bis acht Mal täglich in die Windel nässt und auch sonst einen fitten Eindruck macht, brauchen Sie sich zunächst keine Sorgen zu machen.

Eine Verstopfung macht Bauchweh.

Ernstzunehmende Anzeichen einer Verstopfung sind hingegen ein harter Bauch, in Intervallen auftretendes Bauchweh und Schmerzen beim Stuhlgang. Letzteres zeigen Babys häufig durch das Anziehen der Beine zum Bauch und natürlich durch ärgerliches Weinen. Dazu kommt, dass der Windelinhalt sehr trocken und hart ist, oft auch faulig riecht.
Aber nicht alle Verstopfungen zeigen sich durch ausschließlich harten Stuhl. Auch schleimig-flüssige Durchfälle können Zeichen dafür sein, dass der Darminhalt zu lange verweilt und sich durch Vergärungsprozesse wieder verflüssigt hat. Ebenso kann Blut im Stuhl ein Zeichen für eine Verstopfung sein, genauso wie Kotschmieren und Einkoten bei größeren Kindern, da der Schließmuskel unter dauerhaftem Druck geschwächt wird. Begleitet werden Verstopfungen zudem oftmals von übelriechenden Blähungen. Früher oder später verliert Ihr Kind außerdem den Appetit.

Ursachen von Verstopfungen bei Babys

Allgemein ist es so, dass nicht-gestillte Babys anfälliger für Verstopfungen sind. Das liegt daran, da die Pre- und Folgemilch schwerer zu verdauen ist als Muttermilch. Es sollte grundsätzlich darauf geachtet werden, die Säuglingsnahrung präzise nach Anleitung und mit kalkarmem Wasser anzurühren, da Kalk den Stuhl im Darm trocken und fest werden lassen kann.
Sobald die erste Beikost gefüttert wird, sind durch die Umstellung ebenfalls Verstopfungen möglich. Anhaltende und häufige Verstopfungen können auch ein Zeichen für eine Unverträglichkeit bestimmter Flaschennahrung oder Lebensmittel sein.
Verstopfungen können auch entwicklungsbedingt als Reaktion auf das Trocken werden und den Abschied von der Windel auftreten. Auch Reisen, Umzüge oder familiäre Spannungen und der damit verbundene Stress können die Verdauung beim Kind lahm legen. In seltenen Fällen können auch Erkrankungen, wie eine Unterfunktion der Schilddrüse oder Diabetes mellitus sowie Fehlbildungen chronische Verstopfungen auslösen.

Häufig gehen Verstopfungen bei Klein- und Kindergartenkindern allerdings darauf zurück, dass sie dem Stuhlgang bewusst oder unbewusst entgegenwirken. Das kann zum Beispiel dann der Fall sein, wenn sie sich vor anderen als der eigenen Toilette zu Hause ekeln oder wenn im Kindergarten und beim Spielen "keine Zeit" war, um aufs Klo zu gehen. Problematisch wird es, wenn die verstopfungslösende Darmentleerung dann so schmerzhaft für das Kind ist, dass es eine Angst vorm "Groß machen" entwickelt. Im schlimmsten Fall wird es sich dann den Stuhlgang immer und immer wieder verkneifen, bis es zur erneuten Verstopfung mit anschließenden Schmerzen auf der Toilette kommt und ein Teufelskreis beginnt.

Was Sie bei einer Verstopfung tun können

Solange sich die Symptome und die Dauer der Verstopfung sowie die Schmerzen ihres Kindes in Grenzen halten, können Sie versuchen, das Problem selbst zu behandeln. Wenn Sie sich unsicher sind, die Verstopfung schon mehrere Tage anhält oder das Kind starke Schmerzen hat, sollten Sie aber dringend einen Arzt aufsuchen.
In allen anderen Fällen kann ein warmes Bad helfen, den Bauch zu entspannen. Mit einer sanften Bauchmassage in kreisenden Bewegungen regen Sie die Darmtätigkeit an, ebenso, wenn Sie mit den Beinchen des auf dem Rücken liegenden Kindes in der Luft Rad fahren. Größere Kinder sollten zum Toben angeregt werden, da Bewegung die Verdauung in Gang bringt.
Achten Sie besonders darauf, dass Ihr Kind ausreichend trinkt. Gerade bei der Fläschchengabe sollte zwischen den Mahlzeiten immer mal wieder Wasser, Tee oder ungesüßte Fruchtsäfte zu trinken gegeben werden.

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Sollten Sie den Verdacht auf eine Unverträglichkeit haben, dann probieren Sie Säuglingsnahrung anderer Hersteller aus. Bei Beikoskindern kann ein Teelöffel Keimöl im Babybrei helfen, den Stuhl weicher zu machen. Auch ballaststoffreiche Lebensmittel wir pürierte oder geriebene Äpfel, Birnen, Trauben, Zwetschgen oder Erdbeeren sowie etwas Kleie im Babybrei können die Verdauung anregen. Dabei ist aber unbedingt auf eine zusätzliche Flüssigkeitszufuhr während der Mahlzeiten zu achten. Außerdem sind stopfende Lebensmittel wie Banane, Reis Schokolade, gesüßte Getränke und Weißmehlprodukte tabu.
Bei starken Verstopfungen kann dem Kind auch Laktulose aus der Apotheke verabreicht werden. In der Regel reicht 1 Teelöffel Laktulose pro Tee oder Flaschenmahlzeit aus, um den Stuhl zu verflüssigen. Sollte die Verstopfung weiterhin anhalten, kann die Dosis auf 2 Teelöffel angehoben werden.
Sollte das alles nicht helfen, suchen Sie einen Arzt auf. Oft werden dann Zäpfchen oder andere Medikamente verschrieben, die die Darmtätigkeit anregen und den Stuhl weicher machen. Unangenehme Einläufe sollten dabei stets die letzte Maßnahme sein und nur dann durchgeführt werden, wenn nichts anderes mehr hilft oder die Verstopfung sehr akut ist.

So können Sie einer Verstopfung vorbeugen

Damit Verstopfungen gar nicht erst entstehen, sollten Sie darauf achten, dass sich Ihr Kind viel bewegt und mehrere Mahlzeiten über den Tag verteilt zu sich nimmt. Beikostkinder und ältere Kinder sollten vor allem ballaststoffreiche Lebensmittel, wie Vollkornprodukte, Gemüse und Milchprodukte essen. Während und zwischen den Mahlzeiten sollte es außerdem reichlich Wasser oder ungezuckerte Tees oder Fruchtsäftetrinken. Eine Routine beim Toilettengang, zum Beispiel immer nach dem Frühstück, kann außerdem dabei helfen, die Verdauung zu regulieren.

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Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie Sie Ihrem Kind die Angst vorm Stuhlgang nehmen können!

Tipps gegen die Angst vorm Stuhlgang

Nach schmerzhaftem Stuhlgang in Folge einer Verstopfung entwickeln viele Kinder eine Angst vorm "Groß machen". Diese Angst gilt es mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen zu behandeln.

Kinder entwickeln schnell eine Angst nach schmerzhaften Stuhlgang.

Sobald ein Kind im Alter von zwei bis drei Jahren gelernt hat, den Stuhlgang bewusst zurückzuhalten, können schmerzhafte Erlebnisse bei der Darmentleerung (z.B. nach einer Verstopfung) einen Teufelskreis in Gang setzen. Aus Angst vor erneuten Schmerzen verkneift sich das Kind dann den Stuhlgang bis zur erneuten Verstopfung. Diesen Kreislauf zu durchbrechen ist schwierig und braucht oftmals viel Zeit.
➤ Am wichtigsten: Die Angst ernst nehmen! Mit einem "So schlimm kann es doch nicht sein!" oder "Stell‘ dich nicht so an!" ist keinem Kind in der beschriebenen Situation geholfen. Auch wenn Sie der Meinung sind, dass einmal die Zähne zusammenbeißen und drücken nicht so schwer sein kann, kann genau das für Ihr Kind eine riesige Hürde darstellen.
Angst vor Schmerzen sollten Sie immer ernst nehmen und mit viel Einfühlungsvermögen entgegentreten. Ihr Kind muss spüren, dass es Ihnen vertrauen kann und dass Sie ihm glauben. Sprechen Sie also ganz ruhig mit ihm darüber, wovor es genau Angst hat und versuchen Sie zu erklären, was in seinem Körper vorgeht und woher die Schmerzen beim letzten Mal kamen.
➤ Keinen Druck aufbauen:
Catherine Giessen, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin aus München rät: "Man sollte versuchen, den Kindern so wenig Stress und Druck wie möglich zu machen, da somit die gesamte Toilettensituation zu einer traumatischen Erfahrung werden kann." Das heißt, egal wie verzweifelt Sie oder das Kind bereits sind, Ungeduld, Drohungen und Schimpfen wirken sich in jedem Fall kontraproduktiv aus.
Verkneifen Sie sich auch Sätze wie "Du bist doch schon groß!". Ihr Kind ist in der Situation sowieso schon überfordert und darf nicht noch zusätzlich belastet werden. Kleineren Kindern kann sogar die Windel wieder angeboten werden, "damit die negative Assoziation mit der Toilette verringert wird".
Giessen rät außerdem davon ab, der gesamten Situation zu viel Aufmerksamkeit zu schenken, da dies eventuell als Verstärker der Probleme wirken kann. "Das Kind bekommt das Gefühl, dass die schwierige Situation auch Vorteile mit sich bringt, nämlich die komplette Aufmerksamkeit der Eltern".
➤ Medikamente erklären und "Wundermedizin" geben: Sollten Sie bereits Hausmittel oder Medikamente einsetzen, die den Stuhl weicher machen, dann jubeln Sie diese Ihrem Kind nach Möglichkeit nicht irgendwie unter. Zeigen Sie ihm die Medizin und erklären genau aber kindgerecht, wofür sie da ist, "damit es eine Idee von den Prozessen bekommt, die im Körper ablaufen und Hoffnung schöpft, dass ihm dadurch geholfen wird", so Giessen.
Sollte Ihr Kind die Medizin verweigern, dann hilft ein bisschen Flunkern. Ein kleines TicTac zum Beispiel kann eine tolle "Wundermedizin" aus einem weit entfernten Zauberland sein. Denken Sie sich eine schöne Geschichte aus und Ihr Kind lässt sich dann vielleicht auf den Placebo-Effekt ein. Das gleiche funktioniert natürlich auch mit "Wunderzäpfchen" und "Wundersalben".
➤ Ablenken und positive Zeit haben: Eines der besten Mittel gegen die Angst ist Ablenkung. Das heißt ganz viele Bücher, Spiele und Spielzeuge werden mit ins Badezimmer genommen und dann wird die Toilettenzeit zur positiv empfundenen Spielzeit. Sie können auch gemeinsam singen oder sich verrückte Reimgeschichten ausdenken. Achten Sie aber darauf, dass das Kind nicht zu lange auf dem Töpfchen oder der Toilette sitzt und legen Sie Pausen ein, in denen getobt wird.

Machen Sie die Toilettenzeit zur Spielzeit!

➤ Selbstständigkeit fördern und belohnen: Am besten geht das laut Giessen mit einer Art Bonusplan, den Sie gemeinsam mit dem Kind erstellen können. Immer, wenn das Kind dann selbstständig auf die Toilette gegangen ist, darf es einen Sticker oder Smiley in den Plan kleben. War der Toilettengang erfolgreich, dürfen mehrere Sticker bzw. Smileys eingeklebt werden. Diese sollten dann für eine kleine Belohung eingetauscht werden können, wie z.B. gemeinsames Spielen, ein Kinobesuch oder ein neues Spielzeug.
"Wichtig ist", meint Giessen, "dass jeder realistische Versuch des Toilettengangs bereits belohnt wird, damit das Kind nicht zu lange aushält. Wenn es dann erfolgreich war, sollte es so viele Smileys bekommen, dass es zeitnah seine Belohnung eintauschen kann. Der Zusammenhang zwischen erwünschtem Verhalten und Belohnung sollte deutlich sein".
Nachdem die größte Angst überwunden ist und das Kind einige erfolgreiche Toilettengänge gemacht hat, sollte das Belohnungssystem langsam heruntergefahren werden, indem zum Beispiel nur noch wochenweise Sticker verteilt werden.

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