Rechts-Links-Schwäche: Warum verwechseln viele die Seiten?

Kleinkind

Rechts-Links-Schwäche: Warum verwechseln viele die Seiten?

Wegbeschreibungen folgen, beim Sport in die richtige Richtung rennen – diese Dinge sind schwierig, wenn man rechts und links oft verwechselt. Wie lernen Kinder die Unterscheidung und wie kann man diese Schwäche überwinden?

Rechts und links zu unterscheiden ist etwas, das Kinder erst im Laufe der Zeit lernen. Doch nicht jedem gelingt es: 20 bis 30 Prozent aller Menschen sollen damit auch im Erwachsenenalter noch ein Problem haben und die Richtungen entweder verwechseln oder erst kurz überlegen müssen, um sie zu benennen. Bei den meisten sorgt die Rechts-Links-Schwäche lediglich für lästige und manchmal peinliche Aussetzer – besonders oft dann, wenn es schnell gehen soll oder man unter Stress steht. Mit etwas Geduld ist es oft möglich, diese Probleme abzumildern.

Rechts oder links? Dieser Junge hat sich mit einem Bindfaden eine Gedächtnisstütze gebaut.

Wie lernen Kinder, rechts und links zu unterscheiden?

Gesunde Kinder entwickeln ganz von selbst ihren räumlichen Orientierungssinn und ein Gefühl für Richtungen. Entscheidend dafür ist ihr angeborener Bewegungsdrang. Sie greifen nach oben, robben voran, schaukeln von einer Seite zur anderen und erobern so den dreidimensionalen Raum. Dein Kind lernt auch, auf Dinge zu zeigen. Du kannst deinem Kind bei der räumlichen Orientierung und Benennung helfen, indem du die Begriffe oben, unten, vorne, hinten, links und rechts immer wieder verwendest, wenn dein Kind sich bewegt oder du es animieren willst.

Die meisten Kinder erlernen die Begriffe links und rechts zu allerletzt, da Eltern sie meist weniger oft verwenden. Ein weiteres Problem: Wenn Eltern ihren Kindern rechts und links zugleich beibringen wollen, speichern sie beide Informationen zusammen, eine Unterscheidung gelingt nicht mehr. Zeige deinem kleinen Kind also ein paar Tage lang konsequent immer wieder, wo rechts ist. Einige Tage später konzentrierst du dich auf links.

Besonders relevant werden rechts und links spätestens dann, wenn du deinem Kind das nötige Wissen zur Sicherheit im Straßenverkehr vermittelst und ihm beibringst, vor dem Überqueren einer Straße erst nach links und dann nach rechts zu schauen. Spätestens mit fünf oder sechs Jahren haben es die meisten jedoch geschafft, all diese Worte einschließlich rechts und links einer Richtung zuzuordnen.

Warum haben manche Kinder Probleme mit rechts und links?

Die Evolutionspädagogin Andrea Anderer sieht die Wurzeln der Rechts-Links-Blockade meist in der frühkindlichen Entwicklung. Werden bestimmte Bewegungsmuster, insbesondere das Krabbeln, nicht ausreichend erfahren oder ausgeübt, führt das zu Mängeln in der räumlichen Orientierung, die sich auch als Rechts-Links-Schwäche manifestieren können.

Zu diesen Entwicklungsschritten zählen:

  • in den Armen der Eltern hin und her gewiegt werden

  • auf dem Boden robben und krabbeln, sich rollend drehen

  • greifen und zeigen

  • Aufsetzen und Aufstehen lernen

  • die ersten Schritte machen

Rechts-Links-Schwäche: Harmlos oder ernstzunehmendes Symptom?

Probleme mit der Unterscheidung von rechts und links sind meist harmlos und manche Kinder brauchen auch schlichtweg länger als andere. Die Rechts-Links-Schwäche kann aber auch als Symptom von ADS und ADHS auftreten.

Die Orientierungsunsicherheit kann zudem mit Legasthenie einhergehen, denn auch das Lesen und Schreiben hat eine festgelegte Richtung. Manche Kinder, die Probleme mit rechts und links haben, legen sich ungern auf eine Schreibhand fest, haben Rechen- und Konzentrationsschwächen oder Schwierigkeiten mit dem Lese- und Textverständnis.

Die Rechts-Links-Schwäche sollte daher im Gesamtkontext gesehen werden – zusammen mit anderen Symptomen kann sie bei manchen Kindern auf Lernstörungen oder auf das Aufmerksamkeitsdefizit-Sydnrom hindeuten.

So übt man, rechts und links zu unterscheiden

Eine Theorie besagt, dass die Gehirnhälften der Betroffenen spiegelverkehrt arbeiten – doch dagegen kann mit mit etwas Geduld einiges tun. Wenn dein Kind in der Rechts-Links-Frage noch etwas unsicher ist, kannst du ihm mit gezielten Übungen helfen. Das A und O ist auch hier viel Bewegung! Alle Überkreuzbewegung trainieren die räumliche Wahrnehmung im Gehirn, zum Beispiel:

  • Im Stehen linken Ellenbogen und rechtes Knie zusammenführen, dann rechten Ellenbogen und linkes Knie zusammenbringen.

  • Im Stehen den linken Arm zur Seite strecken und nach oben bewegen, gleichzeitig das rechte Bein zur Seite ausstrecken und anheben. Dann Seiten wechseln.

  • Das Gehen im Vierfüßlergang soll sich ebenfalls positiv auf das räumliche Denken auswirken.

Regelmäßiges Üben soll helfen. Außerdem kannst du die Unterscheidung von rechts und links immer wieder spielerisch üben, zum Beispiel:

  • mit Suchspielen: "Was siehst du rechts vom Baum?", "Wo steht die Tasse - rechts oder links vom Teller?"

  • mit einer Collage: Gib deinem Kind alte Zeitschriften und lass es alle linken Schuhe ausschneiden und auf eine Pappe kleben. Für jeden richtigen Schuh gibt es einen Punkt.

  • mit einem Armbändchen: Trainiere immer nur eine Seite zur Zeit und binde deinem Kind ein hübsches Armband um das linke Handgelenk und präge ihm immer wieder ein, dass das die linke Hand ist. nach ein paar Tagen wechselst du.

Solche Übungen können - konsequent regelmäßig ausgeführt - dabei helfen, die Rechts-Links-Schwäche zu überwinden. Verbessert sich nach einer Weile nichts, könnte eine Lernberatung weiterhelfen.

Wo ist links? Eine praktische Merkhilfe

Du hast selbst manchmal einen Blackout, wenn es um rechts und links geht? "Links ist da, wo der Daumen rechts ist!" Mit diesem Spruch bist du auch nicht schlauer als zuvor. Zum Glück gibt es eine einfache Eselsbrücke. Sieh dir deine Hände an, spreize den Daumen im 90-Grad-Winkel ab. Links entsteht ein perfektes L – so weißt du immer, wo links ist.

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