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„Wackelzahnpubertät“-Autorin Andrea Zschocher im Interview: Diese Phase ist schwierig, aber normal

Persönliche Erfahrung

„Wackelzahnpubertät“-Autorin Andrea Zschocher im Interview: Diese Phase ist schwierig, aber normal

Trotzphase und Pubertät - das ist den meisten Eltern und auch Menschen ohne Kindern ein Begriff. Aber was ist die Wackelzahnpubertät? Familie.de-Redakteurin Andrea Zschocher bringt Licht ins Dunkle mit ihrem Ratgeber "Nicht mehr klein und noch nicht groß" zu dieser intensiven Phase, die ebenfalls für die Kleinen, aber auch uns Großen bedeutet kann, dass wir gemeinsam "auf dem Zahnfleisch gehen". 

Um das Thema Zähne gibt es ungemein viel Wissen und Wissensbedarf. Ob Zahnen, Milchzähne, Backenzähne oder Zahnpflege – wir Eltern sind dankbar über die Aufklärung, denn wir haben die Verantwortung für die Gesundheit der kindlichen Beißerchen. Ein großer Entwicklungsschritt ist es, wenn die Milchzähne zur Wackelzähne werden und dann herausfallen. Familie.de-Redakteurin Andrea widmet sich dem speziellen Thema und spricht für die Recherche mit einer Kinderzahnärztin und anderen "betroffenen" Eltern. Uns verrät sie im Interview u.a. welche persönlichen Hintergründe sie zu diesem Ratgeber bewegt haben.

Wackelzahnpubertät Andrea Zschocher
"Nicht mehr klein und noch nicht groß": Der erste Ratgeber von Andrea

Wie bist du auf das Thema „Wackelzahnpubertät“ gekommen?

Als meiner Tochter der erste Zahn auf recht dramatische Weise ausfiel, dachte ich erst mal nur: Ach guck, ist es jetzt also so weit. Im Laufe weniger Wochen war aber klar: Diese ausfallenden, wackelnden Zähne, die machen was mit Kindern. Ich wollte mehr darüber erfahren, hab aber nicht so richtig das gefunden, was ich suchte. Denn es gibt nicht so viele Ratgeber zu diesem Thema. Ich habe mich dann viel mit anderen Eltern unterhalten, die auch jede Menge Fragen hatten und dachte: Das ist ein Thema, wo es noch mehr Aufklärung und Unterstützung braucht.

Was ist dir bei den Recherchen zu dieser Phase im Leben der Kinder besonders hängen geblieben?

Die Wackelzahnkinder stecken irgendwie in zwei Welten fest. Sie streben jetzt für wirklich jeden spürbar nach viel Autonomie, sie wollen groß sein und alles können. Ganz anders, als es in der Autonomiephase der Fall ist. Und gleichzeitig möchten sie oft wieder klein sein, sich zurückziehen und brauchen ganz viel Zuwendung, Liebe, Geborgenheit. Sie stecken zwischen „nicht mehr klein und noch nicht groß“ fest, deswegen habe ich das auch als Titel für meinen Ratgeber gewählt.

Für meine Kinder war übrigens besonders spannend, dass die Kinderzahnärztin berichtete, wie lange es dauert, bis sich Karies durch einen bleibenden Zahn gefressen hat und wie schnell das bei Milchzähnen geht.

Nicht mehr klein und noch nicht groß: Der liebevolle Ratgeber für die Wackelzahnpubertät.

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Wie sind deine eigenen Erinnerungen an deine Wackelzähne?

In Bezug auf Wackelzähne erinnere ich mich an etwas, dass heute wohl nicht mehr gemacht wird. Der Faden um den wackeligen Zahn und die Türklinke, ein Geschwisterkind, was überraschend die Tür zuknallte. Der Klassiker vor 30 Jahren, von dem ich aus heutiger Sicht abraten würde.

Tatsächlich hat sich bei mir aber eher eingeprägt, dass ich zwei meiner bleibenden Zähne teilweise wieder verloren habe, weil sie bei einem Sturz abgebrochen sind. Mit einer Zahnrettungsbox, über die ich im Buch auch einiges erzähle, hätte man da vielleicht was retten können.

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Deine Tochter ist mittendrin in der Wackelzahnpubertät. Was ist für dich der größte Unterschied zur Trotzphase?

Ich glaube, der große Unterschied für Eltern ist, dass sie sich auf die Autonomiephase durch diverse Ratgeber und Artikel gut vorbereitet fühlen. Das ist bei der Wackelzahnpubertät anders, darüber wird viel weniger gesprochen. Da soll mein Buch für Aufklärung sorgen.

Bei meiner Tochter hat mich am meisten beeindruckt, wie gut sie die Veränderungen in sich in dieser Zeit wahrnimmt, auch wenn sie sie nicht immer artikulieren kann. Ich liebe es mit meiner klugen, schlauen Siebenjährigen über verschiedene Sachen zu philosophieren. Kinder in der Autonomiephase haben ja vor allem ein Interesse daran, als eigenständige Person mit eigenem Willen wahrgenommen zu werden.

Das ist in der Wackelzahnpubertät nicht mehr so das Thema. Da geht es darum herauszufinden, wer man selbst eigentlich ist. Und das, während sich ganz viel um einen herum ändert, denn viele Wackelzahnkinder wechseln in die Vorschule oder in die Grundschule. Das ist an sich ja schon aufregend.

In deinem Buch kommen auch andere Eltern zu Wort und teilen ihre Erfahrungen. Hast du das Gefühl, dass die Wackelzahnpubertät bei den Kindern ähnlich verläuft?

Tatsächlich zeigten die Zuschriften der Eltern: Wir sitzen alle im gleichen Boot. Natürlich in unterschiedlicher Ausprägung, bei der einen Familie ist die Wackelzahnpubertät recht wenig spürbar, andere verzweifeln an der Wut oder Hilflosigkeit ihrer Kinder. Ich wollte das auch mit meinem Buch zeigen, denn mir ist es wichtig, zu zeigen: Alles, was Eltern an Überforderung, Erschöpfung, Ratlosigkeit und auch Liebe spüren, ist normal. Und auch das Verhalten der Kinder, was uns manchmal so unerklärlich scheint, ist total normal.

Und jetzt mal auf den Zahn gefühlt: Wie ist deine Meinung über die Zahnfee?

Bei uns kommt sie nicht. Ich kann mit der Idee nichts anfangen und meine Tochter hat nicht danach gefragt. Sonst hätte ich mir etwas einfallen lassen müssen, mit dem wir beide leben können. Ich kann verstehen, dass es in anderen Familien anders ist. Aber was Eltern nicht vergessen sollten, die Vorstellung, dass da nachts jemand ins Zimmer kommt, während die Kinder schlafen, das kann ihnen auch Angst machen, egal wie sehr sie sich vorher darauf gefreut haben.

Eltern haben mir erzählt, dass die Zahnfee heiß ersehnt wurde und die Kinder abends vor lauter Angst und Panik nicht einschlafen konnten. Hier solltet ihr dann schauen, welche Alternativen es gibt. Vielleicht schreibt ihr einen Brief an die Zahnfee und legt vor die Tür. Auch wichtig: Soll die Zahnfee den Zahn mitnehmen oder bleibt der beim Kind in einer Zahndose?

Jede Familie kann diese Idee der Zahnfee ja ausgestalten, wie sie das möchte, aber ich rate, wie generell im Leben mit Kindern zur Flexibilität. Denn das Verlieren eines Zahns ist für Kinder etwas sehr Sensibles und vielleicht wollen sie den Zahn dann doch nicht verschenken.  Das ist unbedingt ok. Dann feiert ihr den Zahnverlust eben auf andere Weise.

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Zum Schluss: Dein spontaner Survival-Tipp für alle Eltern, deren Kinder sich in dieser Phase befinden …

Versucht entspannt zu bleiben. Die Wackelzahnpubertät ist auch für eure Kinder eine herausfordernde Zeit. Sie reagieren, wie sie reagieren. Nicht, weil sie euch ärgern wollen, weil sie selbst nicht so recht wissen, was los ist. Verständnis hilft ja grundsätzlich im Leben mit Kindern viel weiter. Und Liebe. An Liebe und Geborgenheit sollte es auch niemals mangeln. Denn dann überstehen Kinder und Eltern auch die Phasen, in denen sie sich gegenseitig anmotzen, ziemlich gut.

Es ist ok, wenn ihr das alles mega anstrengend findet und einfach nicht zuständig sein wollt. Ihr seid deswegen keine schlechten Eltern sondern einfach menschlich.

Andrea Zschocher

Wir haben alle unsere Grenzen und indem wir unseren Kindern unsere aufzeigen, lernen sie für ihre Grenzen einzustehen. So schlagt ihr zwei Fliegen mit einer Klappe: Ihr seid ein gutes Vorbild fürs "sich seiner selbst bewusst sein", was Kinder üben müssen, und ihr schafft euch Freiräume.

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Yao Fordemann
Das sagtYao Fordemann:

Mein Fazit

Ich gebe zu, dass mir die Wackelzahnpubertät vorher kein Begriff war. Meine Tochter ist vom Alter her noch eher in der Trotzphase. Umso spannender finde ich es, und das ist auch das Tolle an meinem Job, dass mir schon Themen begegnen, die eines Tages für mich im Vordergrund stehen werden. Ich fühle mich jetzt dank Andreas Buch mehr vorbereitet darauf, denn alles, was mit den Beißerchen meiner Kleinen zu tun hat, ist mir sehr wichtig. Ich hatte als Kind und Jugendliche lange Angst vor dem Zahnarzt. Erst später ließ es nach, weil ich begriffen habe, wie wichtig der Gang zum Arzt ist.

Bildquelle: Andrea Zschocher

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