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Karies bei Kindern: Eine Zahnärztin klärt auf!

schwarze Zähne

Karies bei Kindern: Eine Zahnärztin klärt auf!

Süßigkeiten, Säfte und Quetschies können für schwarze Zähne sorgen. Kinder essen und trinken sie dennoch so gerne. Grundsätzlich weiß man, dass die Menge das Gift macht. Dennoch gilt, ob Karies am Milchzahn oder schon bei einem bleibenden Zahn: Entdeckt ihr Karies bei euren Kindern, ist spätestens dann ein Gang zum Zahnarzt unumgänglich. Wir haben mit einer Zahnärztin gesprochen, worauf Eltern achten können, um Karies vorzubeugen.

Wie entsteht Karies bei Kindern?

Weist der Zahnarzt Karies bei einem Kleinkind nach, machen wir Eltern uns Vorwürfe. Haben wir unseren Kindern zu viel Süßes erlaubt?

Doch ganz so einfach ist es nicht, sagt Zahnärztin Renate Püchner: “Zucker ist an der Kariesbildung zwar beteiligt, aber nur indirekt. Karies entsteht, wenn Bakterien den durch die Nahrung aufgenommenen Zucker zu Säure verstoffwechseln und diese dann den Zahnschmelz angreift/demineralisiert. Ist dieser geschwächt, kommt es zum Loch im Milchzahn. Langfristig kann die Zuckerzufuhr durch die Nahrung schließlich dafür sorgen, dass Karies die Milchzähne befällt. Deshalb ist es so wichtig, dass die Bakterien, also der „Zahnbelag“, regelmäßig weggeputzt wird.”

“Milchzähne werden gerne etwas stiefmütterlich behandelt. Das ist aber ein Trugschluss. Haben die Milchzähne schon Karies, kann dies auch auf die bleibenden Zähne übergehen, sodass auch im Erwachsenenalter immer wieder Probleme auftreten. Besonders kariesgefährdet sind die ersten großen Backenzähne, denn sie kommen „unbemerkt“ ohne dass vorher ein Milchzahn ausfällt.” weiß Renate Püchner.

Wie sieht Karies bei Kindern aus?

“Befällt Karies die Zähne der Kinder, muss das nicht unbedingt mit bloßem Auge zu sehen sein. Haben Kinder Karies, sieht man das als Elternteil oft erst, wenn sie schon sehr ausgeprägt ist. Eine regelmäßige Kontrolle beim Zahnarzt ist deshalb sehr wichtig, um frühzeitig handeln zu können und um Folgeschäden zu vermeiden.” empfiehlt die Zahnärztin.

“Prinzipiell können Verfärbungen an den Zähnen oder Heiß-Kalt-Süß-Empfindlichkeiten erste Hinweise sein. Oftmals bleibt jedoch eine Karies im frühen Stadium symptomfrei. Ist die Karies schon sehr weit vorangeschritten und der Zahnnerv mit betroffen, kann auch das Zahnfleisch anschwellen und rot werden.” so Renate Püchner.

Wie wird Karies bei Kindern behandelt?

“Diagnostiziere ich Karies bei Kindern, erzähle ich während der Behandlung eine kleine Geschichte: Karius und Baktus werden mit dem Bagger rausgeholt, der Zahn wird geduscht, mit dem Pustewind getrocknet und das Loch mit Zauberknete verschlossen. Falls das Löchlein größer ist, hilft es, den Zahn mit einem Zauberschlafwasser einschlafen zu lassen.” berichtet die Fachfrau.

Weiter erklärt Renate Püchner: “Es wird also wie bei Erwachsenen gebohrt, gesäubert und das Loch mit einer Füllung verschlossen. Die Therapiemöglichkeiten hängen von der Größe der Karies, dem Alter des Kindes und der Bereitschaft zur Mitarbeit des Kindes ab.”
Ein Tipp der Zahnärztin lautet, dass Eltern nicht vor den Kindern von Spritzen, Bohrern oder der eigenen Zahnarzt-Angst sprechen sollten. Kinder sind prinzipiell erst mal unvoreingenommen und neugierig.

Stoßen die bleibenden Backenzähne durch, kann auch eine Fissurenversiegelung infrage kommen, um Karies bei Kindern zu verhindern. Gerade die bleibenden Backenzähne sind aufgrund ihrer vielen Grübchen und Furchen kariesgefährdet. Hier können sich Bakterien hineinsetzen, die von der Zahnbürste unerreicht bleiben und zu einem Loch führen.

“Bei der Fissurenversiegelung werden diese Furchen und Grübchen mit einem Kunststoff aufgefüllt, ohne das gebohrt werden muss. Bei den Kontrolluntersuchungen werden die Versiegelungen dann immer wieder kontrolliert.” erklärt die Zahnärztin.

Tipps einer Zahnärztin: Wie beugt man Kinder-Karies vor?

Die Zahnärztin rät Folgendes: “Ab dem Durchbruch des ersten Milchzahns bis zum zweiten Geburtstag sollte zweimal täglich eine Kinderzahnpasta mit 0,10 % (= 1000 ppm) Fluorid in einer reiskorngroßen Menge verwendet werden. Alternativ können Eltern auch mit einer Zahnpasta mit 0,05 % (= 500 ppm) Fluorid zweimal täglich putzen, dann aber mit einer erbsengroßen Menge Zahnpasta.”

Ab dem zweiten Geburtstag sollte zweimal täglich eine Kinderzahnpasta mit 0,10% (= 1000 ppm) Fluorid in einer erbsengroßen Menge verwendet werden. Nach Durchbruch der ersten bleibenden Zähne (ca. sechstes Lebensjahr) sollte dann mit einer fluoridhaltigen Junior- oder Erwachsenenzahnpasta (bis zu 0,15 % Fluorid = max. 1500 ppm) mindestens zweimal täglich eine Zahnreinigung erfolgen.

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“Zusätzlich sollte in der Familie fluoridhaltiges Speisesalz zum Kochen und Backen benutzen. Vorsicht bei Fluoridtabletten zur Kariesprophylaxe. Diese dürfen bei oben beschriebenen Maßnahmen ohne Absprache mit einem Zahnarzt nicht gleichzeitig zum Einsatz kommen.” erklärt Renate Püchner.

Aus ihrem Alltag berichtet die Zahnärztin: “Da ich häufig von kritischen Stimmen über fluoridhaltige Zahnpasta lese, dazu noch ein kurzer Hinweis: Fluorid wird zum einen in den Zahnschmelz eingebaut und bildet außerdem einen dünnen Schutzmantel. So wird der Zahn vor Demineralisation, also Karies geschützt. Darüber hinaus empfehle ich den Einsatz von Zahnseide. Gerade bei Kindern ist es leicht, die Zahnseide als Bestandteil einer normalen Zahnputz-Routine zu etablieren. Uns Erwachsenen fällt es sehr schwer, diese jeden Tag zu benutzen, weil wir es nicht von klein auf so kennen. Sobald das Kind mitmacht, einmal am Tag Zahnseide benutzen.”

Was ist hinsichtlich der Ernährung zu beachten?

Empfohlene Getränke um Karies bei Kindern zu verhindern:

  • Leitungswasser
  • Mineralwasser (natriumarm, ohne Kohlensäure)
  • ungesüßter Kräuter- oder Früchtetee
  • Vorsicht mit Frucht- oder Gemüsesäften: Sie zählen nicht zu den Getränken, sondern sind als Nahrungsmittel zu sehen. Ein Glas Saft bzw. ½ Glas Saft als Schorle, entspricht einer Portion Obst bzw. Gemüse.
  • Auch Milch ist kein Getränk, sondern ein Baustein der Ernährung

Weiter rät Renate Püchner auf die Zuckeraufnahme zu achten, denn auch die hochfrequente Zuckerzufuhr im Sinne von alle 10 Minuten ein Keks oder ein Schluck von der Saftschorle, lässt den pH-Wert in der Mundhöhle dauerhaft im niedrigen Bereich und verursacht weitere Demineralisationen bis hin zur Kariesbildung. Darüber hinaus sollten Eltern auf versteckten Zucker in fertigen bzw. verarbeiteten Getränken (Stichwort Quetschies) und Nahrungsmitteln achten.

Karies bei Kindern verhindern: Regelmäßig zum Zahnarzt

Die Zahnärztin erklärt, dass Eltern schon die Kleinsten an die regelmäßigen Kontrolltermine gewöhnen können: “Bei den Kleinsten bietet es sich an, wenn sie die ersten Male bei den Eltern mitgehen und zuschauen können, ohne das direkt in den Mund geschaut wird. So lernen sie die Umgebung und die Praxis näher kennenlernen.”

Die Krankenkasse übernimmt für Kinder zwischen dem sechsten Lebensmonat und sechsten Lebensjahr sechs zahnärztliche Früherkennungsuntersuchungen. Ab dem sechsten Lebensjahr ist eine halbjährliche Untersuchung mit Fluoridierung inbegriffen. Ab dem sechsten Lebensjahr bis zum 18. Geburtstag sind auch Fissurenversiegelungen an den großen Backenzähnen übernahmefähig.

Wir danken Renate Püchner für dieses ausführliche Interview und wünschen alles Gute!

Sarah Plück
Das sagtSarah Plück:

Wenn Zähne putzen angesagt ist, geben wir alles

Unser Sohn ließ sich eine Zeit lang mit dem selbsterfundenen Zahnputzlied, die Zähne wunderbar putzen. Nach einigen Monaten mussten wir die nächste Zündstufe starten: Dann durfte er parallel unsere Zähne putzen. Nun ist es seit einigen Tagen wieder schwierig, also springe ich wie eine Wahnsinnige durchs Bad und mache mich richtig zum Affen, sodass der Mund unseres Kindes offenbleibt und Papa putzen kann.

Bildquelle: Gettyimages/boggy22

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