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Glückshaube: Das super seltene Geburtsphänomen

Glückshaube: Das super seltene Geburtsphänomen

En Caul-Geburt

Gibt es etwas Spektakuläreres als eine Geburt? Wohl kaum! Doch manchmal setzt die Natur noch einen drauf: Die Glückshaube. Das Baby wird in einer intakten Fruchtblase geboren. Bei etwa 80.000 Geburten kommt es ein Mal vor. Wie kommt es dazu und bringt die "Glückshaube" wirklich Glück?

Was ist eine Glückshaube? 

Die Glückshaube beschreibt das Phänomen, dass ein Baby mit einem Teil der Fruchtblase, wie eine kleine Mütze über den Kopf gezogen geboren wird. Noch seltener kommen Babys in einem ganzen Glücksanzug zur Welt, nämlich in der komplett intakten Fruchtblase. Eine solche “en caul”-Geburt ist streng genommen aber nicht dasselbe wie die Glückshaube “caul“ oder lateinisch Caput galeatum. In vielen Fällen, so auch hier, wird es trotzdem mit darunter gezählt.

Der brasilianische Arzt Dr. Rodrigo Rosa hat eine solche "en caul"-Geburt nicht nur begleitet, sondern auch filmen können. Ein wirklich irres Video, wenn man bedenkt, dass  das Kleine doch gerade noch genau so im Bauch seiner Mutter gewohnt hat!

Die Geburten in der komplett intakten Fruchtblase sind deshalb so selten, weil diese normalerweise schon beim sogenannten Blasensprung, in der Eröffnungsphase der Geburt platzt. In der Regel ist die werdende Mutter zu diesem Zeitpunkt übrigens bereits mit deutlichen Wehen im Krankenhaus. In den seltensten Fällen, eigentlich fast nur in Filmen, platzt die Blase beim Spazierengehen oder im Supermarkt.

Ist eine Glückshaube gefährlich?

Nein. Die Geburt in der Fruchtblase ist weder für das Kind noch für die Mutter gefährlich. Die Hebamme oder Ärzte sollten die Blase aber schnellstmöglich öffnen, da das Kind sonst beim ersten Atemzug Fruchtwasser einatmen könnte. Außerdem kann die Fruchtblase so eng auf dem Gesicht liegen, dass sie wie eine über den Kopf gezogene Plastiktüte wirkt. In diesem Fall wird sie geöffnet, sobald der Kopf geboren ist.

Warum heißt es Glückshaube? 

Ob nun Glückshaube oder -Anzug, das Phänomen fasziniert die Menschen seit Urzeiten und überall auf der Welt. Schon im Mittelalter galt sie als gutes Omen, als Glücksbringer für das Kind und Zeichen für übernatürliche Fähigkeiten. Vermutlich deshalb, weil die intakte Fruchtblase das Baby bei der Geburt vor Infektionen schützte und so die Gefahr einer neonasalen Infektion nahezu auf Null senkte. Besonders in Zeiten, als es um die medizinische Versorgung noch nicht so gut gestellt war, ein riesen Vorteil.

Mythen und Geschichten um die Glückshaube

Noch heute ist Entstehung eines neuen Lebens ein absolutes Wunder, wenn auch medizinisch und biologisch voll erforscht. Das war vor Hunderten von Jahren aber noch lange nicht der Fall. Alles, was irgendwie anders oder besonders war, wurde von allen Seiten, Beteiligten und Unbeteiligten mit einer tieferen Bedeutung und Aberglauben belegt.

Mit Glückshaube geborene Kinder galten als hellsichtig oder hatten andere übersinnliche Fähigkeiten und natürlich jede Menge Glück. Man ließ die Hülle trocknen und behielt sie als Talisman. Später zahlten Seefahrer sogar große Summen, um ein Stück einer solchen Glückshaube zu besitzen, da man glaubte, dass der Besitzer einer Glückshaube nicht ertrinken könne. Selbstverständlich wurde die Glückshaube auch blitzschnell mit magischen Fähigkeiten in Sachen Fruchtbarkeit in Zusammenhang gebracht. Das Häutchen war Zutat in Liebestränken und man glaubte auch, dass das Mitführen seiner Glückshaube dabei helfen würde, dass sich eine andere Person in den Träger oder die Trägerin verliebt.

Die Ähnlichkeit der Glückshaube mit einer Mönchskutte, brachte wieder andere auf die Idee, ein damit geborenes Kind sei für ein Leben als Nonne oder Mönch vorbestimmt. Und leider zogen solche Glückskinder auch Neider auf sich. Darum findet sich ebenfalls die traurige Bezeichnung "Veil of Tears" also, Schleier der Tränen. Mit Glückshauben geborene Menschen wurden attackiert oder gar getötet. Und nicht zuletzt ließ die römisch katholische Kirchedie sogenannten "caulbearer" im Mittelalter eben auch als Hexen oder Ketzer verbrennen.

Berühmte Glückshauben 

Sigmund Freud, der Begründer der Psychoanalyse, wurde, so wird gesagt, mit einer Glückshaube geboren. Und auch in der Literatur finden sich immer wieder Helden und Antihelden, die diese Besonderheit aufweisen.

Im Grimmschen Märchen vom Teufel mit den drei goldenen Haaren, wird ein Junge mit einer Glückshaube geboren. Die Hebamme prophezeit den Eltern Reichtum und Glück, doch der König trachtet dem Glückskind nach dem Leben.

In Charles Dickens "David Copperfield" etwa heißt es "Ich wurde mit einer Haube geboren, die in den Zeitungen zum niedrigen Preis von fünfzehn Guineas zum Verkauf angeboten wurde."

In Stephen Kings "The Shining" wird der fünfjährige Sohn mit einer Haut über dem Kopf geboren, die ihn so aussehen ließ, als hätte er kein Gesicht. Obwohl seine Mutter und sein Vater nicht glauben, dass Danny "das zweite Gesicht" hat, hat Danny während der gesamten Geschichte übersinnliche Fähigkeiten.

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Beeindruckend

Ich glaube nicht an Mythen und Spökenkiekerei, wie man bei uns in Hamburg sagt. Besonders schlimm finde ich, dass Menschen wegen einer solchen Laune der Natur stigmatisiert oder gar als Hexen verbrannt wurden. Heute, in unserer modernen Gesellschaft ist das zum Glück kein Thema mehr und wir können uns auf die fantastischen Bilder konzentrieren, die uns erahnen lassen, wie das Baby die letzten Tage und Wochen in der Fruchtblase verbracht hat. Als könne man einen winzigen Moment lang in den Bauch hinein schauen. Unglaublich beeindruckend.

Bildquelle: Getty Images / A. Moraes

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