Schwangerschaft oder Marathonlauf – was ist anstrengender?

Neue Studie

Schwangerschaft oder Marathonlauf – was ist anstrengender?

Wir hören es immer wieder: schwanger werden ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Wissenschaftler haben jetzt herausgefunden, dass an dem Spruch auch noch viel Wahres dran ist, wenn es mit dem Baby geklappt hat: Die körperliche Herausforderung während einer Schwangerschaft kommt einem 9-monatigen Marathonlauf gleich. Kein Wunder also, dass wir dabei abends direkt auf die Couch fallen!

Während einer Schwangerschaft herrscht im Körper Ausnahmezustand.

Der menschliche Körper kann nur zu einem bestimmten Grad Energie verbrennen, bis er an seine Grenzen stößt. Das passiert zum Beispiel bei extremen Ausdauersportarten – oder in der Schwangerschaft. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass sich unser Energieverbrauch genauso verhält wie bei einem mehrwöchigen Marathonlauf, wenn wir schwanger sind.

Schwangerschaft als Extremsport?

Anthropologen überwachten 2015 sechs Läufer, die am Great Race USA teilnahmen. Sie stellten fest, dass die Athleten am Ende des zweiwöchigen Marathons weniger Energie verbrauchten als erwartet, 5.400 Kcal statt 6.000. Das bedeutete nicht nur, dass die Läufer 600 Kcal einsparten: Ihr Stoffwechsel verlangsamte sich während des Wettkampfes um das 2,5-fache.

Vergleiche mit Studien zu anderen extremen Ausdauersportarten zeigten, dass sich unser Energieverbrauch und Stoffwechsel mehr drosselt, je länger die Anstrengung anhält.
Verglichen mit Daten zu Schwangeren und stillenden Müttern, die im Schnitt den doppelten Energiebedarf pro Tag haben als zuvor, konnten die Wissenschaftler darauf schließen, dass sich unser Körper einer Schwangerschaft genauso anpasst wie dem Ausüben einer Extremsportart.

Veränderter Energiehaushalt

Unser Energiehaushalt ist in der Regel ziemlich konstant: leichte Fluktuationen in der täglichen Kalorienaufnahme und deren Verbrauch durch z. B. Sport eingerechnet, verläuft er in einer relativ geraden Linie. Unter großer Belastung kann unser Energiebedarf kurzfristig stark ansteigen: Nimmt eine Sportlerin zum Beispiel am mehrstündigen Ironman-Triathlon teil, verbrennt sie an dem Tag im Schnitt das 10fache ihres normalen Verbrauchs, am Folgetag fällt sie wieder auf ihren Durchschnittsverbrauch zurück. Marathonläufer oder Tour-de-France-Athleten, deren Wettkampf mehrere Wochen dauert, verbrennen täglich über das Doppelte an ihrem normalen Verbrauch. Nach ein paar Tagen fällt ihr Verbrauch aber leicht ab, weil der Körper sich an die extreme Situation anpasst und quasi auf Überlebensmodus umschaltet. Dasselbe passiert in der Schwangerschaft und Stillzeit – mit dem Zusatz, dass diese Perioden nicht über Wochen, sondern über viele Monate anhalten.

Schwangerschaft macht uns zu Extremsportlerinnen

Der Energieaufwand einer menschlichen Schwangerschaft ist aufgrund des langen Gestationszeitraums und der Größe des Kindes, die es im Verhältnis zu der seiner Mutter im Mutterleib erreicht, einer der größten im Tierreich. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass diese unvergleichbare Belastbarkeit auch der Grund ist, warum wir uns unter schweren Bedingungen so gut weiterentwickeln konnten – und unseren Stoffwechsel so gut an andere Extremsportarten anpassen können, sodass wir fähig sind, an wochenlangen Marathons und Radrennen teilzunehmen.

Egal, ob man dieser Theorie Glauben schenken möchte oder nicht: Die Studie beweist uns aufs Neue, was für ein enormer Kraftakt eine Schwangerschaft für den Körper ist und was Schwangere und stillende Mütter jeden Tag leisten – auch dann, wenn sie “nur” auf der Couch sitzen.

Quellen:
Quartz
National Center for Biotechnology Information, U.S. National Library of Medicine

Bildquelle:

Getty Images

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