Kinderwunschbehandlung: Methoden, Chancen & Risiken

Eine Kinderwunschbehandlung als letzte Hoffnung auf ein Baby. Viele Paare gehen diesen Weg - mit Erfolg. Wir stellen Ihnen hier verschiedene Methoden der Fruchtbarkeitsbehandlung bzw. Kinderwunschbehandlung vor, klären über Risiken und Kosten auf.


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Vater, Mutter und Kind. Ein schöner Dreiklang. Doch etwa jedes siebte Paar in Deutschland hofft vergeblich auf Nachwuchs. Sie bleiben ungewollt kinderlos, sie sind unfruchtbar. Was unfruchtbar heißt, hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert: „Ein Paar gilt dann als unfruchtbar, wenn die Frau innerhalb eines Jahres, in dem sie regelmäßig ungeschützten Geschlechtsverkehr hatte, nicht schwanger geworden ist.“ In Deutschland sprechen viele Ärzte allerdings erst nach zwei Jahren von Unfruchtbarkeit. Gründe für eine Unfruchtbarkeit gibt es verschiedene und sie liegen zu gleichen Teilen bei Mann und Frau. Die häufigsten Ursachen haben wir hier für Sie zusammengefasst: ➤ Diagnose Unfruchtbarkeit - und jetzt?

Kinderwunschbehandlung


© iStock
Absolut unterschätzt und doch Lust- und Fruchtbarkeitskiller Nr.1 ist Stress. Das Gute daran: Man hat es selbst in der Hand, dagegen etwas zu tun. Doch häufig sind die Ursachen körperliche und Paare sind auf medizinische Hilfe angewiesen, wenn Sie Ihren Kinderwunsch erfüllen möchten. Es gibt inzwischen sogar eine ganze Reihe von Fruchtbarkeitsbehandlungen bzw. Kinderwunschbehandlungen. So gelingt es zum Beispiel mit Hilfe von Methoden wie Insemination oder In-vitro-Fertilisation immer häufiger, Kinder im Reagenzglas zu zeugen, wenn das auf natürlichem Wege nicht (mehr) möglich ist. Doch diese Methoden müssen nicht zwingend notwendig sein. Bei 30 bis 40 Prozent der betroffenen Frauen geht der unerfüllte Kinderwunsch zum Beispiel auf eine hormonelle Störung zurück, welche mit Medikamenten behandelt werden kann. Die Therapie muss daher genau auf die Ursachen der Unfruchtbarkeit abgestimmt werden, ob die Beeinträchtigung bei der Frau, beim Mann oder bei beiden liegt.

Fruchtbarkeitsbehandlung bei Frauen


Hormonelle Störungen sind bei Frauen nicht selten. Daher wird bei Störungen im Eireifungsprozess und bei einer Gelbkörperschwäche zunächst mit einer Hormontherapie begonnen. Dadurch sollen der Zyklus wieder reguliert und die Eierstöcke anreget werden. Ärzte nennen das ovarielle oder hormonelle Stimulation. Ein Hormon, das häufig im ersten Schritt einer Fruchtbarkeitsbehandlung eingesetzt wird, ist Clomifen. Clomifen wird in Form von Tabletten eingenommen. Wie genau es wirkt, können Sie hier nachlesen:

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Auch das Follikelstimulierende Hormon (FSH) oder das Humane Menopausengonadotropin (HMG) können verabreicht werden, um die Eireifung zu unterstützen. Sie müssen allerdings gespritzt werden. Damit der Eisprung der sorgfältig aufgepäppelten Eizellen auch zum richtigen Zeitpunkt stattfindet, wird die Behandlung häufig noch durch weitere Hormone ergänzt, welche einen vorzeitigen Eisprung verhindern bzw. einen geplanten Eisprung auslösen.

Wie erfolgreich die Fruchtbarkeitsbehandlung mittels Hormonen ist, hängt natürlich auch von der Schwere der Hormonstörung ab. Dennoch werden im Durchschnitt nach der Behandlung etwa 30 Prozent der Frauen auf natürliche Weise schwanger. Natürlich meint hier, dass keine zusätzliche künstliche Befruchtung notwendig ist.

Behandlungsmethode: Hormone
Erfolgsquote: 30 %
Empfohlen bei: Hormoneller Störung bei der Frau

Weitere Kinderwunschbehandlungen
Eine reine Hormonbehandlung kann funktionieren, aber meist ist sie nur der erste Teil der Kinderwunschbehandlung. Im Folgenden erklären wir daher, welche anderen Methoden es gibt und wann sie angewendet werden.

Wie anfangs erwähnt, ist es für die Fruchtbarkeitsbehandlung ganz entscheidend zu wissen, wodurch die Unfruchtbarkeit bedingt ist. Haben die Voruntersuchungen gezeigt, dass beide Partner keine organischen oder hormonellen Störungen haben, dann kann eine geringe Spermaqualität und/ oder ein feindliches Scheidenmilieu Grund für den unerfüllten Kinderwunsch sein. In diesem Fall wird eine Insemination (Samenübertragung) gemacht. Bei dieser Methode werden aus dem Ejakulat des Mannes die fittesten Spermien heraussoriert und mit Hilfe einer Spritze oder indirekt über einen Plastikschlauch (Katheter) in die Gebärmutter eingebracht. Die Keimzellen beider Partner erhalten auf diese Weise eine Starthilfe, damit sie leichter zueinander finden. Die Insemination findet auch dann statt, wenn auf Spendersamen zurückgegriffen werden muss.


Insemination


© Thinkstock
Behandlungsmethode: Insemination
Erfolgsquote: ca. 5 % ohne Hormonbehandlung, ca. 8 - 12% mit Hormonen*
Empfohlen bei: Mäßig eingeschränkter Samenqualität, Antikörper gegen Samenzellen, feindliches Scheidenmilieu

Künstliche Befruchtung

Sind bereits mehrere Inseminationsversuche fehlgeschlagen, dann gehen die Ärzte einen Schritt weiter und verlagern die Befruchtung der Eizelle nach „draußen“ – sie findet dann im Reagenzglas statt. Die Frau erhält dabei Hormone, um innerhalb eines Zykluses gleich mehrere Eibläschen heranreifen zu lassen. Diese werden über die Scheide abgesaugt und im Reagenzglas mit dem „vorsortierten“ Sperma des Vaters gemischt. Das erfolgreiche Spermium muss selbstständig in die Eizelle eindringen. Nach drei Tagen werden höchstens drei befruchtete Eizellen in die Gebärmutter eingepflanzt. Diese Methode nennt sich In-vitro-Fertilisation (IVF). Sie wird aber häufig auch als künstliche Befruchtung bezeichnet. In Deutschland darf die IVF derzeit nur bei verheirateten Paaren durchgeführt werden. Für die Behandlung gilt das Embryonenschutzgesetz.

Behandlungsmethode: In-vitro-Fertilisation (IVF)
Erfolgsquote: 15 - 20 %; stark abhängig vom Alter der Frau*
Empfohlen bei: eingeschränkter Samenqualität, Antikörper gegen Samenzellen, Störung der Gebärmutter (z.B. Eileiterverschluss)


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Wunschkind aus dem Reagenzglas? Diese Methode der künstlichen Befruchtung gilt als das bekannteste Verfahren der Reproduktionsmedizin.


Wurde bei den Voruntersuchungen festgestellt, dass die Spermaqualität sehr schlecht ist und es die Keimzellen nicht schaffen würden, selbstständig in die Eizelle einzudringen, kommt bei der Kinderwunschbehandlung die ICSI-Methode (Intracytoplasmatische Spermien-Injektion) zum Einsatz. Das Prinzip gleicht dem der IVF-Methode. Der entscheidende Unterschied besteht darin, dass nur ein einzelnes Spermium mittels einer Pipette direkt in die Eizelle injiziert wird. Maximal drei befruchtete Eizellen werden dann in die Gebärmutter eingebracht.

Behandlungsmethode: Intracytoplasmatische Spermien-Injektion (ICSI)
Erfolgsquote: 15 - 20 %*
Empfohlen bei: Stark eingeschränkte Samenqualität


Bei allen eben genannten Kinderwunschbehandlungen muss die Frau ihren Körper mit zum Teil starken Hormonpräparaten behandeln, damit die Eizellen stark genug für die Entnahme und die Befruchtung im Reagenzglas sind bzw. damit in einem Zyklus mehrere Gelbkörperchen heranreifen. Eine für die Frau schonendere Kinderwunschbehandlung kann daher die IVM-Methode (In-Vitro-Maturation) sein. Die unreifen Keimzellen können direkt aus dem Eierstock entnommen werden. Daher ist eine deutlich geringere Hormonmenge nötig bzw. werden die Hormone über einen kürzeren Zeitraum verabreicht. Erst im Reagenzglas reifen die Eizellen unter Einfluss von Hormonen nach. Befruchtet werden sie dann entweder durch IVF oder der ICSI. Eine IVM kann eine gute Möglichkeit für Frauen mit einem Polyzystischen Ovarialsyndrom (PCO-Syndrom) sein.

Behandlungsmethode: In-Vitro-Maturation
Erfolgsquote:  3 – 27 % (schwankt stark je nach Studie)*
Empfohlen bei: Gestörte Eizellenreifung
, PCO-Syndrom

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Wenn keine Spermien im Ejakulat zu finden sind, gilt der Mann als unfruchtbar. TESE und MESA sind zwei Methoden, die helfen können.


Manche Paare haben auch das Problem, dass der Man nicht Ejakulieren kann oder die Samenleiter verschlossen sind. Dann müssen die Spermien für eine weitere Fruchtbarkeitsbehandlung durch eine Operation gewonnen werden. Man spricht bei diesem Eingriff von MESA (Spermiengewinnung aus Nebenhoden) bzw. von TESE (Spermien aus Hoden). TESE und MESA werden immer mit einer ICSI kombiniert.
Risiko für Körper und Psyche

Aus medizinischer Sicht gibt es also einige Möglichkeiten beim Kinderwunsch nachzuhelfen. Doch alle Möglichkeiten bedeuten einen schwerwiegenden Eingriff in den Körper. Ohne die Zugabe von Hormonen ist kein Baby möglich. Da ist es klar, dass die Fruchtbarkeitsbehandlungen bzw. Kinderwunschbehandlungen mit einigen Risiken verbunden sind. Lesen Sie außerdem auf den nächsten Seiten, mit welchen Kosten Sie rechnen müssen.

*Quelle: familienplanung.de/ Bundeszantrale für gesundheitliche Aufklärung





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Kommentare
  • annaanna

    Und wenn es mit der Samen alles ok ist, aber die Eizellen schlechte Qualität haben, dann kommt die Eizellspende in Frage. Diese Prozedur kann sogar eine einzelne Frau machen lassen. Es gibt auch Fälle, wenn Frauen Ü60 mit Hilfe der Eizellespende gesunde Kinder bekamen. In Deutschland ist aber dieses Verfahren verboten, deshalb fahren viele Frauen oder Ehepaare ins Ausland, wo es erlaubt ist, Z.B. Indien, USA, Frankreich, Ukraine( übrigens Klinik biotexcom sehr gefragt von deutschen Kunden ist) etc. Also, heute Medizin wirkt wirklich Wunder und man kann sagen, dass es keine absolute Unfruchtbarkeit gibt.