Taufe ohne Kirche: Wenn die Eltern konfessionslos sind

Könnt ihre eure Kinder taufen lassen, wenn ihr selbst ausgetreten seid?

Im Jahr 2017 wurden um die 340.000 Kinder getauft, in der katholischen Kirche waren es nach deren Angaben um die 166.000 und in der evangelischen Kirche 180.000. Gehören hierzu auch Kinder, deren Eltern konfessionslos sind, also aus der Kirche ausgetreten sind oder erst gar nicht Mitglied waren? Das fragen sich nämlich einige, die ihr Kind taufen lassen möchten, obwohl sie sich von den beiden Kirchen schon längst verabschiedet haben.

Taufe ohne Kirche: Kann ein Kind konfessionsloser Eltern getauft werden?

Kann ein Kind konfessionsloser Eltern getauft werden?


Taufe ohne Kirche: Die Gründe

Es gibt die unterschiedlichsten Gedankengänge, die hinter diesem Taufwillen stecken. Oft sind die Menschen aus Protest gegen die Kirchenpolitik ausgetreten, glauben aber nach wie vor an Gott und möchten dies ihrem Nachwuchs nicht vorenthalten. Oder sie leben in christlichen Gemeinden, in denen ihre Kinder zu Außenseitern werden, wenn sie nicht getauft wären und dann nicht wie ihre Freunde zur Kommunion oder später zur Konfirmation gehen können. Dann gibt es oft einen sehr praktischen Grund: Man möchte das Kind in eine Konfessionsschule oder Konfessions-Kita anmelden. Diese Betreuungsstätten dürfen jetzt konfessionslose oder Kinder anderer Religionen nicht ablehnen, aber die Nachfrage ist einfach zu groß und da hat man sicherlich als Katholikin oder Protestant bessere Chancen. Manchmal wollen Eltern aber auch Verwandten einen Gefallen tun. Gründe gibt es also genug, um ein Kind taufen zu lassen, obwohl man selbst gar nicht mehr Kirchenmitglied ist. Was sagen nun die Kirchen dazu?

Taufe ohne katholische Kirchenmitgliedschaft

Es gibt kein Nein, aber das Ja ist schon an Bedingungen geknüpft. Die Eltern müssen mit dem zuständigen Pfarrer sprechen und in diesem Taufgespräch begründen, warum sie ihr Kind taufen lassen wollen. Reinhild Ahlers, die im Bistum Münster die Fachstelle Kirchenrecht leitet, erklärte in einem Interview mit "Kirche und Leben": "Es muss klar sein, dass dem Kind der christliche Glaube vermittelt wird. Dann ist es in der Regel so, dass es zumindest im unmittelbaren Umfeld des Kindes eine Person gibt – also nicht die Oma, die ab und an aus München anreist –, die die religiöse Erziehung übernimmt." Demzufolge sollten dann auch die Paten ausgesucht werden, die die Eltern bei der Aufgabe, den christlichen Glauben zu vermitteln, helfen sollen. Letzten Endes liegt es an dem Pfarrer, ob er die Taufe übernimmt. Er kann sie nicht ablehnen, aber er kann sie aufschieben - bis sich die Situation geändert hat. Das kann bedeuten, dass ein Elternteil wieder in die Kirche eingetreten ist oder sich Paten gefunden haben, die besser unterstützen können. Oder man wartet, bis das Kind selber den Wunsch äußert, getauft zu werden.

Taufe ohne evangelische Kirchenmitgliedschaft

Auch hier wird ähnlich verfahren wie bei der katholischen Kirche. Die Regelungen sind unterschiedlich bei der jeweiligen Landeskirche. Es kommt wieder drauf an, wie der Pastor oder die Pastorin den Taufwunsch sieht. Wenn klar ist, dass es nur ein Weg in die evangelische Kita ist oder man macht es, weil Oma sich sonst zu sehr aufregt, dürfte es ein größeres Sträuben geben. Dann könnte die Taufe ebenfalls aufgeschoben werden, bis sich die Umstände ändern.

Die Wichtigkeit von Taufpaten

Paten sind bei einer Taufe immer wichtig und nur in besonderen Fällen wird bei einer Taufe auf sie verzichtet. Bei konfessionslosen Eltern, die ihr Kind taufen lassen wollen, fällt den Paten eine noch größere Rolle zu, den sie sollen garantieren, dass dem Täufling der christliche Glaube der jeweiligen Konfession nahegebracht wird. Das bedeutet - die Paten sollten Kirchenmitglieder sein, in der katholischen Kirche müssen sie mindestens 16 Jahre alt sein, in der evangelischen Kirche geht dies schon ab 14 Jahren. Und sie müssen auch die richtige Konfession haben. Bei evangelischen Taufen, wo Eltern Kirchenmitglieder sind, können sonst auch Katholiken das Patenamt übernehmen, das ist aber nicht erlaubt, wenn die Eltern konfessionslos sind. Da müssen sie der jeweiligen Konfession angehören. Die Paten können auch diejenigen sein, die Fürbitten oder Taufsprüche vorschlagen.

Muss man eine Taufe bezahlen, wenn man nicht in der Kirche ist?

Auf den Gedanken könnte man kommen, denn man zahlt ja keine Kirchensteuer. Doch Taufen sind in der Regel kostenlos. Man könnte allerdings den Blumenschmuck bezahlen, wenn man etwas Besonderes für die Taufe haben möchte. Eine Spende für die Kirchengemeinde wird immer gern gesehen, ist aber nicht zwingend.

Welche Unterlagen braucht man für die Taufe?

Im Prinzip gelten für alle Taufen die gleichen Regeln. Man braucht:

  • Geburtsurkunde oder Familienstammbuch des Kindes
  • Personalausweise der Eltern
  • ggf. Heiratsurkunde
  • Bescheinigung der Kirchenzugehörigkeit der Paten

Taufe ohne Kirche: Überzeugungskraft ist angesagt

Wie du siehst - Taufen sind möglich, auch wenn du nicht mehr einer Konfession angehörst. Du musst aber überzeugende Gründe haben, warum du dein Kind taufen lassen willst, obwohl du der Kirche abgeschworen hast. In der Regel sind die Kirchen aber froh, wenn sie neue Mitglieder gewinnen, denn der Mitgliederschwund hält weiter an. Ein getauftes Kind ist zumindest schon einmal drin. Dass es bleibt, ist eher gegeben als ein Kind, das später als Erwachsener entscheidet, sich taufen zu lassen.

 

 

 

Hat dir der Artikel "Taufe ohne Kirche: Wenn die Eltern konfessionslos sind" von Anja Kleinelanghorst gefallen? Dann freuen wir uns, wenn du uns auch einen Besuch auf unserer Facebookseite abstattest. Für originelle Bastelideen und jede Menge Inspiration schau auf unserer Pinterest-Seite vorbei.