Gute Helfer für Eltern

Interview mit Simone Lehwald. Die Hebamme und Stillberaterin (IBCLC) begleitet Eltern durch Schwangerschaft und das erste Lebensjahr.

baby&co: Sind Eltern heute unsicherer als früher?
Simone Lehwald: Ich denke, ja. Eigentlich ist das auch kein Wunder. Sehr viele Eltern haben den Wunsch wirklich alles perfekt zu machen, ihre Ansprüche sind hoch. Sie machen sich viele Gedanken, vergleichen ihr Kind mit anderen. Jeder Unterschied beunruhigt sie, obwohl es ganz normal ist, dass Babys sich unterschiedlich schnell entwickeln. Gleichzeitig gibt es eine Flut mitunter sehr widersprüchlicher Informationen. Und gerade solche aus dem Internet sind manchmal ungeprüft. Das fördert zusätzlich die Unsicherheit.
Außerdem ist das eigene Baby für viele Menschen der erste Säugling, mit dem sie in ihrem Leben zu tun haben ...
Dadurch fehlt ihnen der Erfahrungsschatz, den frühere Generationen mitbrachten. Zudem gibt es kaum noch Großfamilien und die Verwandten wohnen meist weit entfernt. Deshalb sind junge Mütter oft den ganzen Tag mit ihrem Säugling alleine. Sie haben niemanden, der sie beruhigen, bestärken oder mal ablösen kann. Das afrikanische Sprichwort „Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind großzuziehen“ enthält viel Wahrheit.

Eltern hatten es früher also leichter?

Ja und nein. Früher gab es eine viel größere gesellschaftliche Übereinkunft, wie man Kinder großzieht. Man machte es mehr oder weniger unhinterfragt so, wie alle es machten. Das gab natürlich Sicherheit. Andererseits wissen wir heute viel besser über frühkindliche Erfahrungen und die Eltern-Kind-Bindung Bescheid. Das ist eine sehr erfreuliche Entwicklung. Denn dieses Wissen hilft, einem Kind einen guten Start ins Leben zu geben. Vieles, was die Generationen vor uns mit Selbstverständlichkeit praktiziert haben, etwa einen Säugling schreien lassen, wird heute zum Glück nicht mehr gemacht.

Gute Helfer für Eltern

Diese Profis unterstützen Sie nach der Geburt und in den ersten Lebensjahren Ihres Kindes.
Hebamme: Bis zum 10. Tag nach der Geburt haben Sie Anspruch auf täglichen Besuch. Bis Ihr Kind acht Wochen alt ist, können Sie die Hebamme zusätzlich 16-mal um Hilfe bitten. Infos: www.bdh.de oder www.bfhd.de.
Stillberaterin: Ihr Baby trinkt nicht richtig oder Sie suchen eine Stillgruppe? Eine Stillberaterin finden Sie im Internet über www.lalecheliga.de oder www.bdl-stillen.de.
Kinderarzt: Durch die sechs U-Untersuchungen im ersten Lebensjahr haben Sie automatisch regelmäßig Kontakt mit Ihrem Kinderarzt. Mehr Infos: www.kinderaerzte-im-netz.de, www.kindergesundheit-info.de und www.ich-geh-zur-u.de.
Schreiambulanzen: Wenn Ihr Baby ein Schreikind ist, können Sie über www.trostreich.de Experten finden.
Elterntelefon: Die (kostenlose) Nummer gegen Kummer: 0800-1110550, www.elterntelefon.de.