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Elternsex: Lets talk about Sex (ohne Familienplanung)

Elternsex: Lets talk about Sex (ohne Familienplanung)

Klartext reden

Elternsex, schon bei dem Wort schüttelt es einen doch? Was soll das sein? Und wieso wird das Wort dennoch immer benutzt, wenn es darum geht, über Eltern und Sex zu schreiben? Unsere Autorin hat da eine Idee.

Wenn ich das Wort Elternsex lese, dann überkommt mich spontan Brechreiz. Nicht, weil ich etwas gegen Sex habe. Sondern weil das Wort einfach so furchtbar ist. Haben wir Eltern anders Sex als andere Menschen, dass es dafür ein eigenes Wort braucht?

Was ist Elternsex?

Für mich wirkt der Begriff Elternsex wie etwas, das es ganz selten gibt. Eine Laune der Natur, die nicht besonders oft vorkommt und deswegen explizit benannt werden muss. Dabei haben wir Eltern ja nicht nur bewiesen, dass wir Sex haben (sonst wären wir ja nicht Eltern), manche von uns haben es sogar mehrmals getan. Schocker!

Auch wenn das eigene Sexleben vor den Kindern vielleicht ein bisschen aufregender und eventuell sogar spontaner war, im Prinzip hat sich ja nichts geändert. Wir hatten Sex und wir haben Sex. Was wir nicht haben, ist Elternsex. Weil es sowas nämlich einfach nicht gibt. Mich nervt es tatsächlich sehr, dass das Thema Sex im Familienkontext so oft ausgeklammert wird. Als wären Eltern plötzlich sexlose Wesen. Dabei stimmt das überhaupt nicht.

Eltern können improvisieren

OK, ich gebe zu, Eltern haben manchmal mit einigen Unwägbarkeiten zu kämpfen, wenn sie Sex haben wollen. Es braucht kinderfreie Zeit und Muße, niemand will auf dem Weg zum Ort des Geschehens noch über 100 Kuscheltiere und Spielzeugteile stolpern und ein "Papa?!" mitten im Akt killt auch jedes Gefühl. Aber wenn wir Eltern eins gelernt haben, dann ja wohl Improvisation!

Wie oft haben Deutsche Sex?

Was ich vollkommen falsch finde ist, auf irgendeine blöde Zahl zu schauen. Die Deutschen haben laut einer Umfrage sechs- bis zehnmal im Monat Sex. Und, zählt ihr schon, ob das bei euch hinkommt? Ist aber eigentlich auch egal, solange wie ihr und euer Partner oder eure Partnerin damit zufrieden seid. Denn ihr seid die einzigen Personen, die beim Thema Sex wichtig sind.

Wenn ihr unzufrieden mit der Häufigkeit oder der Art von Sex seid, dann solltet ihr natürlich etwas ändern. Aber wenn ihr euch beide anschaut und denkt: Das passt schon so, wir sind glücklich, so wie es ist, dann ist es doch vollkommen egal, was euch eine Statistik einreden will. Zumal Elternsex da ja eh selten ein Thema ist. Was weiß eine Statistik denn von unseren Herausforderungen?

Was tun, wenn das Kind die Eltern beim Sex erwischt?

Die größte Angst vieler Eltern ist wohl, dass das eigene Kind mitten in den Liebesakt platzt. Denn was macht man denn dann? Es kommt auf das Alter der Kinder an. Die Kleinsten werden es überhaupt nicht verstehen, da braucht ihr also nicht zu sehr in die Tiefe gehen, sondern einfach nur erklären, dass Mama und Papa eben gerade miteinander kuscheln.

Alternativ, ihr kennt eure Kinder am besten, könnt ihr die Sache auch übergehen, wenn ihr das Gefühl habt, euer Nachwuchs hat das gar nicht richtig mitbekommen. Dann fragt einfach, wie ihr helfen könnt und einer von euch kümmert sich ums Kind. Wenn das wieder friedlich im eigenen Bett schlummert, könnt ihr ja einen zweiten Versuch starten.

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Von Kindern beim Sex erwischt – was tun?

Bei älteren Kindern ist das Erwischtwerden auch kein Weltuntergang. Ihr habt ja nichts Verbotenes getan. Ihr wollt eurem Nachwuchs aber auch nicht vermitteln, dass irgendwas daran, dass ihr Sex habt, peinlich oder unnatürlich ist, weswegen es am besten ist, ihr verfallt nicht in Hektik oder Panik. Jetzt ist aber auch nicht die Zeit für Aufklärungsunterricht.

Hat euer Kind Fragen, könnt ihr oberflächlich (!) darauf eingehen, für tiefgreifende Gespräche ist später immer noch Zeit. Wenn euer Kind keine Fragen hat, dann müsst ihr auch kein Gespräch in Gang bringen. Vielleicht kommen auch erst einige Tage später interessierte Nachfragen zum Thema Sex, da könnt ihr dann entscheiden, wie intensiv ihr das altersgerecht besprechen wollt.

Da eure Kinder in die Situation geplatzt sind, könnt ihr aber selbstverständlich noch mal das Thema Grenzen besprechen. Und auch Anklopfen gehört dazu.

Von Teenagern beim Sex überrascht – so können Eltern reagieren

Wenn eure Teenager euch beim Sex erwischen, ist das denen vermutlich sehr viel peinlicher als euch. Auch hier gilt: Keine große Sache draus machen. Niemand wird dazu gezwungen, drüber zu reden. Respektiert auch die Schamgrenze euer Kinder und bringt das Thema nicht in großer Runde auf. Hämische Bemerkungen in den nächsten Tagen verbieten sich genauso, wie die Nachfrage, ob das eigene Kind eigentlich schon sexuell aktiv ist.

Wo haben Eltern Sex?

Auch eher elternspezifisch beim Thema Sex ist der geeignete Ort und die geeignete Zeit. Klar, als kinderloses Paar konntet ihr eure Gelüste theoretisch zu jeder Tages- und Nachtzeit und an allen erdenklichen Orten ausleben. Das ist mit Kindern etwas eingeschränkter.

Ob ihr jetzt auf einen Quickie steht, die Waschmaschine zweckentfremdet oder eurem Küchentisch eine neue Aufgabe zukommt, ich gehe davon aus, dass ihr für all das genug Phantasie besitzt. Sex findet nicht ausschließlich liegend im Bett statt. Und auch nicht nur im Dunkeln.

Elternsex: Wann ist die beste Zeit dafür?

Sollten eure Kinder in der Kita oder Schule und ihr gerade zuhause sein, na hey, eure Zeit ist jetzt. Die Nachbarin fragt, ob sie mit den Kindern auf den Spielplatz gehen kann: Go for it! Da ist auch Zeit für mehr als einen Quickie! Eure Kinder schauen zuverlässig jeden Sonntagmorgen "Die Sendung mit der Maus"? Dann ist vielleicht genau das eure ungestörte halbe Stunde.

Es gibt unglaublich viele Möglichkeiten für Eltern, miteinander intim zu werden, wenn wir uns im Kopf nicht so limitieren, sondern offen sind für Gelegenheiten. Verabschiedet euch von den starren Gedanken, das Leben mit Kindern hat uns doch schon gezeigt, dass vieles am Ende ganz anders kommt, als wir dachten. Und da ist das Thema Sex einfach keine Ausnahme.

Meine Meinung

Über Sex schreiben auf einer Familienseite – darf man das? Na und ob! Eigentlich müsste es hier viel mehr um die schönste Nebensache der Welt gehen. Denn wir Eltern sind ja nicht plötzlich nicht mehr an Sex interessiert, nur weil da ein oder mehrere Kinder sind.

Vielleicht leidet die Lust ein wenig, auch das ist ein Thema für Eltern. Aber genauso gehören Artikel über Liebe, Sex und Leidenschaft für mich hier auf familie.de dazu. Denn Sex ist mehr als nur Fortpflanzung. Und deswegen wünsche ich mir, dass wir alle mehr darüber sprechen.

Denn neben "Die besten Stellungen um ein Kind zu zeugen" braucht es doch auch den Artikel: "Die besten Ideen für einen Quickie, während die Kinder im Kinderzimmer spielen"!

Bildquelle: getty images / iStock / Getty Images Plus/ Foremniakowski
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