Rektusdiastase nach der Schwangerschaft

Nach der Schwangerschaft haben viele Frauen mit einem hervorstehenden Bauch zu kämpfen. Diäten und Sport wollen diese "Wulst" einfach nicht bekämpfen. Und das ist auch logisch, denn dabei handelt es sich meist nicht um überschüssige Pfunde, sondern um eine Rektusdiastase, die gesondert behandelt werden sollte.


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Viele frischgebackene Mamas leiden an einer Rektusdiastase - ohne es zu wissen

Typisch für eine Rektusdiastase: Ein kleines "Bäuchlein", das einfach nicht weggeht


© iStock
Unter einer Rektusdiastase (diastasis recti) versteht man das Auseinanderstehen der geraden Bauchmuskeln. Dies kann angeboren sein, man kann es aber auch im Laufe seines Lebens erwerben. Sehr viele frischgebackene Mütter weisen zum Beispiel eine Rektusdiastase direkt nach der Geburt auf. Das British Journal of Sports Medicine hat herausgefunden, dass 60 Prozent aller Frauen noch sechs Wochen nach der Geburt mit einer Diastase zu kämpfen haben. 32 Prozent haben auch 12 Monate nach der Entbindung noch Probleme mit der Überdehnung der Bauchmuskeln. Wie es zu einer Rektusdiaste nach der Schwangerschaft kommt und was Sie dagegen tun können.

Definition und Entstehung einer Rektusdiastase


Studien zufolge leiden 37 Prozent der Erstgebärenden und 67 Prozent der Mehrfachmütter während und nach der Schwangerschaft unter einer Rektusdiastase. Doch wie kommt es zu dem diastasis recti?

Es ist eigentlich recht naheliegend: Während der Schwangerschaft braucht Ihr Baby und damit Ihre Gebärmutter immer mehr Platz in Ihrem Bauch. Alles, was "im Weg steht", muss Platz machen. So verschieben sich beispielsweise Ihre Organe – und auch die geraden Bauchmuskeln werden verdrängt, so dass sie zur Seite hin ausweichen müssen. Zusätzlich tragen die Schwangerschaftshormone, vor allem das Relaxin, dazu bei, dass die Muskulatur im ganzen Körper gelockert wird.

Das Resultat: Mehr Platz für das Baby, aber leider auch eine Lücke zwischen den Bauchmuskeln, die sichtbar wird, wenn das Baby auf die Welt gekommen ist. Im Durchschnitt ist die Rektusdiastase zwei bis zehn Zentimeter breit und 12 bis 15 Zentimeter lang.

Viele Frauen wissen nicht, was eine Rektusdiastase ist, leider aber darunter


© iStock / vision net ag
So erkennen Sie eine Rektusdiastase

Eine Rektusdiastase ist kein Bruch, kann aber beim Stehen einem Bruch ähneln, da sich der untere Bauch vorwölbt, obwohl die betroffenen Frauen nach der Geburt die Schwangerschaftskilos eigentlich verloren haben. Richten sie sich auf, lachen oder husten sie, entsteht bei der Rektusdiastase eine Art "Wulst" zwischen den zwei geraden Bauchmuskeln.

Die Rektusdiastase ist im Bereich des Nabels am stärksten ausgeprägt, der Spalt lässt sich mit bloßen Händen ertasten. Am besten gehen Sie dabei so vor:

➤ Legen Sie sich auf den Rücken und heben Sie den Kopf leicht an.
➤ Die Knie sind angestellt, die Füße hüftbreit auseinander.
➤ Nun setzen Sie zwei Finger oberhalb des Bauchnabels an und richten die Fingerspitzen Richtung Schambein.
➤ Nun ausatmen und die Bauchmuskulatur aktivieren.
➤ Jetzt können Sie mit den Fingerspitzen gefühlvoll aber kräftig in die Bauchdecke drücken und ggf. einen Spalt zwischen den beiden Muskelsträngen ertasten.

Durch Abtasten wird auch Ihr Arzt die Diagnose stellen. Ultraschalluntersuchungen o.ä. sind meist nicht nötig. 
Rektusdiastase: Beschwerden und Symptome

Oft verursacht eine Rektusdiastase keine direkten Beschwerden. Die meisten Frauen bemerken die Diastase häufig "nur" an der Optik: Es kann zu einer sichtbaren Auswölbung kommen und überschüssiges Gewebe und Haut können im vorderen Bauchbereich hervorstehen.

Da die Bauchmuskulatur auch für Körperstabilität sorgt, hat sie auch eine wichtige Stützfunktion für den Körper. Wird die Muskulatur – wie bei einer Rektusdiastase – überdehnt, kann die Bauchwand ihren Job nicht mehr richtig machen. Die Folgen können (chronische) Schmerzen im unteren Rücken und Instabilität in der Lendengegend sein. Auch zu Verdauungsproblemen kann es so kommen. Die Rektusdiastase mach Betroffene darüber hinaus für Bauchwand- und Narbenbrüche anfällig.
Ursachen und Risikofaktoren: Lässt sich einer Rektusdiastase vorbeugen?

Die meisten Rektusdiastasen sind erworben, der Großteil davon auf Grund einer Schwangerschaft. Andere Risikofaktoren, wie Übergewicht, spielen eine untergeordnete Rolle.

Zu den Risikofaktoren zählen ein Alter der Schwangeren über 35 Jahre, Mehrfach- und Mehrlingsschwangerschaften, ein hohes Geburtsgewicht des Kindes sowie exzessive Bauchmuskelübungen während der Schwangerschaft (besonders nach dem ersten Trimester). Auch eine zu starke Belastung des Bauches während der Schwangerschaft – z.B. durch schweres Heben – kann eine Rektusdiastase begünstigen.

Hebammen raten Schwangeren dazu, aus dem Liegen immer über die Seite aufzustehen, denn so schonen Sie Ihre geraden Bauchmuskeln und stärken die schrägen Bauchmuskeln. Die schrägen Muskeln stützen so sozusagen die gerade Muskulatur. Diesen Tipp sollten Sie auch nach der Schwangerschaft beherzigen, wenn Sie mit einer Rektusdiastase zu kämpfen haben. Nach der Geburt sind auch Übungen zur Rückbildung wichtig, weil sie gleichzeitig auch der Vorbeugung dienen. Verhindern lässt sich die Rektusdiastase mit diesen Maßnahmen allerdings nicht.

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Rektusdiastase: Übungen, die bei einer Diastase helfen

In der Regel bildet sich eine Rektusdiastase mit den entsprechenden Übungen mit der Zeit wieder zurück. In Extremfällen kann allerdings eine Operation fällig werden.

Übungen zur Stärkung der Bauchmuskeln und zur Verringerung des Spaltes sollten Sie sich am besten von Ihrer Hebamme oder einem Physiotherapeuten zeigen lassen.

Solange die Rektusdiastase tastbar ist, sollten Sie auf Übungen, die die gerade oder oberflächliche Bauchmuskulatur belasten, verzichten, da sich der Spalt sonst vergrößern könnte. Dazu gehören zum Beispiel Sit Up und Crunches, da sie das Problem verschlimmern und zu Haltungsschäden führen könnten. Auch intensive Rückbeugen, wie es sie beim Yoga oft gibt (zum Beispiel herabschauender Hund, Kamel, Bogen), sollten Sie besser vermeiden.

Gut sind Übungen, die die inneren Bauchmuskeln und den Beckenboden trainieren. Viele Übungen aus dem Pilates bieten sich hier besonders gut an. Das Gute: Es ist nie zu spät für ein solches Training. Auch Jahre nach der Geburt können Sie die Schwangerschaftsdiastase angehen und wieder loswerden.

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von Nicole Metz