Laktoseintoleranz bei Kindern

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Laktoseintoleranz bei Kindern

Verträgt Ihr Kind keine Milch oder Milchprodukte? Dann könnte das an einer Laktoseintoleranz liegen. Hier erfahren Sie, wie Sie eine Milchzucker-Unverträglichkeit erkennen und wie Sie Babys und Kinder mit Laktoseintoleranz ernähren.

Laktoseintoleranz bei Kindern

„Mama, mein Bauch tut weh!“ Eltern hören diesen Satz oft – und stehen meist vor der schwierigen Frage „Was fehlt meinem Kind?“. Denn Bauchschmerzen sind ein unspezifisches Krankheitsbild – sie können viele ganz verschiedene Ursachen haben. Eine mögliche Erklärung: Eine Laktoseintoleranz, auch als Laktose-Unverträglichkeit bekannt. Allerdings: Säuglinge leiden selten an einer Laktoseintoleranz. Bauschmerzen und Koliken in den ersten Lebenswochen sind meist dadurch bedingt, dass der kindliche Verdauungsapparat noch nicht ganz reibungslos funktioniert.

Laktoseintoleranz: Das NEIN zu Milch und Milchprodukten

Was ist eine Laktoseintoleranz?

So unangenehm die Beschwerden oft sind, das eigentliche Problem, das die Bauchschmerzen und Durchfälle verursacht, ist nichts weiter als ein fehlendes Enzym: Das Enzym Laktase spaltet normalerweise den Milchzucker (Laktose). Wenn das Enzym fehlt, gelangt der Milchzucker unverdaut in den Darm und verursacht dort Gärungsprozesse. Und das verursacht die Beschwerden.
Wichtig: Eine Laktoseintoleranz hat nichts mit einer Allergie zu tun, dem kleinen Patienten fehlt lediglich das Enzym, das den Milchzucker spaltet.

Wie erkenne ich eine Laktoseintoleranz?

Eine Laktose-Intoleranz ist für Laien schwer zu erkennen, denn die Milchzucker-Unverträglichkeit äußerst sich ganz unterschiedlich: Die Beschwerden können von Blähungen und Durchfall, über Bauchschmerzen und Übelkeit bis Koliken zu reichen. Die Beschwerden treten 30 Minuten bis drei Stunden nach dem Verzehr auf – und halten leider auch völlig unterschiedlich lange an. Eine Selbstdiagnose ist kaum möglich, besprechen Sie die Bauchschmerzen Ihres Kindes in jedem Fall mit Ihrem Kinderarzt.
Tipp: Versuchen Sie vorab, genau zu beobachten, nach welchen Nahrungsmitteln die Beschwerden auftreten. Wenn Sie das Gefühl haben, dass ein Zusammenhang zwischen den Schmerzen und Milchprodukten besteht, ist das für den Arzt schon mal ein wichtiger Hinweis.

Vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern sind die zur Verfügung stehenden Testverfahren nicht durchführbar, hier wird der Arzt erstmal eine laktosefreie Diät empfehlen.

➤ Atemtest: Mit Hilfe eines Atemtests kann der Kinderarzt klären, ob es sich wirklich um eine Milchzucker-Unterverträglichkeit handelt. Voraussetzung: Ihr Kind muss zwölf Stunden nüchtern bleiben. Testverfahren: Ihr Kind muss eine laktosehaltige Flüssigkeit trinken und dann jede halbe Stunde in ein Röhrchen blasen.
➤ Laktose-Belastungstest: Der Arzt entnimmt aus dem Finger oder Ohr ein paar Tropfen Blut und bestimmt den Blutzuckerwert. Voraussetzung: Ihr Kind muss zwölf Stunden nüchtern bleiben. Testverfahren: Ihr Kind muss zusätzlich eine laktosehaltige Flüssigkeit trinken und wird dann alle 30 Minuten getestet.

Wichtig zu wissen: Eine Milchzucker-Unverträglichkeit ist zwar unangenehm – schadet dem Körper aber nicht. Die Darmschleimhaut wird nicht, wie beispielsweise bei Zöliakie, geschädigt. Und der Verzehr von laktosehaltigen Nahrungsmitteln kann zwar zu Durchfällen führen, ist aber nicht weiter gefährlich.

Laktoseintoleranz oder Milcheiweiß-Allergie?

Wenn Sie das Gefühl haben, dass die Beschwerden Ihres Kindes mit dem Verzehr von Milch oder Milchprodukten zusammenhängen, könnte es sich auch um eine Milcheiweiß-Allergie handeln, eine Immunreaktion auf das Eiweiß in der Kuhmilch. Die Symptome können heftiger sein als bei einer Laktose-Intoleranz - allerdings verschwindet eine Milchallergie häufig bis zum dritten Lebensjahr von selbst. Oft leiden Babys, die Neurodermitis haben, auch unter einer Kuhmilch-Allergie.
Eine Allergie auf Kuhmilch kann sich in einem roten Ausschlag im Gesicht, allergischen Reaktionen wie tränende Augen und eine verstopfte Nase und Durchfall äußern. In ganz schweren - aber glücklicherweise sehr seltenen - Fällen kann es zu einem allergischen Schock kommen.

Weiterlesen auf Seite 2: Tipps rund um die Ernährung bei Laktoseintoleranz

Tipps für die Ernährung bei Laktoseintoleranz

Wer Laktose (Milchzucker) nicht verträgt, muss bei der Ernährung einiges beachten. Wo sich Laktose überall versteckt und was Sie beachten müssen, erfahren Sie hier.

Wo steckt Laktose drin?

Milchzucker steckt, der Name verrät’s, in allen Milchprodukten – hier ist er leicht zu identifizieren. Wo Milch, Sahne, Joghurt, Molke oder Milchpulver drauf steht, ist Laktose drin. Gut versteckt ist er aber auch in vielen Fertigprodukten enthalten: In Schoko-Snacks, Eis, Fertigsuppen, Wurst, Backwaren etc..

Genuss beim Essen – trotz Laktoseunverträglichkeit

Wenn Ihr Kind aus dem Kleinkindalter raus ist, sollten Sie ihm möglichst genau erklären, warum es bestimmte Nahrungsmittel nicht mehr essen darf – und was es für leckere Alternativen gibt. Wenn Ihr Kind mittags in der Kita, im Kindergarten oder in der Schule isst, sagen Sie dort Bescheid. Auch wenn wahrscheinlich kein spezielles Alternativgericht für Ihr Kind angeboten wird, wird die Einrichtung Ihr Kind dabei unterstützen, milchhaltige Saucen wegzulassen oder als Ersatz für den Nachtisch mit Milch ein Obst anbieten.
Viel Milchzucker enthält: Kuhmilch, Schafsmilch, Ziegenmilch, Eiscreme, Milchpulver, Milchschokolade, Schmelzkäse
Kaum Milchzucker enthält: Butter, gut gereifte Käsesorten, Camembert, Mozarella, Feta, Bitterschokolade

Wenn Ihr Kind auf Milchprodukte verzichtet, fehlt ihm Kalzium, das bislang über die Milch aufgenommen wurde. Kalzium ist in der Wachstumsphase wichtig für den Knochenaufbau. Eine gute Alternative sind laktosefreie Milchprodukte, die es inzwischen in jedem Supermarkt zu kaufen gibt. Der einzige Unterschied zu herkömmlichen Milchprodukten: Der Milchzucker ist hier bereits gespalten, zu merken ist das am leicht süßlichen Geschmack. Die gesunden Bestandteile der Milch sind dieselben!

Für Säuglinge gibt es laktosefreie Babynahrung, die Sie auf Rezept in der Apotheke bekommen. HA-Nahrungen sind nicht geeignet, sie enthalten Laktose.

Therapie bei Laktoseunverträglichkeit

Milchzuckerunverträglichkeiten sind ganz unterschiedlich ausgeprägt: Manche reagieren erst bei einer Laktosemenge über zehn Gramm am Tag, andere reagieren schon auf kleinste Mengen Laktose mit starken Schmerzen. Es empfiehlt sich, vier Wochen lang laktosehaltige Lebensmittel völlig zu meiden und dann die Menge langsam zu steigern. Achten Sie aufmerksam darauf, bei welchen Lebensmitteln Ihr Kind über Beschwerden klagt und bei welchen nicht.
Auch wenn bei Ihrem Kind eine Laktoseintoleranz diagnostiziert wurde, heißt das nicht, dass es jetzt für immer auch Milchprodukte verzichten muss. Viele Laktose-Intolerante kommen mit Hartkäse und Joghurt problemlos klar. Und in vielen Fällen löst sich die Intoleranz auch nach einiger Zeit wieder in Luft auf.

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