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Ist das nötig?

Was ist Kindermilch und braucht mein Kind das?

Kindermilch oder Kuhmilch, fragen sich viele Eltern.
Kindermilch oder Kuhmilch, fragen sich viele Eltern. (© Getty Images/ Halfpoint)

Als Kindermilch wird eine spezielle Produktreihe für Kleinkinder bezeichnet, die als Muttermilchersatz, Kuhmilchersatz oder auch Folgemilch nach der Prenahrung dienen soll. Wir erklären hier, was Kindermilch genau ist und haben Ernährungsexpertin Lia Carlucci gefragt, ob Kindermilch nötig bzw. empfehlenswert ist.

Was ist Kindermilch?

Kindermilch ist nicht einfach Kuhmilch mit bunten Bildern drauf, sondern ein hochverarbeitetes industrielles Produkt. Sie ist speziell für Kleinkinder kreiert und soll nach dem ersten Lebensjahr als Folgemilch nach der Premilch zum Einsatz kommen. 

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In den ersten zwölf Monaten werden Babys in der Regel entweder gestillt oder bekommen Pre-Nahrung im Fläschchen. Ab dem 6. Monaten etwa, bzw. wenn alle Beikostreifezeichen erfüllt sind, kann es mit der Beikost losgehen – entweder als Brei oder mit Baby-led Weaning. Dazu werden die Babys aber immer noch gestillt oder bekommen Premilch.

Ab dem 1. Geburtstag sind unsere Babys dann Kleinkinder und die Babynahrungs-Industrie hat sich daher überlegt, dass Kinder dann eine andere Formula "brauchen" als zuvor.

Kindermilch unterscheidet sich in der Zusammensetzung von Premilch (1er-Milch) sowie auch 2er- und 3er-Milch, die von den Herstellern ab dem 6. Monat empfohlen werden.

Was ist drin in Kindermilch?

Wie auch die gängigen Premilchs basiert Kindermilch auf der Basis von Kuhmilch. Sie enthält aber weniger Eiweiß als Kuhmilch und wird mit zusätzlichen Vitaminen und Mineralien angereichert. Folgende Nährstoffe sind u. a. der Kindermilch zugesetzt:

  • Vitamin A
  • Vitamin B12
  • Vitamin C
  • Vitamin D
  • Calcium
  • Eisen
  • Jod
  • Folsäure
  • Zink
  • Mehrfach ungesättigte Fettsäuren
  • ALA (Omega-3)

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Was ist der Unterschied zwischen Kindermilch und Premilch?

Kindermilch hat eine leicht andere Zusammensetzung als Premilch (1er), bzw. 2er- und 3er-Milch, aber die Unterschiede sind nur minimal. Viele IBCLC-Stillberaterinnen sagen deshalb, dass ein Wechsel auf eine Kindermilch ab dem 1. Geburtstag nicht nötig ist.

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Auf der Webseite des Kindermilchherstellers HIPP ist folgende Antwort vom HIPP Experten-Team zu dieser Frage einer Nutzerin zu lesen:

"Die beiden Milchen sind ähnlich, jedoch ist der Nährstoffgehalt der HiPP Kindermilch auf die Ernährungsbedürfnisse von Kleinkindern angepasst. HiPP Kindermilch ab dem 12. Monat enthält alle wichtigen Wachstumsbausteine genau in den Mengen, wie sie Ihr Sohn jetzt benötigt. Zum Beispiel sind der Eisen-, Vit D- und der Kalziumgehalt deutlich höher als in der Pre-Milch. Der Eisengehalt pro 100 ml trinkfertige Nahrung ist sogar mehr als doppelt so hoch."
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Hinweis: Es ist schön, dass der Eisengehalt in Kindermilch höher ist. Aber wirklich nötig ist das nicht: Erstens nehmen die meisten 1-Jährigen auch über die Nahrung schon ausreichend Eisen auf und zweitens steckt in Kindermilch auch Calcium und dieses hemmt die Eisenaufnahme, weshalb man eisenhaltige Nahrung zu Gunsten de Eisenaufnahme nie mit Milchprodukten konsumieren soll. Vitamin C hingegen fördert die Aufnahme von Eisen.

Was ist der Unterschied zwischen Kindermilch und normaler Kuhmilch?

Das haben wir uns von der Ernährungswissenschaftlerin Lia Carlucci erklären lassen: "Die Hauptunterschiede liegen in der Nährstoffzusammensetzung. Kindermilch soll speziell auf die Bedürfnisse von Kleinkindern im Alter von 1 bis 3 Jahren abgestimmt sein. Zusätzliche Nährstoffe wie Vitamin D werden zugesetzt, der Gehalt an ungesättigten Fettsäuren wird erhöht und der Eiweißgehalt wird verringert. Insgesamt unterliegt Kindermilch höheren Qualitätsstandards als klassische Kuhmilch, da sie der Diätverordnung unterliegt, die strengere Auflagen hat. Ob Kindermilch jedoch überhaupt notwendig oder eher ein Marketing-Produkt ist, darüber sind sich Expert*innen uneinig."

Der wichtigste Unterschied ist sicher der Eiweißgehalt. Kleinkinder sollen noch nicht so viel Eiweiß konsumieren, weil ihre Nieren dieses noch nicht optimal verarbeiten können. Deshalb ist die offizielle Vorgabe auch, das Kleinkinder zwischen 1 und 3 Jahren maximal 500 ml Milch UND Milchprodukte täglich konsumieren, am besten verteilt auf zwei bis drei Portionen, z. B. als Milch zum Trinken, Joghurt und Käse auf dem Brot.

Und natürlich enthält Kuhmilch auch nicht alle der Kindermilch zugesetzten Vitamine und Mineralien – muss sie aber auch nicht, denn dafür gibt es ja genügend andere Bezugsquellen in unseren Nahrungsmitteln.

Wie viel Kindermilch darf mein Kind trinken?

Dazu hat Ernährungsexpertin Lia Carlucci folgende Antwort: "Die Menge an Kindermilch, die ein Kind trinken sollte, kann von verschiedenen Faktoren abhängen, wie dem Alter des Kindes, seiner Ernährung und seinen individuellen Bedürfnissen. Es ist wichtig, die Empfehlungen einer Ernährungsspezialistin oder einer zertifizierten IBCLC-Hebamme zu berücksichtigen, da diese die genauesten Ratschläge spezifisch für jedes Kind geben können. Im Allgemeinen wird empfohlen, dass Kinder im Alter von 1 bis 2 Jahren täglich etwa 500 ml Milch trinken. Ob dies in Form von Kindermilch sein sollte, ist jedoch fragwürdig."

Ist eine Kindermilch eine Kuhmilch-Alternative?

"Einige Expert*innen sind der Meinung, dass Kindermilch eine gute Wahl für Kinder ist, die wählerische Esser sind oder medizinische Probleme haben, genügend Nährstoffe aus ihrer Ernährung aufzunehmen. Andere Expert*innen wiederum argumentieren, dass Kindermilch unnötig ist und sogar weniger gesund sein kann als normale Kuhmilch oder eine gleichwertige pflanzliche Alternative. Ihre Begründung: Kindermilch enthält oft mehr Kalorien und unnötigen Zucker", so Lia Carlucci.

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Braucht mein Kind Kindermilch?

Nein, nicht wirklich. Die DGB rät zwar zum Milchkonsum für Kinder, aber äußert sich nicht explizit zu Kindermilch. Wie weiter oben beschrieben, sind sich auch die Ernährungsexpert*innen nicht ganz einig, ob Kindermilch eine gute oder unnötig Sache ist. Lia Carlucci weißt nochmal darauf hin, dass "viele der zertifizierten IBCLC Hebammen sogar ganz von Kindermilch abraten. Sie meinen, dass Kinder, die ab 1 Jahr noch das Bedürfnis nach Milch haben, am besten weiter Pre-Milch bekommen oder weiter gestillt werden sollten, wenn das für die Mutter passt."

Was spricht gegen die Gabe von Kindermilch?

Die Ernährungswissenschaftlerin meint dazu: "Die ersten Jahre in der Ernährung sind prägend für Kinder und setzen den Grundstein für spätere Ernährungsgewohnheiten. Entsprechend wichtig ist es, Kleinkinder so früh wie möglich an eine ausgewogene Ernährung mit natürlichen Lebensmitteln zu gewöhnen."

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Und Lia Carlucci ergänzt: "Kindermilch kostet dreimal so viel wie Kuhmilch oder eine pflanzliche Milchalternative, bietet aber eigentlich vernachlässigbare Vorteile, wie die Zugabe bestimmter Mikronährstoffe. Denn wenn Kleinkinder bereits ausgewogen ernährt werden, ist der Bedarf dieser Mikronährstoffe bereits über die Ernährung abgedeckt, sodass kein Zusatz, wie es bei Kindermilch der Fall ist, notwendig ist."

"Wenn sich Eltern dennoch für den Kauf von Kindermilch entscheiden, sollten sie auf jeden Fall darauf achten, dass kein Zucker zugesetzt ist. Das hätte dann nämlich gegenteilige gesundheitsschädliche Effekte, denn Zucker bei Kleinkindern kann Karies verursachen und zu ungewollter Gewichtszunahme führen."

Lia Marlen Calucci ist studierte Ernährungswissenschaftlerin und Autorin. Sie hat außerdem u. a. Nutrition Hub, das größte europäische Netzwerk für Ernährungsexpert*innen gegründet.

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Quellen: Landeszentrum für Ernährung Baden- Württemberg, Deutsche Gesellschaft für Ernährung, HIPP

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