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Neue Corona-Virusmutationen verbreiten sich vor allem in Kitas: Was nun?

Neue Corona-Virusmutationen verbreiten sich vor allem in Kitas: Was nun?

Starker Anstieg

Seit Anfang März gehen wieder mehr Kinder in Kitas und Schulen. Leider steigen seitdem laut Robert-Koch-Institut auch die Fallzahlen des Coronavirus besorgniserregend. Viele Kitas mussten daher bereits wieder schließen. So will die Bundesregierung jetzt reagieren.

Glücklicherweise beginnen in vielen Bundesländern nächste Woche die Osterferien. Sonst könnte es vielleicht passieren, dass innerhalb kurzer Zeit die Infektionszahlen noch höher werden. Denn einige Bundesländer wie Sachsen oder Nordrhein-Westfalen mussten regional viele Kitas und Schulen schon wieder schließen wegen eines verstärkten Coronausbruchs.

Coronoausbrüche in Altersgruppe unter 5 Jahren über Vorjahr

Vor ein paar Wochen äußerten sich Virolog*innen noch, dass kleine Kinder keine Pandemietreiber wären. Doch die neuesten Zahlen sagen etwas Anderes. Das Robert-Koch-Institut meldet in einem Lagebericht vom 16.03., dass es zum sprunghaften Anstieg der Coronazahlen in Schulen aber vor allem auch in Kindertagesstätten käme. Die Infektionszahlen würden vor allem in der Altersgruppe der 0-5 Jahre alten Kinder stark zunehmen und sogar die Werte vom Ende des letzten Jahres überschreiten.

Dieser exponentielle Anstieg wird u.a. auch mit Verbreitung einer besonders aggressiven Coronamutation verbunden. Diese Mutation B.1.1.7 würde sich bei Kindern aktuell viel stärker verbreiten.

Bundesregierung: Flächendeckende Schließungen von Kitas und Schulen verhindern

Die Bundesfamilienministerin hat sich am Donnerstag mit dem Robert-Koch-Institut über die jüngsten Infektionszahlen in Kitas ausgetauscht. Zwei groß angelegte Studien mit Beteiligung des  RKIs bilden aktuell die Basis für die Erkenntnisse der Verbreitung des Coronavirus. Die sogenannte COALA-Studie untersucht seit Oktober 2020 in ausgewählten Kitas die Zusammenhänge der Coronaausbrüche.

"Mit den durch die COALA-Studie gewonnenen Erkenntnissen werden wir die aktuelle Situation viel besser einschätzen können. Wir brauchen dieses Wissen, damit wir zielgerichtet und verhältnismäßig planen können - denn unser Ziel bleibt: keine erneuten flächendeckenden Schließungen von Kitas, Kindertagespflegestellen oder Schulen."

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey

Zur Verhinderung der dauerhaften Kita- und Schulschließung und um Familien und Mitarbeiter*innen zu schützen, will die Bundesregierung zwei wichtige Elemente nutzen:

  • regelmäßige Corona-Tests in Schulen, Kita und Kindertagespflege
  • flächendeckendes Impfen des gesamten Kita- und Schulpersonals

Doch diese zwei Punkte sind bereits seit Dezember letzten Jahres die Pfeiler der Coronastrategie. Leider hapert es in der Praxis an der Umsetzung. Zum einen geht es mit der Impfung nur schleppend voran aufgrund der zwischenzeitlich gestoppten Astrazeneca-Vakzine. Zudem hat deren schlechtes Image aufgrund einiger Nebenwirkungen dafür gesorgt, dass viele Impftermine nicht wahrgenommen wurden bzw. werden.

Föderaler Flickenteppich verhindert einheitliches Testen

Auch in Sachen regelmäßiges Testen in Kitas und Schulen sieht es in der Praxis anders aus. Durch den Föderalismus der Teststrategie gibt es kein einheitliches bundesdeutsches Vorgehen. In manchen Ländern werden bereits regelmäßig nicht nur Erzieher*innen und Mitarbeiter*innen, sondern auch Kinder getestet.

Doch um die Beschaffung und Durchführung der Coronatests müssen sich aktuell noch die Kitaträger selbst kümmern, geschweige denn um die Finanzierung. Diese Abläufe sind in jedem Bundesland anders geregelt: Auch wenn die Bundesregierung auf dem letzten Corona-Gipfel immer wieder betonte, dass regelmäßiges Testen jetzt zur Praxis in Kitas und Schulen gehören soll, ist dies einfach nicht der Fall.

"Prinzipiell ist das föderale System eine gute Sache. Aber ich würde mir wünschen, dass bundesweit einheitliche Regeln beschlossen werden, die bestimmen, was bei einem bestimmten Inzidenzwert vor Ort passiert."

Elvira Rosert, Politikwissenschaftlerin Universität Hamburg zu Zeit.de

In manchen Kitas wird noch gar nicht getestet und in anderen werden sogar von Unikliniken entwickelte kindgerechte Corona-Test mit einer Art "Lolli" erprobt. Diese könnten prinzipiell deutschlandweit eingesetzt werden. Doch das Testprozedere ist laut Kitaverband noch nicht überall geklärt. Hier soll in den kommenden Wochen nachgebessert werden. Dies ist angesichts der Analyse des RKI auch dringend notwendig.

Gemischte Gefühle

Meine Recherchen lassen mich ein wenig ratlos zurück. Einerseits scheint es so, als wüssten alle verantwortlichen Träger und Regierungsparteien, was jetzt nötig ist. In der Praxis jedoch scheint dies noch nicht anzukommen. Seit Wochen wird davon geredet, dass in allen Schulen und Kitas wöchentlich getestet werden soll. Doch auf Nachfrage ist das vielerorts noch lange nicht üblich. Es gibt tolle neue Konzepte wie den Lolli-Test, an dem Kinder bloß lutschen müssten. Doch der wird aktuell nur als Pilotprojekt in manchen Bundesländern angewendet. An unserer Berliner Kita war dieser Test nicht bekannt und es wurde uns auch auf Nachfrage gesagt, dass der Leitung nicht bekannt ist, dass Kinder jetzt getestet werden sollen.

In manchen Kitas anderer Bundesländern ist dies jedoch schon der Fall. Hier finde ich den Föderalismus wirklich als großen Störfaktor. Kann es hier nicht endlich mal eine bundesweit einheitliche Strategie geben, die es den Ländern auch ermöglichst, Testprozesse dann ähnlich zeitgleich umzusetzen? Eltern kleiner Kinder haben dafür langsam kaum noch Verständnis. Das führt zu einer großen Verunsicherung. Ich bin gespannt, wie das nach der Osterpause weiter gehen wird ....

Bildquelle: Getty Images/Westend61
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