Alkohol in der Schwangerschaft - die unterschätzte Gefahr

Trinkst du während der Schwangerschaft Alkohol, bringst du dein Baby in große Gefahr. Im schlimmsten Fall riskierst du sogar, dass es am Fetalen Alkoholsyndrom erkrankt.

Null Komma null sollte die Devise heißen, wenn es um Alkoholkonsum während der Schwangerschaft geht. Denn bereits ab der ersten Schwangerschaftswoche kann er ein Baby im Mutterleib massiv schädigen. Doch viele werdende Mütter sehen die Sache mit dem strikten Alkoholverbot nicht so eng – und handeln damit grob fahrlässig.

Schwangere mit einem Glas Rotwein

Darauf solltest du in der Schwangerschaft verzichten: Rotwein bekommt deinem ungeborenen Kind nicht.


Alkoholkonsum wird unterschätzt

Ein Sektchen zum Babyshower, ein klitzekleines Likörchen zum Einschlafen – das solltest du dir unbedingt verkneifen, wenn du ein Kind erwartest. Ein Forschungsteam um den Psychologen Professor Dr. Ludwig Kraus vom Institut für Therapieforschung hat in einer Studie die Auswirkungen von Alkohol auf das Umfeld der Konsumenten veröffentlicht. Hierbei ging zu einem Großteil auch um den passiven Alkoholkonsum von Babys im Mutterleib. Das Team kommt in seinen Studienauswertungen zu dem erschreckenden Ergebnis, dass die Gefahr durch den Genuss von Wein, Bier und anderen alkoholischen Getränken in der Schwangerschaft hierzulande kolossal unterschätzt wird. Denn viel mehr Kinder als angenommen, leiden an den Folgen. Nach der Auswertung von internationalen Übersichtsstudien und einer Untersuchung des Robert- Koch-Instituts in Berlin kamen die Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass zum Beispiel im Jahr 2014 in Deutschland geschätzt 12.650 Säuglinge mit einem Fetalen Alkoholsyndrom (FAS) zur Welt kamen. Damit ist das Syndrom viel weiter verbreitet, als bisher angenommen.

Was ist das Fetale Alkoholsyndrom (FAS)?

Beim Fetalen Alkoholsyndrom handelt es sich um eine Reihe von Symptomen, die durch die Wirkung von Alkohol auf die Entwicklung des Fötus ausgelöst werden und die erst nach der Geburt, meist im Kleinkindalter, bemerkt und diagnostiziert werden. Eine Zuordnung zur Ursache Alkohol wird im Nachhinein meistens nicht gemacht. Die ganz unterschiedlichen Erscheinungen machen eine exakte Diagnose so schwierig. Es kann zu körperlichen Missbildungen, aber auch Unterentwicklungen auf geistiger und emotionaler Ebene kommen. Dazu gehören unter anderem:

  • ein zu kleiner Kopf
  • Gesichtsmissbildungen
  • Herzfehler
  • Bewegungsstörungen
  • Schielen
  • geistige Behinderungen
  • psychische und kognitive Auffälligkeiten
  • Sprachstörungen

Woran erkenne ich FAS?

Das Fetale Alkoholsyndrom wird meist erst im Kleinkindalter – wenn überhaupt – festgestellt. Die Kinder sind zwar bei der Geburt kleiner und leichter, weisen aber erst später Auffälligkeiten im Gesicht und am Kopf sowie im Verhalten auf. Das wird meistens jedoch nicht mit einem vorangegangen Alkoholkonsum der werdenden Mutter in Verbindung gebracht. Auch eine Meldepflicht gibt es für das Syndrom nicht. Zu den Merkmalen an Gesicht und Kopf gehören unter anderem:

  • eine proportional zu schmale Oberlippe ohne Schwung
  • ein fliehendes Kinn
  • ein verkürzter Nasenrücken, die so genannte Sattelnase
  • prominente Nasenlöcher
  • hängende Augenlider
  • Lidfalte
  • optisch weit auseinanderstehende Augen
  • Nackenhaarwirbel nach oben gerichtet
  • vorgewölbte Stirn
  • tief sitzende Ohrmuscheln

Zu den psychischen, kognitiven und emotionalen Auffälligkeiten gehören unter anderem:

  • vergleichsweise langsame Lernfähigkeit
  • mangelnde Geduld und wenig Durchhaltevermögen
  • Impulsivität
  • motorische Unruhe
  • unsozial im Spiel
  • Empathielosigkeit
  • Distanzlosigkeit
  • unsensibel gegenüber Schmerz
  • ohne Angst

Was kannst du tun?

Auch wenn einige Krankheitserscheinungen durch gezielte Behandlungen abgemildert werden können, gibt es keine gezielte Therapie für das FAS. Die beste Möglichkeit, diese multiplen Symptome und das damit verbundene Leid zu vermeiden, ist die hundertprozentige Abstinenz von Alkohol während der gesamten Schwangerschaft und die breite Aufklärung werdender Mütter über die möglichen Folgen.

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