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Digitaler Mutterpass geplant: Daten-Revolution für Schwangere und Ärzte?

Digitaler Mutterpass geplant: Daten-Revolution für Schwangere und Ärzte?

Nachgefragt

Als Schwangere weiß man so richtig offiziell, dass man tatsächlich Leben in sich trägt, wenn man stolz seinen Mutterpass in den Händen hält. Das kleine Heftchen soll im Jahr 2022 digital werden. Wir haben beim Berufsverband der Frauenärzte e.V. nachgefragt, worin die Vorteile liegen und wo man seine Schwangerschaftsdaten dann einsehen kann.

Der Mutterpass bekommt einen elektronischen Zwilling

Den Mutterpass bekommt eine schwangere Frau meist zwischen der 7. und 12. Schwangerschaftswoche ausgehändigt. Das Dokument sollte man immer bei sich tragen und zu jedem Arzt-, Hebammenbesuch und sonstiger Untersuchung mitführen. Dort werden bei jeder Untersuchung alle wichtigen Daten rund um die Schwangerschaft erfasst, sei es Ergebnisse der Laboruntersuchungen, Nachweise für Impfungen, Werte der Ultraschalluntersuchungen, Angaben zu vorherigen Schwangerschaften und Hinweise zu eventuellen Risiken.

Jeder behandelnde Arzt, Ärztin oder Hebamme weiß dann mit einem Blick sofort, wie es um die Schwangere steht und welche Vorsorgen oder Tests noch notwendig wären. Dieses Heft soll ab 2022 vollkommen digitalisiert werden. Die kassenärztliche Bundesvereinigung plant, dass eine Schwangere dann selbst entscheiden kann, ob sie weiter die bisherige Papierform nutzt oder den elektronischen Mutterpass. Auf den werden alle Ärzte und Frauen dann per App zugreifen können.

"Die Schwangere kann ihre elektronische Patientenakte und den elektronischen Mutterpass ansehen und lesen, aber nicht verändern."

Dr. rer. med. Florian Fuhrmann, kv.digital GmbH
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So sieht der Mutterpass bisher aus. Zusätzlich mit Hefter von meiner Krankenkasse für weitere Infoblätter und Schwangerschaftstagebuch.

"Man muss sich den Mutterpass als App vorstellen"

Der Bundesverband der Frauenärzte e.V. sieht viele Vorteile in der Digitalisierung der Schwangerschaftsdaten: In erster Linie vor allem, dass man ihn nicht verlieren oder vergessen kann. Dr. med. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte, erklärt uns, dass der Mutterpass quasi zukünftig eine App sei.

"Die Schwangere lädt sich innerhalb ihres Profils in ihrer Krankenkasse diese App herunter und kann dann die Daten sehen, am PC oder in ihrem Handy. Der Frauenarzt bzw. die Frauenärztin trägt die Daten in der normalen – dann ebenfalls digitalen – Patientinnenakte ein, und von dort werden sie in den Mutterpass übernommen."

Dr. med. Christian Albring, Frauenarzt in Hannover

Wo und wie bekomme ich zukünftig den Mutterpass?

Zugang zur digitalen Schwangerschaftsdatei erhält jede Versicherte über ihre Krankenkasse. Das heißt, einen elektronischen Mutterpass können alle Frauen erhalten, die bei einer Krankenkasse identifiziert sind. Diesen lädt man sich über das Versicherungsportal der eigenen Krankenkasse herunter.

Der behandelnde Arzt oder die Ärztin stellt zuerst die Schwangerschaft fest und klärt dann im persönlichen Gespräch, ob die Patientin den elektronischen Mutterpass oder die Papierform verwenden möchte. Dies bleibt eine individuelle Entscheidung.

Datensicherheit: Wer kann auf meine Daten zukünftig zugreifen bzw. diese verändern?

Die Krankenkasse selbst soll die Schwangerschaftsdaten nicht auslesen können. Darauf erhalten laut Dr. med. Christian Albring lediglich die Patientinnen und behandelnden Ärzt*innen Zugriff. Nur diese können auch Eintragungen vornehmen bzw. diese ändern. Die Patientin selbst wird alle Daten jederzeit lesen aber nicht verändern können.

Hebammen sind noch nicht auf die Zukunft vorbereitet

Hebammen nehmen teilweise auch bereits in der Schwangerschaft Vorsorgeuntersuchungen vor oder können den Besuch beim Gynäkologen ersetzen. Dafür müssen sie auf den Mutterpass zugreifen können. Doch leider wird das in der Übergangsphase zum digitalen Mutterpass noch nicht der Fall sein können.

"Hebammen sollen in Zukunft auch in die Telematik-Strukturen zwischen Krankenkassen und Leistungserbringern einbezogen werden; noch sind sie nicht auf die Zukunft vorbereitet. Später können sie im digitalen Mutterpass ebenfalls Eintragungen vornehmen."

Dr. med Christian Albring

Meine Meinung

Ich war mächtig stolz, als ich meinen kleinen Mutterpass in den Händen hielt und trug das Heftchen immer mit mir herum. Vielleicht etwas extrem und panisch, ich dachte halt, es könnte ja sein, dass ich mal spontan zu einem Arzt gehen muss und ihn vorzeigen müsste. Grundsätzlich fände ich es auch praktisch, wenn man dafür dann eine App hätte. Dann besteht auch nicht mehr die Gefahr, dass man ihn vergisst oder verlegt.

Doch es wäre wirklich schön, wenn auch die Hebammen Zugriff auf die Daten hätten, sonst müsste man der Hebamme jedes Mal das eigene Handy geben. Doch das ist aus Datenschutzgründen zum einen problematisch und Eintragungen könnte sie dann außerdem nicht vornehmen. Was ist zudem, wenn man die Krankenkasse wechselt? Verliert man dann Zugriff auf die App? Auf Nachfrage hieß es seitens des Verbands der Frauenärzte, dass dies bis zur Einführung des elektronischen Passes geklärt sein soll. Wenn sich das alles noch klärt, könnte ich mir vorstellen bei einer zukünftigen Schwangerschaft auf das Heftchen zu verzichten ... Aber ich würde es irgendwie vermissen ...

Bildquelle: Getty Images/Jose Luis Pelaez Inc
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