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Hypnobirthing: Das kann die Selbsthypnose unter der Geburt

Hypnobirthing: Das kann die Selbsthypnose unter der Geburt

Hilfe oder Hype?

Als Hypnobirthing bezeichnet man eine Selbsthypnose, die zu einer schmerzarmen oder sogar schmerzfreien Geburt verhelfen soll. Doch funktioniert das wirklich? Plus: Jana Friedrich beschreibt Hypnobirthing aus Hebammensicht.

Was versteht man unter Hypnobirthing?

Hypnobirthing ist eine Methode, um die Geburt durch spezielle Techniken möglichst schmerzarm zu erleben. Mitunter verspricht die Methode sogar Schmerzfreiheit, denn beim Hypnobirthing geht man davon aus, dass Wehen an sich nicht schmerzhaft sind.

Die Theorie dahinter lautet, dass der Geburtsschmerz nur erlernt bzw. gesellschaftlich vorprogrammiert ist und durch einen Teufelskreis aus Angst und Anspannung entsteht. Wenn man also durch Entspannungs-, Meditations- und Visualisierungsübungen eine neue positive Verknüpfung zu den Muskelkontraktionen aufbauen kann, wird man eine weitestgehend schmerzfreie Geburt erleben können.

Wie funktioniert Hypnobirthing?

Alle negativ besetzten Begriffe wie „Wehe“ oder „Schmerz“ werden in „Welle“ oder „Muskelgefühl“ übersetzt. Als nächstes lernen die Frauen die Aufgaben des Körpers unter der Geburt kennen und werden vor allem davon überzeugt, dass dieser absolut in der Lage ist, sie zu meistern. Durch Affirmationen, Gedankenreisen und Meditationstechniken soll die Angst vor der Geburt einer inneren Gelassenheit und freudigen Erwartung weichen.

Unter der Geburt wenden die Frauen dann die erlernten Techniken an und erleben sie in einem tranceartigen, schmerzfreien (oder zumindest schmerzarmen) Zustand. Soweit zumindest die Theorie von Marie Mongan, die ihr Konzept 1989 in ihrem Buch „HypnoBirthing: A Celebration Of Life“ veröffentlichte. Noch heute ist das Werk ein Muss für alle Frauen, die sich für Hypnobirthing interessieren.

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Wie und wo kann man Hypnobirthing "lernen"?

Es gibt zwei Möglichkeiten, sich mit Hypnobirthing, auch kosmische Geburt genannt, auseinanderzusetzen:

  1. Eigene Beschäftigung mit dem Thema, zum Beispiel mit dem Buch von Marie Mongan. Dazu kommen Meditationen und Entspannungsübungen, die auf der beiliegenden CD zu finden sind.
  2. Besuch eines Hypnobirthing-Kurses (Online oder in Präsenz). Meist besteht ein solcher Kurs aus vier bis fünf Terminen und kostet ab 300 €. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten nicht. Bitte vorab unbedingt prüfen, welche Ausbildung die Kursleiter*in hat. Auch dort werden Atem- und Entspannungstechniken geübt. Außerdem wird der positive Blick auf den eigenen Körper gefördert.

Funktioniert Hypnobirthing wirklich?

Es gibt bislang leider nicht allzu viele wissenschaftliche Studien, die sich mit der Wirksamkeit von Hypnobirthing beschäftigen. Eine Untersuchung, die Forscher der Universität Tübingen durchführten, ist aber recht aufschlussreich: Sie haben Erstgebärende, die ihr Baby mit oder ohne Hypnobirthing zur Welt gebracht haben, befragt. Das Ergebnis: 80 Prozent der Frauen, die ohne die Hypnose-Technik ihr Kind entbanden, gaben an, sehr starke Schmerzen gehabt zu haben. Bei der Gruppe der frischgebackenen Mütter, die Hypnobirthing praktiziert hatten, waren es nur 50 Prozent.

Außerdem ging die Geburt bei den Hypnobirthing-Gebärenden schneller. Das interpretierten die Forscher so, dass durch die Frauen durch die Selbsthypnose entspannter waren und sich deshalb der Muttermund leichter und auch schneller geöffnet hätte. Ein weiteres Ergebnis der Studie ist aber auch: Ganz schmerzfrei verläuft eine Geburt in den seltensten Fällen – Hypnobirthing hin oder her.

Hypnobirthing-Hype: Ist er gerechtfertigt?

Viele Frauen, die mit Hilfe der Hypnobirthing-Methode geboren haben, berichten von einer ruhigen, selbstbestimmten, schmerzarmen Geburt. Aber nicht allen Frauen ist es möglich, in diesen angenehmen, tranceähnlichen Zustand zu gelangen. Denn nicht alle können innerhalb der kurzen Zeit des Übens, all die negativen Gedanken und Ängste loswerden, die sie vielleicht schon ein Leben lang im Kopf abgespeichert haben. Nicht alle Frauen erleben durch Hypnobirthing die versprochene Wunschgeburt. Und nicht alle erleben sie schmerzfrei. Aber allein die Aussicht auf eine schmerzärmere Geburt dürfte den Hype um das Thema nachvollziehbar erklären.

Hypnobirthing & Krankenhaus - ein Widerspruch?

Die allermeisten Frauen in Deutschland entscheiden sich für ein Krankenhaus als Geburtsort. Frauen, die Hypnobirthing unter der Geburt anwenden, fühlen sich dabei aber oft von den Krankenhausroutinen gestört und aus ihrer Konzentration gerissen. Auch haben sie häufig das Gefühl, sich gegen Routinemaßnahmen verteidigen zu müssen. In den zuvor belegten Kursen haben sie einen bestimmten Ablauf erlernt, der sich aber von den Abläufen in der Klinik an der einen oder anderen Stelle nun doch unterscheidet. Nicht selten entsteht dabei ein unterschwelliger „Kampf“ zwischen Frau und Klinikpersonal.

Manchmal mögen das wirklich unsinnige Maßnahmen wie ein routinemäßig gelegter Zugang sein. Manchmal sind es aber auch Notwendigkeiten, die schlichtweg den geburtshilflichen Richtlinien geschuldet sind, wie z.B. die CTG-Kontrollen. Aber oft rennen Hypnobirthing-Frauen auch offene (Klinik-)Türen ein: Die meisten Hebammen wünschen sich doch, Frauen zu betreuen, die selbstbestimmt und interventionsfrei gebären möchten.

"Das erste Gesicht" - Das sind unsere Hebammen

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Ein ganz wichtiger Punkt für eine gute Geburt – ob nun mit Hypnobirthing oder ohne – ist aber Vertrauen in das Geburtsteam zu haben. Daher sollte man überlegen, ob z.B. das "Hochriskikohaus" (Level 1 Klinikum), das man sich vielleicht für die Geburt ausgesucht hat, auch wirklich zu den Prinzipien einer interventionsfreien, selbstbestimmten Hypnobirthing-Geburt passt. Oder ob man sich dann zumindest eine Beleghebamme mitnimmt, zu der man Vertrauen hat, oder gleich einen ganz anderen Ort für die Geburt wählt. Im Zweifelsfall fragt vorher im Krankenhaus nach.

Hypnobirthing aus Hebammensicht: Das sagt Jana Friedrich dazu

Jana Friedrich ist Mutter von zwei Kindern, seit 1998 leidenschaftlich Hebamme und lebt mit ihrer Familie in Berlin. Seit gut drei Jahren bloggt sie altes Hebammenwissen rund um die Themen Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Säuglinge auf Hebammenblog.de. Uns erzählt sie, was sie von Hypnobirthing hält: "Als Hebamme bin ich von den Grundprinzipien des Hypnobirthings inzwischen ziemlich begeistert. Ich denke, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis sie in jeden „normalen“ Geburtsvorbereitungskurs Einzug halten."

Sie ist aber der Meinung, dass Frauen möglichst umfänglich auf eine Geburt vorbereitet werden sollten: "In einigen Hypnobirthing-Kursen wird überhaupt nicht darauf eingegangen, was passiert, wenn einem Unerwartetes begegnet. Wenn man dann eben doch Schmerzen erlebt oder in der schönen Geburtswanne, die sprichwörtliche Bodenhaftung verliert. Oder eben ein Schmerzmittel benötigt. Dann darf nicht gleich das ganze Wunschkartenhaus zusammenbrechen." Noch schlimmer fände sie, wenn die Frau dann das Gefühl bekäme, versagt zu haben.

"Auch der Kaiserschnitt sollte zumindest einmal angesprochen werden, als das was er ist: Eine geburtshilfliche Rettungsmaßnahme", erklärt sie. "Einen Kaiserschnitt zu bekommen, ist nicht das Ergebnis von zu wenig Üben. Einen Kaiserschnitt bekommt man, wenn es einfach auf normalem Wege nicht geht. Auch daran hat die Frau selbst dann keine Schuld." Denn wenn ein Kaiserschnitt nötig wird, kann das natürlich auch die Hypnobirthing-Methode nicht verhindern.

"In einer perfekten Welt würde jede Frau selbstbewusst, entspannt und voller Freude und Neugierde in die Geburt gehen", sagt die Berliner Hebamme. Hypnobirthing sei vielleicht ein kleiner Baustein auf dem Weg dorthin. Nicht mehr und nicht weniger.

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Meine persönliche Erfahrung:

Nachdem ich die Sturzgeburt meines ersten Sohnes als traumatisch und fremdgesteuert wahrnahm und lange damit zu kämpfen hatte, wollte ich während meiner zweiten Schwangerschaft das Ruder selbst in die Hand nehmen. Neben der Aufarbeitung meiner ersten Geburt bei einem Gespräch im Krankenhaus, informierte mich auf Empfehlung meiner Hebamme auch über Hypnobirthing. Ein paar Wochen vor dem ET las ich immer wieder im Klassiker von Marie Mongan und machte brav fast jeden Tag die Meditationsübungen. Mit dem Ergebnis, dass ich dabei wunderbar friedlich wegschlummerte.

Meine zweite Geburt war dann trotz der Vorbereitung durch Hypnobirthing alles andere als schmerzfrei. Trotzdem empfand ich sie als wesentlich positiver und selbstbestimmter. Manche Dinge hatte ich tief verinnerlicht, wie zum Beispiel die Wichtigkeit der Atmung und auch, die Wehen als Weg zu meinem Baby anzunehmen. Insofern hat mir Hypnobirthing auf jeden Fall zu einem schöneren Geburtserlebnis verholfen.

 

Bildquelle: Getty Images / AleMoraes244

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