Das HELLP-Syndrom: Eine ernstzunehmende Schwangerschaftskomplikation

Das HELLP-Syndrom ist eine der schwersten schwangerschaftsbedingten Erkrankungen.


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Was ist das HELLP-Syndrom?


Früher galt das HELLP-Syndrom als eine schwere Komplikation der Präeklampsie. Heute weiß man aber, dass es auch ohne vorherige Präeklampsie-Erkrankung auftreten kann. Es zeigt sich meist erst im letzten Schwangerschaftsdrittel und kann lebensgefährlich sein.

Bei einem HELLP-Syndrom sind die Blutgerinnung sowie die Leberfunktion schwer gestört, was ernste Komplikationen für Mutter und Kind nach sich ziehen kann. In westlichen Ländern gilt das HELLP-Syndrom als die häufigste Ursache der Müttersterblichkeit.

Der Name setzt sich zusammen aus:

➤ H – Hämolysis: Blutzerfall
➤ EL – Elevated Liverenzymes: erhöhte Leberwerte
➤ LP – Low Platelet count: niedrige Thrombozytenzahlen

Der Wert der Thrombozyten, die für die Blutgewinnung verantwortlich sind, fällt dabei auf unter 100.000 pro Mikroliter Blut.

Das HELLP-Syndrom kommt bei etwa ein bis zwei von 300 Schwangerschaften vor – bei etwa vier bis zwölf Prozent aller Schwangeren, die an schwerer Präeklampsie leiden, entwickelt sich auch das HELLP-Syndrom. 

HELLP-Syndrom

Kann lebensbedrohlich werden: das HELLP-Syndrom.


© iStock
Symptome des HELLP-Syndroms

Die Funktion der Niere ist meist gestört – es lässt sich zum Teil Eiweiß im Urin der betroffenen Frauen finden und der Blutdruck steigt rapide an. Symptome, die auch bei einer Präeklampsie auftreten, weswegen Präeklampsie und das HELLP-Syndrom in Verbindung gebracht werden. Doch nicht alle Frauen, die am HELLP-Syndrom erkranken, zeigen auch diese Symptomatik. Fünf bis 15 Prozent der erkrankten Frauen weisen zwar das typische Blutbild auf, entwickeln aber keine Proteinurie.

Oft entwickelt sich das HELLP-Syndrom innerhalb weniger Stunden, sodass es innerhalb kürzester Zeit zu extremen Verschlechterungen kommen kann. Warnzeichen können sein:

Starke Schmerzen im rechten Oberbauch (wo die Leber sitzt)
• Bei manchen Frauen: Schmerzen in der Nierengegend und/oder im gesamten Rücken
Übelkeit, Erbrechen und/oder Durchfall
Gelbfärbung der Haut
Kopfschmerzen und/oder Sehstörungen
• Heftiger Juckreiz (könnte auch ein Zeichen für eine Schwangerschaftscholestase sein)

Oft ähneln die Symptome einer Magen-Darm-Grippe, sollten aber auf jeden Fall abgeklärt werden – vor allem, wenn bei Ihnen bereits eine hypertensive Erkrankung (beispielsweise Bluthochdruck) vorliegt. Eine endgültige Diagnose kann nur durch eine Überprüfung der Blut- und Leberwerte sowie der Thrombozyten-Anzahl gestellt werden. 

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Ein erhöhter Blutdruck und Wassereinlagerungen während der Schwangerschaft können auf eine Präeklampsie hinweisen.


Ursachen für das HELLP-Syndrom

Die genauen Ursachen des HELLP-Syndroms sind noch nicht erforscht. Die Risikofaktoren ähneln deren der Präeklampsie:

• Vorerkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes mellitus oder angeborene Gerinnungsstörungen
Mehrlingsschwangerschaft
Übergewicht
• Eine zuvor durchgestandene Hepatitis
• Neigung zu Thrombosen

Vorbeugen lässt sich das HELLP-Syndrom bisher noch nicht.
Behandlung und Verlauf des HELLP-Syndroms

Treten die oben genannten Symptome bei Ihnen auf, ist vor allem wichtig, dass rasch gehandelt wird. Die Therapie hängt davon ab, wie weit die Schwangerschaft schon fortgeschritten ist und wie schwer die Ausprägung des HELLP-Syndroms ist. Bis zur 32. SSW wird versucht, die Entbindung so lange wie möglich hinausgezögern, damit sich die Lungen des Babys noch weiter entwickeln können. In der Zwischenzeit sollen Medikamente Blutdruck und Blutgerinnung der Mutter normalisieren.

Ab der 32. bis 34. SSW wird meist die Geburt eingeleitet – vor allem, wenn sich die Symptome des HELLP-Syndroms trotz Medikamenten noch verschlimmern.

Die Entbindung unterbricht den Verlauf des HELLP-Syndroms nicht. Es dauert ungefähr drei bis vier Tage, bis sich die Werte wieder normalisieren.

Wenn das HELLP-Syndrom nicht rechtzeitig behandelt wird, können eine Leberruptur, eine Gehirnblutung, akutes Nierenversagen oder eine vorzeitige Ablösung der Plazenta drohen.

Häufig zeigen sich auch nach Abklingen der Erkrankung noch lange Zeit Störungen im Kurzzeitgedächtnis. Psychologen führen dies auf Auswirkungen einer posttraumatischen Belastungsstörung zurück. Eine fachübergreifende Nachbetreuung ist deswegen auch nach Schwangerschaft und Wochenbett noch wichtig.

Die Sterblichkeit für Babys, deren Mütter am HELLP-Syndrom erkranken, liegt zwischen zehn und 40 Prozent, weswegen eine rechtzeitige Diagnose so wichtig ist. Je früher das HELLP-Syndrom erkannt wird, desto besser ist die Prognose für Mutter und Kind. Angst vor einer weiteren Schwangerschaft brauchen Frauen, die schon einmal am HELLP-Syndrom erkrankt sind, nicht haben, denn die Gefahr der Wiederholung ist mit zweieinhalb Prozent sehr gering.

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von Nicole Metz




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