Jana Wetterau-Kliebisch: Fitness für werdende Mamis

Physiotherapeutin Jana Wetterau-Kliebisch kümmert sich um die Fitness von Mamis und hat bereits einige DVDs dazu herausgebracht. Außerdem ist sie Geschäftsführerin von Buggyfit. Kürzlich ist sie selbst Mutter geworden. Wir haben sie getroffen.


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Jana Wetterau-Kliebisch: Fitness für Mamis

Jana Wetterau-Kliebisch mit ihrer kleinen Leonie.


© privat
familie.de: Erst einmal herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Baby! Wie heißt es denn?

Jana Wetterau-Kliebisch: Vielen Dank, die Kleine heißt Leonie.
 
Wenn man Ihre DVD „Fit mit Babybauch“ anschaut, sieht es nicht so aus, als hätten Sie viele überflüssige Pfunde während der Schwangerschaft gehabt. Wie haben Sie das gemacht?
 
Da ich schon vor der Schwangerschaft viel Sport gemacht habe, bin ich auch während der Schwangerschaft aktiv gewesen. Normalerweise habe ich zweimal die Woche gejoggt. Das geht natürlich im schwangeren Zustand nicht mehr. Deshalb bin ich dann auf walken und schwimmen umgestiegen.
 
Um den Körper weiterhin in Form zu halten, habe ich außerdem Kräftigungsübungen für Bauch, Beine und Po gemacht. Da ich auch spezielle Übungen für den Rücken ausgeführt habe, hatte ich während der gesamten Schwangerschaft keine Rückenprobleme. Das war natürlich toll und das würde ich jeder anderen Schwangeren auch wünschen. Meine besten und effektivsten Übungen habe ich dann für die DVD zusammengestellt.
 
Wann fangen Sie selbst mit der Rückbildungsgymnastik an, wie viele Wochen nach der Geburt? Und wie lange denken Sie, brauchen Sie, um die überflüssigen Kilos wieder los zu werden?
 
Ich empfehle, dass sich die Mütter auf jeden Fall 6 Wochen nach der Geburt Zeit lassen sollten, bis sie mit einem kompletten Rückbildungsgymnastikprogramm anfangen. Deshalb habe ich auch jetzt erst mit einem richtigen Workout angefangen. Man kann und sollte aber schon kurz nach der Geburt im Liegen, am Wickeltisch oder beim Spazierengehen versuchen, seinen Beckenboden anzuspannen. Leichte Übungen, um den Beckenboden wieder zu aktivieren, sind im Wochenbett sehr wichtig. Eine frischgebackene Mami sollte auch ihren Kreislauf wieder in Schwung bringen. Diese Übungen bekommt man meist schon im Krankenhaus von den Hebammen gezeigt. Gehen mit dem Kinderwagen an der frischen Luft ist dafür auch super. Und das ist natürlich auch gesund fürs Baby.
 
Meine Tochter ist erst 6 Wochen alt. Ich habe noch 5 Kilo mehr als vor der Geburt. Das sind die natürlichen Fettreserven fürs Stillen. Und Stillen tue ich natürlich auch. Ich beginne jetzt mit der Rückbildungsgymnastik, Pilates und meinem Fitnessprogramm. Die überflüssigen Pfunde werden dann in zwei bis drei Monaten verschwunden sein.  Ich fühle mich aber jetzt schon wieder richtig wohl in meinem Körper, weil ich ihm auch während der Schwangerschaft so viel Gutes getan habe. Nicht nur die Zahl auf der Waage sollte wieder stimmen, mein Körper soll sich vor allem wieder straff und knackig anfühlen und auch so aussehen. Ich denke, das wollen die meisten Mamas. Und dafür müssen wir etwas tun. Wenn man das Training aber geschickt in den Alltag einbaut, hat man auch noch Spaß dabei und muss sich nicht erst „aufraffen“ etwas zu tun. Im Mama-Baby-Alltag gibt es genug Möglichkeiten, mit dem Baby zusammen etwas für den eigenen Körper und damit auch für die Seele zu tun.
 
Sie haben mittlerweile 4 Fitness DVDs für Mamis und werdende Mamis herausgegeben, wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Ich habe mich als Personaltrainerin auf Fitness für Mütter spezialisiert und bringe seit vielen Jahren frisch gebackene Mamas wieder in Form. Nicht jede Mami kann sich wie die Promis ein Personaltraining leisten. Deshalb kam ich auf die Idee, meine Trainingsprogramme auf DVD für jede Mutter zugänglich zu machen. So kann Mami schnell und ohne viel Zeitaufwand zu Hause trainieren. Und das Beste: Man braucht nicht mal einen Babysitter.
 
Hat Ihnen jemand bei der Erstellung der Kurse/Übungen geholfen?
 
Ich halte immer Rücksprache mit einer Hebamme und einem Sportwissenschaftler, um optimale Programme zu entwickeln.
 
Viele Promis haben in Rekordzeiten dank Diäten und sehr frühem Training nach der Geburt wieder ihre ursprüngliche Figur. Ist das noch gesund? Oder kann das dem Körper sogar schaden?

Das ist auf jeden Fall nicht gesund und keine Frau sollte sich daran ein Beispiel nehmen bzw. sich unter Druck setzen. Beginnt man noch im Wochenbett (bis sechs Wochen nach der Geburt) direkt mit einem Sportprogramm wie Training der geraden Bauchmuskeln oder Joggen, dann wird der Beckenboden überstrapaziert. Dieser Muskel (übrigens so ziemlich unser Wichtigster) wurde durch Schwangerschaft und Geburt stark beansprucht und muss langsam und schonend aufgebaut werden. Dann kommen dazu Übungen für den ganzen Körper.
 

Jana Wetterau-Kliebisch zeigt Übungen für werdenden Mamis


Können Sie unseren Userinnen von familie.de ein paar Tipps geben, wann und wie sie mit der Rückbildungsgymnastik anfangen sollten?


Mit der Rückbildung beginnt man frühestens 6 Wochen nach der Geburt. Die Mamas können einen Kurs besuchen, der von Hebammen durchgeführt wird. Oder man führt die Rückbildung unter Anleitung meiner DVDs „Mein Beckenboden-Workout“ oder „Die große Mamifitness-Box“ durch.
 
Am Anfang ist es wichtig, den Beckenboden kennen zu lernen und zu spüren. Denn viele Frauen wissen gar nicht, wie man diesen Muskel anspannen kann bzw. wo er überhaupt sitzt. Dann sind sanfte Übungen zur Kräftigung der Bauch-, Rücken- und Beinmuskulatur in Verbindung mit Beckenbodenspannung wichtig. Die Übungen kann man ohne großen Aufwand zu Hause machen, wenn der kleine Schatz schläft. Ich empfehle die Rückbildungsgymnastik über 8-10 Wochen ca. 2 Mal in der Woche durchzuführen.

Danach kann man dann langsam mit intensiveren Fitnessübungen zur Straffung des Körpers beginnen. Dafür eignet sich besonders Pilates, da mit dieser Trainingsmethode auch der Beckenboden trainiert wird. Auch dafür habe ich ein Programm entwickelt, bei dem sogar das Baby mit turnt.
 
Wir bekommen immer wieder die Frage von Userinnen gestellt, ob Rückbildungsgymnastik und Sport nach der Schwangerschaft denn wirklich wichtig sind, da sie oft dazu zu faul seien. Was würden Sie antworten?

Rückbildungsgymnastik ist super wichtig. Das sollte für jede Mama ein Pflichtprogramm sein. So kann man verhindern, dass man später Rückenschmerzen, eine Gebärmutter- oder Blasensenkung bekommt oder inkontinent wird. Faulheit wird also über kurz oder lang bestraft. Und Sport? Naja, wer wieder einen flachen Bauch, straffe Beine und einen knackigen Po haben möchte, wird nicht um den Sport herumkommen. Und auch für die Seele ist Sport sehr wichtig. Das Selbstbewusstsein wird gestärkt, wenn wir uns nach wenigen Monaten wieder wohl in unserem Körper fühlen. Und es sind ja auch kleine Auszeiten, in denen Mama sich erholen kann. Man sollte das nicht als Pflicht oder Anstrengung sehen, sondern wir tun uns und unserem Körper damit etwas Gutes.

Sie arbeiten auch als Trainerin bei Buggyfit. Was ist hier das Konzept und warum ist es so erfolgreich?

Buggyfit findet draußen in verschiedenen Stadtparks statt. Die Mamas brauchen keinen Babysitter, da sie ihr Baby  beim Training im Kinderwagen immer dabei haben. Die Babys sind glücklich und zufrieden, weil sie spazieren gefahren werden und die Mamas können in Ruhe in einer Gruppe trainieren. Warum wir so erfolgreich sind? Ich habe diese Idee vor 3 Jahren nach Deutschland gebracht und somit ein völlig neues Trainingskonzept etabliert, auf das die Mamas nur gewartet haben. Für alle Mamas, in deren Stadt noch keine Buggyfitkurse angeboten werden, gibt es jetzt auch mein Buch „Fit mit Baby - Workout mit dem Kinderwagen“.

Was würden Sie zu einer frisch gebackenen Mami sagen, die zu Ihnen in einen Kurs kommen will und sagt, sie möchte genauso schnell wie Heidi Klum wieder ihre ursprüngliche Figur zurück haben?

Dann müsste sie jeden Tag  4 Stunden Sport machen und streng Diät halten. Achtung: Stillende Mütter dürfen keine Diät machen, sonst schaden sie sich und ihrem Baby. Man muss bedenken, dass es Heidis Job ist, gut auszusehen und dass sie mit ihrem Körper ihr Geld verdient. Deshalb ist sie 7 Wochen nach der Geburt schon wieder bei der Dessous-Show von Victoria’s Secret mit ihrer „alten“ Figur über den Laufsteg gelaufen.  Das müssen wir zum Glück nicht und sollten uns auch nicht stressen. Trotzdem ist es für jede Mami möglich, wieder schnell zurück zu ihrer ursprünglichen Figur zu finden – das muss aber nicht nach 7 Wochen sein, sondern kann mit dem richtigen Training schon vier bis acht Monate nach der Geburt so sein. Und ich habe sehr viele Mamis erlebt, die dann sogar zufriedener mit ihrer Figur waren.

Vielen Dank.






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