Wochenbett: Wichtige Erholungszeit nach der Geburt

"Wochenbett" – die Bezeichnung klingt fürchterlich altmodisch. Auch wenn heute meist keine Großfamilie mehr bereit steht, um die junge Mutter von früh bis spät zu umsorgen: Die siebenwöchige Erholungsphase nach der Geburt ist für Körper und Seele immens wichtig. Hier erfahren Sie, wie die ersten Wochen nach der Geburt ablaufen und warum die Zeit der Erholung so wichtig ist. 


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Wochenbett: Zeit für Mama & Kind


Die ersten Gefühle nach der Geburt des Babys sind meist Glück, Glück und nochmals Glück. Es dauert ein wenig, bis man als Neu-Mama in der Realität ankommt. Bis man spürt, was der eigene Körper die ganzen Monate während der Schwangerschaft und vor allem bei der Geburt eigentlich geleistet hat. Bis man merkt, dass mit Baby plötzlich vieles anders ist, dass man Verantwortung trägt für ein zartes schützenswertes Menschlein, bis man realisiert: Ich bin jetzt Mama! Der erste Reflex von Frauen nach der Geburt: Schnell wieder auf die Beine kommen – und weiter machen wie bisher. Das Wochenbett hat aber einen tiefen und wichtigen Sinn, der da lautet: Ausruhen, Kräfte tanken, im neuen Leben ankommen.

Wochenbett = Baby-Flitterwochen


© iStock
Und das Wochenbett heißt Wochenbett, weil Sie vor allem die ersten Tage liegend im Bett verbringen sollten. In dieser Zeit darf Ihnen alles andere egal sein: Was in der Welt so passiert, was Ihre Freunde gerade machen und welche Filme im Kino anlaufen. All das hat Zeit. Jetzt ist nur eines wichtig: Mit Ihrem Partner zusammen Ihr Baby kennen und lieben lernen. Deshalb trägt die Zeit des Wochenbetts auch den wunderschönen Beinamen "Baby-Flitterwochen".
Frühwochenbett & Spätwochenbett
Die Zeit des Wochenbetts – Ärzte und Hebammen sprechen vom "Puerperium" – dauert 40 Tage. Sieben Wochen. Die wichtigste Erholungsphase ist das "Frühwochenbett", die ersten zehn Tage nach der Geburt. Ihr Körper beginnt jetzt mit der Milchproduktion, die Verletzungen von der Geburt heilen langsam ab – und der Körper stellt seinen Hormonhaushalt wieder um. Alles anstrengende Aufgaben, die Kraft kosten! In dieser Zeit sollten Sie sich deshalb unbedingt schonen – und verwöhnen lassen.
Im "Spätwochenbett", d.h. ab dem elften Tag nach der Geburt, geht die Erholung weiter. Auch wenn sich die meisten Frauen jetzt wieder körperlich fit und belastbar fühlen: Körper und Seele benötigen noch immer Ruhe, um sich von den Strapazen der Schwangerschaft und der Geburt zu erholen. Das Wichtigste ist deshalb, dass Sie jetzt ohne Stress in Ihrem neuen Leben ankommen. Gönnen Sie sich jede Ruhepause, die sich Ihnen bietet. Ein Tipp von erfahrenen Mamas lautet: "Schlafen Sie, wann immer Ihr Baby tagsüber schläft." Der Wunsch, in dieser Zeit schnell den Haushalt zu erledigen, führt schnell zu einer übermüdeten, unzufriedenen Mama.
Wenn Sie schon ein Kind haben
Beim ersten Kind ist das Wochenbett leichter zu organisieren, beim zweiten stellt das eine kleine Herausforderung dar. Hilfreich ist ein Netz von Freunden, Nachbarn und der Familie, das bei Alltagsdingen hilft: Einkaufen, Kochen und mit dem größeren Geschwisterkind spielen.  Auch wenn Sie sonst gerne stark und unabhängig sind: Nehmen Sie in der Zeit des Wochenbetts jede Hilfe an, die sich Ihnen bietet. Die allererste Zeit mit Baby können Sie nur einmal genießen!
Was Sie in der Zeit des Wochenbetts erwartet:
Babyblues vs. postpartale Depression
Wenn Sie die ersten Tage nach der Geburt niedergeschlagen sind und öfters weinen müssen: Keine Panik! Der sogenannte Babyblues überfällt viele Mütter. Schuld daran ist die Hormonumstellung von schwanger auf nicht-mehr-schwanger. Sollte der völlig normale Babyblues kein Ende nehmen, sollten Sie aber unbedingt mit Ihrem Arzt oder der Hebamme sprechen. Eventuell leiden Sie unter einer postpartalen Depression.

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Wochenfluss
Wenn sich die Plazenta ablöst, entsteht eine großflächige Wunde, Wundsekret und Reste vom Plazentagewebe werden vom Körper ausgeschieden: Der Wochenfluss setzt ein. In den ersten Tagen nach der Geburt ist die Blutung wie eine starke Periodenblutung, von Tag zu Tag wird sie schwächer, farblich verändert sie sich von rötlich-bräunlich in Richtung gelblich-weiß. Die Blutung dauert zwischen zwei und sechs Wochen. Für den Wochenfluss werden Sie bereits in der Klinik mit speziellen dicken Binden ausgerüstet.

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Die Blutung nach der Geburt ist völlig normal - auch wenn sie an den ersten Tagen richtig stark ist. Eines ist jetzt allerdings wichtig: Hygiene.


Unser Tipp: Am besten besorgen Sie schon vor der Geburt einen kleinen Vorrat – die Binden sind in allen Drogeriemärkten erhältlich. Tampons sind in der Zeit des Wochenbetts tabu: Sie könnten Bakterien in die Gebärmutter transportieren und eine gefährliche Infektion zur Folge haben. Die Hygienebinden sollten Sie häufig wechseln und danach sorgfältig die Hände waschen.

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Nachsorgehebamme
In den ersten zehn Tagen nach der Geburt steht Ihnen täglich ein Besuch Ihrer Hebamme zu. Die Kosten dafür trägt die Krankenkasse. Die Hebamme hilft Ihnen beim Stillen, bzw. beim Fläschchen geben, sie übernimmt in den ersten Tagen die Nabelpflege und hilft Ihnen bei all den vielen Fragen, die sich jetzt stellen, weiter. Sie schaut aber auch nach Ihnen, fragt, wie es Ihnen geht und kontrolliert die Rückbildung der Gebärmutter. Auch nach diesen ersten zehn Tagen dürfen Sie Ihre Hebamme jederzeit zu Fragen des Stillens, zur Babypflege und zur Rückbildung konsultieren.

Rückbildung
Rückbildungsgymnastik ist wichtig, um das gedehnte Gewebe wieder zu festigen und den Beckenboden nach der anstrengenden Schwangerschaft und Geburt fit und stark zu machen. Mit ersten, ganz sanften Rückbildungsübungen können Sie schon wenige Tage nach der Geburt beginnen. Der optimale Zeitpunkt für einen richtigen Rückbildungskurs (wird von der Krankenkasse bezahlt) ist dann sechs bis acht Wochen nach der Geburt. Sie haben die Wahl zwischen Kursen am Vormittag, die Sie mit Ihrem Baby zusammen besuchen (Vorteil: Sie bekommen Kontakt zu anderen Mamas mit Neugeborenen) oder einem Kurs am Abend, den Sie ohne Baby besuchen (Vorteil: Der Papa darf sich schon mal als Babysitter üben).

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Abnehmen nach der Schwangerschaft
Das Baby ist da – der Bauch leider auch noch. Diese Erfahrung machen viele Mütter – und werden dann schnell ungeduldig, die Babypfunde sollen so schnell wie möglich verschwinden. Ein alter Hebammenspruch beinhaltet viel Wahres: "9 Monate kommt der Babybauch – neun Monate geht er wieder". Übersetzt heißt das: Geben Sie sich und Ihrem Babybäuchlein Zeit. Wenn Sie den ersten Geburtstag Ihres Kindes planen, haben viele Frauen wieder das Gewicht von vor der Schwangerschaft erreicht. Bis dahin gilt: Freuen Sie sich über Ihr Baby – und ärgern Sie sich nicht über die Jeans, die noch nicht wieder passt.
Ganz wichtig: Direkt nach der Schwangerschaft und während der Stillzeit sollten Sie keinesfalls mit einer Diät beginnen, das kann Auswirkungen auf die Qualität der Muttermilch haben und so Ihrem Baby schaden. Manche Mütter nehmen übrigens alleine durchs Stillen ab.

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