Langzeitstillen: Darum wollen einige Mütter nicht abstillen

Stillen bis ins Grundschulalter? Während die einen Mütter das Abstillen kaum erwarten können, wollen die anderen gar nicht damit aufhören. Lesen Sie alles zum Thema Langzeitstillen.


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Kleinkinder lange stillen



© nadezhda1906 - stock.adobe.com
Jede Mutter mit Säugling kennt die Frage: „Wann willst Du Abstillen?“. Spätestens nach einem Jahr an der Busentankstelle treffen die Stillende ungläubige Blicke, gefolgt von der entsetzten Frage: „Stillst Du immer noch?!?“.

Aber es geht noch extremer: Es gibt Mütter, die ihre Kinder noch stillen bis sie drei oder vier Jahre alt sind. Einige werden sogar in der Grundschule noch gestillt. Gibt es weiteren Nachwuchs, stillen die Mütter tandem - also zwei Geschwister gleichzeitig. Wer so lange stillt, gibt seinen älteren Kindern meist nur zuhause und nicht in der Öffentlichkeit die Brust. Denn die Reaktionen auf Langzeitstillen reichen von Irritation über Entsetzen bis hin zu Ekel - weil gerade in Industriestaaten der Anblick eines Vierjährigen, der an Mamas Busen hängt, eher befremdlich ist.

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Gründe Langzeitstillen

Eine Mutter, die einem Kind die Brust gibt, das schon Laufen und Sprechen kann, braucht viel Selbstbewusstsein. In Deutschland stillen über 90 Prozent der Frauen bis zum ersten Geburtstag ab. Das Ende des ersten Lebensjahres markiert den Übergang vom Baby zum Kleinkind. Spätestens an dieser Schwelle wird Stillen zum Langzeitstillen - und damit zum Tabu.

Biologisch gesehen gibt es aber keine zeitliche Obergrenze für das Stillen. Die Muttermilch passt sich den Bedürfnissen des Kindes an. Grenzen setzt nur die Gesellschaft: Was als normal gilt, hängt vom allgemeinen Konsens ab. Und der ist überall auf der Welt anders: In einigen Industriestaaten wird nur vier Wochen gestillt. Während bei Naturvölkern drei Jahre und mehr völlig normal sind.

Wie lange gestillt wird, hängt von vielen Faktoren ab. Zum Beispiel von der Rolle und Bildung der Frauen und deren Zugang zum Arbeitsmarkt. Einen sehr wichtigen Anteil macht sicherlich auch der Zugang zu sauberem Trinkwasser und Lebensmitteln aus. In manchen Teilen der Welt verhindert Langzeitstillen eine Mangelernährung und frühe Wachstumsstörungen. Außerdem hat es positive Auswirkungen auf das Immunsystem.
Vorteile und Nachteile Langzeitstillen
Doch wo liegen die Vorteile in Überflußgesellschaften wie unserer, wenn alle Menschen Zugang zu den besten Nährstoffquellen und hohe hygienische Standards haben? Viele Mütter und Kinder genießen eigentlich nur die lange emotionale, intensive körperliche Bindung beim Langzeitstillen. Sie wollen das Richtige für ihr Kind tun und es nicht gewaltsam entwöhnen, sondern es selbst entscheiden lassen, wann es soweit ist. Sind die Kleinen schlechte Beikost-Esser oder haben eine Fütterstörung, sehen viele Mütter im Weiterstillen die Lösung.

Und es gibt auch praktischere Vorteile des Langzeitstillens: Man muss nachts nicht aufstehen und eine Flasche machen. Die Brust wirkt als schnelles und sicheres Beruhigungsmittel. Außerdem muss keine Tasche mit Snacks und Trinken gepackt werden, wenn man das Haus verlässt.

Kritiker halten dagegen, dass gerade ältere Kinder nachts selbst zur Wasserflasche greifen können, und dass ein Schnuller die gleiche Funktion erfüllt. Sie kritisieren das Verhalten der Mutter, die ihr Kind nicht zur Eigenständigkeit erziehen will und es unnötig an sich bindet. Außerdem sehen sich langzeitgestillte Kinder oft Mobbing von Gleichaltrigen ausgesetzt. Vorurteile, wie Probleme bei der Zahngesundheit oder Schadstoffe in der Muttermilch sind nicht wissenschaftlich untermauert.
Langzeitstillen oder Abstillen
Jede Mutter muss zum Thema Langzeitstillen ihre eigene Entscheidung treffen und dazu stehen, auch wenn Verwandte, Freunde und Kinderärzte eine andere Meinung haben. Stillen hat viele Vorteile, die Notwendigkeit muss jede Familie selbst abschätzen. Wichtig ist, dass Langzeitstillen nicht die Einführung von Beikost ersetzt. Feste Nahrung ist für Kleinkinder und Babys ab einem gewissen Alter ein Muss.

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Anna Hentsch

von Anna Hentsch