Warum Fremdeln beim Baby ein gutes Zeichen ist

Nur ne Phase!

Warum Fremdeln beim Baby ein gutes Zeichen ist

Die Fremdel-Phase ist auch für Eltern nicht leicht. Warum das Fremdeln beim Baby ein völlig normales Verhalten ist, wann es seinen Höhepunkt erreicht und wie du auf das Misstrauen deines Kindes ganz entspannt reagierst.

Vor kurzem noch wurden Oma und Opa, Gäste, der Postbote und die Nachbarin im Hausflur freundlich angelächelt, doch plötzlich reagiert dein Baby ungewohnt skeptisch und verängstigt auf fremde Personen, ja selbst auf den Papa (oder die Mama)? Es versteckt sich hinter dir oder will auf den Arm?

Selbst den Papa kann es in der Fremdel-Phase treffen

Herzlichen Glückwunsch, dein Baby fremdelt!

Was es da zu gratulieren gibt? Mit dem Eintritt in die Fremdel-Phase hat dein Baby einen wichtigen Schritt in seiner Entwicklung gemacht: Es kann nun zwischen Bekannten und Unbekannten unterscheiden. Und es hat dich zu seiner engsten Bezugsperson auserkoren. Das solltest du als großes Kompliment auffassen!

Wann das Fremdeln beim Baby beginnt

In der Regel beginnt das Fremdeln beim Baby im achten Monat. Daher wird in der Fachliteratur auch oft von der "Achtmonatsangst" gesprochen. Den Höhepunkt hat das Fremdeln meistens im zweiten Lebensjahr und nimmt ab dem dritten Lebensjahr allmählich wieder ab.

Typisches Verhalten eines fremdelnden Kindes:

  • ängstliches Anstarren oder Versteifen
  • naher Körperkontakt zur engsten Bezugsperson, regelrechtes "Kleben" an der Mutter bzw. dem Vater
  • abweisendes Verhalten
  • Kontaktverweigerung
  • weinen und schreien
  • schlechte Laune, wenn andere Personen anwesend sind

Aber:  Auch ein positives Interesse und eine Neugier auf die vermeintlich fremden Personen sind typisch für das Fremdeln. Sobald sich dein Kind auf deinem Arm sicher fühlt, wird es die unbekannte Person genau betrachten und sich nach einer Weile auch auf sie einlassen.

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Fremdeln ist kein Ergebnis falscher Erziehung

Fremdeln entsteht nicht durch Kindererziehungsfehler, sondern ist eben Ausdruck eines wichtigen neuen Entwicklungsschrittes. "Die Sinneswahrnehmung der Kinder wird in dieser Zeit differenzierter", erklärt Diplom-Psychologin Sybille Weber. "Das Kind ist von nun an fähig, zwischen Vertrautem und Fremdem zu unterscheiden. Nicht mehr jedes Lächeln wird darum freudig erwidert. Das reifere Kind wechselt vom blinden Vertrauen zu einem gesunden Misstrauen gegenüber Neuem."

Dieses Misstrauen ist zugleich eine pfiffige Kindersicherung der Natur. Denn die neu erwachten Ängste sorgen dafür, dass das Baby stets in der Nähe von vertrauten Menschen bleibt. Eine Bezugsperson, oft ist es die Mutter, fungiert dabei als sicherer Hafen.

Diese Rettungsinsel darf anfangs nie ganz außer Sichtweite sein. Das kann dich als Mama oder Papa ganz schön fordern, schützt dein gerade mobil gewordenes Baby aber vor Situationen, denen es allein nicht gewachsen ist.

Kinder fremdeln unterschiedlich

Nahezu jedes Kind macht eine Phase des Fremdelns durch. Unterschiedlich ist nur die Art und Weise sowie die Intensität, mit der gefremdelt wird. Einige überwinden die Angst vor fremden Personen und neuen Situation recht schnell, andere sind über Jahre hinweg vorsichtig bei allem, was neu ist.

Oft hängt die Aufgeschlossenheit des Kindes auch mit seiner aktuellen Befindlichkeit und seinen Erfahrungen zusammen. Abhängig ist das Fremdeln zum Beispiel auch davon, wie sich die fremden Personen dem Kind nähern (zu laut, zu schnell, zu aufdringlich?) und wie du als Bindungsperson mit den unbekannten Menschen umgehst. Kinder von kontaktfreudigen Müttern fremdeln daher oft weniger als Kinder, deren Mütter selbst eher zurückhaltend sind.

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Wie sollten Eltern aufs Fremdeln ihres Babys reagieren?

Oft ist Eltern das abweisende oder klammernde Verhalten ihres Kindes gegenüber den "fremden" Personen unangenehm. Lies hier, wie du am besten mit dem Fremdeln deines Kindes umgehst.

Die erste Regel: kein Zwang!

Kein Zwang und volle Rückendeckung, das empfiehlt Psychologin Sybille Weber: "Mache dich zum starken Anwalt deines Babys. Verteidige seine Ängste vorbehaltlos." Zwinge es also nicht, mal ein bisschen freundlicher zu sein oder der Oma nun endlich die Hand, oder schlimmer noch, einen Kuss zu geben. Gib dein Kind auch nicht in die Arme einer anderen Person, wenn es das nicht möchte.

Im schlimmsten Fall verliert dein Kind bei solchen Aktionen das Vertrauen in dich als sicheren Hafen. Es versteht sich von selbst, dass du die Angst deines Kindes aus demselben Grund auch nicht ins Lächerliche ziehst, herunterspielst oder bestrafst. Nimm es in seiner Angst ernst.

Lasse deinem Kind einfach Zeit, von sich aus Kontakt zu den unbekannten Personen aufzunehmen. In "brenzligen" Situationen, das heißt. wenn sich dein Kind beispielsweise versteift und augenscheinlich nicht weiß, wie es reagieren soll, dann "rette" es, indem du es auf den Arm oder an die Hand nimmst. Natürlich kann auch ein behutsames Erklären, wer die neue Person ist, nicht schaden.

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Kläre über das Fremdeln auf

Damit sich die "abgewiesene" Person nicht vor den Kopf gestoßen fühlt, kläre sie ruhig über die völlig normale Reaktion deines Kindes auf. Diese hat weder etwas mit Antipathie, noch mit einem unsozialen oder gar bösartigen Wesen zu tun. Wenn dein Gegenüber selbst Kinder hat, wird er/sie das auf jeden Fall verstehen und das Verhalten aus eigener Erfahrung kennen.

Bitte fremde Personen um Geduld und ruhig auch darum, eine gewisse Distanz zu deinem Kind zu wahren. Bei vorsichtigem, freundlichem Annähern ohne Druck und Zwang fallen die Abwehrreaktionen deiner kleinen Klette dann vielleicht geringer aus.

Ganz ohne Schuldgefühle dürfen Mütter auch die Enttäuschung von abgemeldeten Großeltern oder Vätern hinnehmen. Vertröste alle, die sich kurzfristig vom Fremdelkind zurückgewiesen fühlen: Es kommen bald wieder andere Zeiten.

Geduld haben und die Fremdel-Phase aussitzen

Gegen das Fremdeln kann man nichts machen. Früher oder später geht die Phase von allein vorüber, da muss man als Eltern(teil) eben durch. Übrigens, die Angst vieler Mütter, das Baby würde durch zu viel Schutz unselbstständig werden, hält Weber für unbegründet. „Jedes Kind darf im ersten Lebensjahr unbegrenzt mit Liebe und Vertrauen versorgt werden. Die Sicherheit, die es dadurch erfährt, lässt das Kind später umso selbstbewusster und eigenständiger werden“, erklärt die Psychologin.

Wann, wie lange und wie stark das Fremdeln beim Kind ausfällt, kann keiner vorhersagen. Aber eines Tages ist es bei jedem Kind so weit. Dennoch ist die Übergangsphase vom fröhlichen Wonneproppen zum verschreckten Angsthäschen nicht leicht. Im Dauereinsatz als Beschützerin muss Mama bzw. Papa geben, geben, geben.

Doch dein Engagement wird reichlich belohnt. Das reifere Kind schenkt seiner Mutter bzw. seinem Vater jetzt etwas Wunderbares: ein ganz bewusstes, gezieltes Lächeln, tiefe Zuneigung und absolutes Vertrauen – und das exklusiv. Freue dich über dieses Kompliment. Sei ruhig stolz darauf, der oder die "Auserwählte" deines Kindes zu sein!

Das sagt :

Meine persönliche Erfahrung:

Mein Sohn hatte nie eine ausgeprägte Fremdel-Phase: Oma, Opa und vor allem sein heißgeliebter Papa standen immer hoch im Kurs. Fremden gegenüber hat er – zum Glück – ein gesundes Misstrauen, fängt aber nicht an zu schreien oder zu klammern, sondern ist einfach sehr zögerlich und zurückhaltend.

Auch heute noch, mit fast zweieinhalb Jahren, bewegt er sich aber nicht allzu weit von uns weg: Mama und Papa müssen immer in Sichtweite sein oder – besser noch – nur ein paar Meter entfernt sein. Aber wir merken: Langsam, aber sicher, wird sein Radius größer.

Bildquelle: RyanJLane / Getty Images

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