Muttermilch spenden: Der Bedarf ist groß

Immer mehr wünschen sich gespendete Muttermilch, um ihre Babys zu füttern. Wo kann man spenden und gibt es genügend Angebote?


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Dass Muttermilch ein kleines Wundermittel ist, haben genügend Studien beschrieben. Nichts ist besser für die Versorgung von Säuglingen und so wird geraten, das Kind bis zum sechsten Monat zu stillen. Aber was passiert, wenn das Baby zu früh geboren oder es krank wird? Wenn die eigene Mutter aus Krankheitsgründen nicht stillen kann oder einfach zu wenig Milch produziert? Diese Mütter würden gern ihre Kinder mit gespendeter Frauenmilch füttern, andere Frauen würden wiederum ihre eigene Muttermilch spenden, aber das ist in Deutschland gar nicht so leicht, wenn man offizielle Wege gehen möchte.

Muttermilch spenden

Muttermilch spenden, um Frühchen und Eltern zu helfen.


© Getty Images


Das liegt zum einen daran, dass es gar nicht so viele Muttermilchbanken in Deutschland gibt und schon der Bedarf für alle Frühchen nicht abgedeckt werden kann. Denn es herrscht in der Medizin mittlerweile ein Umdenken. Neuere Studien haben nämlich bewiesen, wie viel besser diese gespendete Muttermilch für das zu früh geborene Baby ist als künstliche Säuglingsnahrung. Besonders für den Magen-Darm-Trakt - bei Frühchen ist die Gefahr, an nekrotisierende Enterokolitis zu erkranken, ein Infekt, der Darmzellen abtötet und das Kind in Gefahr bringt. Muttermilch fungiert hier als Schutz für die Magen- und Darmwände, etwas, das andere Säuglingsnahrung nicht so gut schafft. Über 9000 Frühchen werden jedes Jahr geboren - 20 Muttermilchbanken gibt es in Deutschland (Stand Oktober 2018). Da kann die Rechnung nicht aufgehen.

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Vor allem, weil die Verteilung dieser Banken so unterschiedlich ist. Frühchen in Ostdeutschland haben Glück, denn es gibt dort 14 Muttermilchbanken. Das liegt auch daran, dass in der DDR darauf geachtet wurde, dass überschüssige Muttermilch gesammelt wird. Schon am Anfang des 20. Jahrhunderts haben über 200 Ammen ein Säuglingsheim in Dresden versorgt. Dabei hat es in der Geschichte eigentlich immer Ammen gegeben, die Babys mit ihrer Milch versorgt haben. Im 21. Jahrhundert wird der Zugriff auf diese "neuen Ammen" erschwert - in Nordrhein-Westfalen gibt es zum Beispiel mit Dortmund nur eine Station, die Muttermilch sammelt.

Warum gibt so wenige Muttermilchbanken?

Das liegt zum einen an den Kosten - jede Milch, die Frauen spenden, wird mikrobiologisch untersucht. Die Spenderin muss sich vorher einem Bluttest unterziehen und dann wird ihre Muttermilch auf schädliche Keime und Viren untersucht, denn diese könnten sich auf das Kind übertragen. Das war auch ein Grund, warum in den 80er Jahren, diese Banken aus Furcht vor HIV geschlossen wurden. Aber auf der anderen Seite kann man die Kosten gut damit gegenrechnen, wie viel das Gesundheitssystem dafür ausgeben würde, um einen Säugling, der an nekrotisierende Enterokolitis erkrankt ist, zu pflegen und wieder gesund zu bekommen. Es muss sich noch viel tun - Niedersachsen schreitet voran und will neben Vechta bald noch in Wolfsburg und Hannover Muttermilchbanken ins Leben rufen.

Wer kann Muttermilch spenden?

Frauen, die anderen Müttern und ihren Kindern etwas Gutes tun wollen, können sich bei den entsprechenden Kliniken melden. Neben der Blutuntersuchung müssen sie sich verpflichten, nicht zu rauchen, Alkohol zu trinken oder andere Suchtmittel zu nehmen. Jede Bank behandelt die Spenderin anders, bei der Berliner Charité gibt man zum Beispiel den Frauen Pumpe und Fläschchen mit, die gefüllten, tiefgefrorenen Flaschen werden dann bei ihnen daheim von der Klinik wieder abgeholt. Für die Frühchen eignet sich allerdings nur die Milch der ersten vier Monate, da nur sie die wichtigen Nährstoffe hat, die das Baby in dieser Anfangszeit braucht.

Wo kann man Muttermilch spenden?

Die European Milk Bank Association (EMBA) aktualisiert auf seiner Webseite   die Adressen, Telefonnummern und Ansprechpartner der entsprechenden Muttermilchbanken in Deutschland. Dort kann man sich dann über das Prozedere informieren, wenn man spenden möchte, aber auch, wenn man die Muttermilch kaufen möchte. Einige Kliniken bieten eine geringe Aufwandsentschädigung für die gespendete Muttermilch.

Private Tauschbörsen

Angesichts des eklatanten Missverhältnisses von Angebot und Nachfrage verwundert es nicht, dass der Onlinehandel mit Muttermilch zunimmt und Tauschbörsen wie Human Milk for Human Babies (HM4HB) auf Facebook immer stärkeren Zugang haben. Der Berufsverband der Kinder - und Jugendärzte warnt davor, denn bei dieser privat gehandelten Muttermilch kann man nicht darauf bauen, gesunde Milch zu bekommen, denn es gibt keine Gesundheitskontrolle. Vor allem vor im Internet gekaufter Muttermilch wird gewarnt, denn nur mit einem fachgerechten Transport und entsprechenden Kontrollen könne die Qualität der Muttermilch garantiert werden.

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Bessere Spendenmöglichkeiten

Damit Eltern eine Garantie haben, dass sie ihren Babys gesunde Milch geben, müssen Kontrollen existieren- und mehr Muttermilchbanken. Es muss zudem mehr Aufklärungsarbeit geschehen, damit dringend benötigte Muttermilch nicht mehr weggeschüttet werden muss. In Großbritannien gibt es eine Wohltätigkeitsorganisation, die sich Human Milk Foundation nennt. Sie möchte, dass immer mehr Eltern, die ihre Kinder mit Frauenmilch versorgen möchten, eine vertrauenswürdige Quelle haben. Die Vision ist es, wie bei der Blutspende mehr Möglichkeiten zu bieten, Muttermilch zu spenden und sie dann besser über das Land zu verteilen.

Deutschland würde so etwas auch gut zu Gesicht stehen. Niedersachsen, mit der Planung von mehr Milchbanken, geht schon einmal einen Schritt in die richtige Richtung. Andere westliche Bundesländer sollten folgen und Gelder für die Banken zur Verfügung stellen. Frauen muss es so leicht wie möglich gemacht werden, Muttermilch zu spenden. Mit besserer Infrastruktur kann man dann mehr Willige erreichen und wesentlich mehr Bedürftige glücklich machen. Es ist noch ein weiter Weg, aber er lohnt sich.





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