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Safer Sex!

Coitus interruptus: Warum Sex mit Rausziehen keine sichere Verhütung ist

Coitus Interruptus
© Imago-images/Westend61

Es gibt viele Möglichkeiten, beim Sex zu verhüten – vom Kondom über die Spirale bis hin zur Pille. Die Vor- und Nachteile dieser Methoden sind ganz unterschiedlich. Manche versuchen es auf eine eher unsichere Art und Weise: dem sogenannten Coitus interruptus. Was du beim Sex mit Rausziehen beachten solltest und weshalb das wirklich keinen sicheren Schutz vor einer Schwangerschaft bietet.

Coitus interruptus – was bedeutet das?

Coitus interruptus (lat. für "unterbrochener Geschlechtsverkehr")  bedeutet, dass der Mann vor dem Samenerguss den Penis aus der Vagina zieht. So "kommt" der Mann außerhalb des weiblichen Körpers und die Spermien können nicht innerhalb der Vagina zur Eizelle vordringen. So soll eine Schwangerschaft verhindert werden.

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Umgangssprachlich ist dieses Vorgehen auch als "Sex mit Rausziehen" bekannt. Bereits in alten religiösen Schriften wie Bibel und Koran wird der Coitus interruptus erwähnt und ist damit als Verhütungsmaßnahme sehr alt. Doch ist dies auch wirklich sicher und zu empfehlen?

Pearl Index 4-18: Der Coitus interruptus ist nicht sicher

Der Pearl-Index gibt an, wie viele von 100 Frauen durch die jeweilige Verhütungsmethode innerhalb eines Jahres schwanger wurden. Je niedriger der Wert ist, desto seltener kam es durch diesen Verhütungsweg zur Schwangerschaft.

Laut Berechnungen der WHO sind die Unterschiede der einzelnen Verhütungswege eindeutig. Hier seht ihr einmal den Pearl-Index zur Verhütungssicherheit auf Basis von Daten der WHO in der Gegenüberstellung. Der Coitus interruptus hat einen sehr hohen Wert:

  • Pearl-Index bei einer hormonellen Verhütung: zw. 0,1 und 0,7, also sehr sicher
  • Pearl-Index bei Verhütung mit Kondom: zw. 2 und 13, sicher
  • Pearl-Index beim Coitus interruptus: zw. 4 und 20, weniger sicher

Das bedeutet: Von 100 Frauen wurden laut dieser Berechnung zwischen 4 und 20 Frauen trotz dieser Verhütung mit dem Coitus interruptus schwanger. Daher ist Rausziehen keine wirkliche Verhütungsmethode.

Du beschäftigst dich das erste Mal mit Verhütungsmethoden? Im Video geben wir dir einen Überblick zu den sichersten Wegen und unterschiedlichen Möglichkeiten:

Pille, Spirale & Co.: Das sind die sichersten Verhütungsmittel Abonniere uns
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Warum ist der Coitus interruptus keine sichere Verhütung?

Wer glaubt, dass er durch Coitus interruptus bzw. Sex mit Rausziehen Schwangerschaften verhüten könne, der irrt. Denn es gibt einen Faktor, der diese Verhütungsmethode beeinflusst: Den sogenannten Lusttropfen.

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Der Lusttropfen

Nicht immer wird beim Sex auch daran gedacht: Kurz vor dem eigentlichen Samenerguss des Mannes stößt der Körper das "Prä-Ejakulat", den Lusttropfen aus. Diese klare Flüssigkeit von bis zu vier Millilitern wird in der Bulbourethraldrüse (auch Cowper-Drüse) produziert. Der Lusttropfen hat nicht nur die Funktion der Reinigung der Harnröhre, sondern wird vom Körper auch als eine Art Gleitmittel produziert. Wie viele Spermien dieser Lusttropfen überhaupt enthält, kann nicht eindeutig gesagt werden. Doch es reichen schon wenige Spermien aus für eine mögliche Schwangerschaft und es kann definitiv nicht ausgeschlossen werden.

Wer eine sehr zuverlässige Verhütungsmethode wählen möchte, sollte sich für eine hormonelle Variante oder das Kondom entscheiden. Denn alle sexuell aktiven Menschen wissen, dass es für den Mann nicht ganz einfach ist, sich so zu beherrschen, den Penis rechtzeitig herauszuziehen. Diese Variante ist einfach sehr unsicher und birgt eine gute Selbstkenntnis und Beherrschung. Doch beim Sex geht es ja genau darum, sich fallen zu lassen. Auf dem Höhepunkt der Lust sind rationale Gedanken eher ausgeschaltet und keiner kann garantieren, dass beide Partner rechtzeitig daran denken.

Es ist sehr unsicher für eine Frau, wenn sie nicht weiß, ob er rechtzeitig aufpasst und sie immer damit rechnen muss, dass doch bereits etwas Sperma ausgetreten ist. Gerade wenn ihr noch jung seid und sexuell unerfahren, ist das Risiko einer ungeplanten Schwangerschaft zu hoch.

Für wen diese Methode geeignet sein kann

Wenn du in einer festen Beziehung bist und sogar schon über die Kinderplanung gesprochen hast, dann kann der Coitus interruptus eher eine Möglichkeit sein. Weil es dann keine schwierige Situation wäre, wenn du doch plötzlich schwanger wirst. Aber sprich mit deinem Partner auf jeden Fall über diese Konsequenz. Vor allem dann, wenn für dich eine sichere hormonelle Verhütung nicht in Frage kommt.

Eine Frau ist nur wenige Tage im Zyklus fruchtbar. Wenn du also deinen Eisprung ermittelst, kannst du durch natürliche Familienplanung bzw. Messung der Basaltemperatur ähnlich gut verhüten. Dafür solltest du deinen Zyklus und Körper allerdings sehr genau kennen und es muss dir bewusst sein, dass du jederzeit trotzdem schwanger werden könntest.

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Der große Nachteil von Coitus interruptus

Wer den Coitus interruptus als Verhütungsmethode sieht und denkt, dass er daher kein Kondom benutzen muss, begeht einen großen Fehler: Er schützt sich nicht vor Geschlechtskrankheiten.

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Egal ob ihr euer erstes Mal Sex habt oder schon erfahrener seid: Sexuell übertragbare Infektionen sind keine Seltenheit. Nur weil darüber kaum jemand spricht, heißt es nicht, dass die Zahlen sexueller Infektionen nicht weiterhin hoch sind. Chlamydien, Herpes, Tripper, Syphilis und HIV sind weiterhin auf dem Vormarsch. Die Folgen reichen von unangenehmem Jucken, Hautbeschwerden und Schmerzen bis zu lebensbedrohlichen Auswirkungen, wenn sie nicht rechtzeitig behandelt werden.

Safer Sex sollte immer deine Prämisse sein, vor allem dann, wenn du Sex mit Partnern oder Partnerinnen hast, die du nicht genau oder erst ganz neu kennst. Denn es geht immer um eurer beide Sicherheit. Das heißt: Nehmt ein Kondom, es gibt auch latexfreie Präservative für alle, die dagegen allergisch sind. Übrigens gilt das auch für Oralsex, denn auch durch Sex mit dem Mund bzw. der Zunge übertragen sich Infektionen. Weitere Details dazu könnt ihr hier nachlesen:

Quellen: Robert-Koch-Institut, Bundesgesundheitsblatt 09/2017, WHO Key Facts Family planning/contraception methods

Verhütungsquiz: Wie gut kennst du dich mit Kondom, Pille, Spirale & Co. aus?

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