NFP - Familienplanung mit der symptothermalen Methode

Kinderwunsch

NFP - Familienplanung mit der symptothermalen Methode

Sex in den fruchtbaren Tagen erhöht die Chance, dass es endlich klappt mit dem schwanger werden. Aber auch für Frauen, die auf hormonelle Verhütung verzichten wollen, ist die symptothermale Methode (NFP) geeignet. Wir geben einen kurzen Überblick, wie das Ganze funktioniert.

Viele Frauen, die hormonell verhüten, sehen sich im Laufe ihres Lebens auch mit den Nachteilen einer solchen Verhütungsform konfrontiert. Die Probleme reichen von einer nachlassenden Libido über Migräne oder Kopfschmerzen bis hin zu Depressionen. Auch das erhöhte Risiko für Thrombose oder Brustkrebs bewegen viele Frauen dazu, die hormonelle Verhütung zu hinterfragen und nach alternativen Methoden zu suchen. Haben Sie sich je gefragt, wie Frauen vor Erfindung des Latexkondoms und der Antibabypille verhütet haben?

Die sicherste Methode der Empfängnisverhütung ist im Grunde, nur an den bestimmten Tagen im Zyklus Geschlechtsverkehr zu haben, in denen der weibliche Körper ohnehin unfruchtbar ist. Nach diesen Kriterien arbeitet die symptothermale Methode, auch Natürliche Familienplanung (NFP) genannt. Denn mit dieser Methode können bei Kinderwunsch durch die Beobachtung des eigenen Körpers auch umgekehrt die besonders günstigen Tage für eine Schwangerschaft bestimmt werden. Doch wie lassen sich die unfruchtbaren und fruchtbaren Tage im Zyklus herausfinden? Und wie verlässlich ist diese Methode? Dieser Artikel soll einen ausführlichen Überblick über die Funktionsweise und Anwendung der symptothermalen Methode geben. Um diese vollständig zu erlernen und sicher anzuwenden, empfiehlt familie.de die entsprechende Fachliteratur mit ausführlichen Trainingsaufgaben und Beispiele.

Verhütung durch Auswertung des Zyklus

Die symptothermale Methode basiert auf den im Laufe des weiblichen Zyklus auftretenden körperlichen Symptome und deren Einschätzung, Auswertung und korrekten Deutung. Im Pearl-Index hat diese Verhütungsmethode einen Wert von 0,4. Das bedeutet: Von 100 Frauen, die mit dieser Methode ein Jahr lang verhüten, werden 0,4 Frauen schwanger. Die Methode gilt daher bei richtiger und konsequenter Anwendung als sicher und kann es durchaus mit der Pille aufnehmen. Um mit der symptothermalen Methode ein hohes Maß an Sicherheit zu erreichen werden zwei bekannte Verhütungsmethoden, die Temperaturmethode (Basaltemperaturmethode) und die Zervixschleimmethode, auch Billings-Methode genannt, miteinander kombiniert. Als Alternative zur Zervixschleim-Beobachtung kann auch der Zustand des Muttermundes während des Zyklus betrachtet und als Faktor herangezogen werden. Alle Beobachtungen werden dann in ein Zyklusblatt eingetragen, eine Art persönliches Tagebuch der eigenen Fruchtbarkeit.

Der Eisprung und seine körperlichen Anzeichen

Der Eisprung und seine vorhergehende Phase gelten im weiblichen Zyklus als fruchtbar. Mit der täglichen Temperaturmessung, die zum Eisprung hin ansteigt und danach konstant 0,2° bis 0,5°C höher liegt als zuvor, können Sie seinen Zeitpunkt gut bestimmen. Zusätzlich wird bei der symptothermalen Methode die tägliche Qualität des Zervixschleims beobachtet und mit der Temperaturmessung zu einem Ergebnis kombiniert. Dieser Schleim wird im Gebärmutterhals gebildet und verändert seine Beschaffenheit während des Zyklus. Während der fruchtbaren Phase wird er dünnflüssig, durchlässig und trägt als basische Substanz bei der Befruchtung dazu bei, die Spermien vor dem sauren Scheidenklima zu schützen. Während der unfruchtbaren Phase des Zyklus jedoch wird der Schleim zähflüssig und verschließt den Muttermund zuverlässig.

Zervixschleim: Das Sekret beobachten

Der Zervixschleim verändert sich während des weiblichen Zyklus‘ von dünnflüssig bis zäh. Wer ihn Tag für Tag genau beobachtet, bekommt hilfreiche Hinweise auf die fruchtbaren Tage. Wir erklären, wie Sie den Zervixschleim richtig beobachten und deuten.

Was ist der Zervixschleim?

Der Zervixschleim zeigt sich an einigen Tagen Ihres Zyklus in Ihrem Slip: Mal ist es ein kleiner eingetrockneter Fleck, der kaum zu sehen ist, mal ist es ein feuchter, leicht schleimiger Ausfluss. Für die ein oder andere mag das leicht befremdlich klingen. Aber: Der Zervixschleim ist etwas völlig Natürliches und zudem noch äußerst hilfreich, wenn Sie wissen wollen, wann Sie am leichtesten schwanger werden können.

Die wichtigen Funktionen des Zervixschleims

Der Zervixschleim hat die Aufgabe in Form eines Schleimpfropfens den Gebärmutterhals zu verschließen und ihn vor Krankheitserregern und – in der unfruchtbaren Zyklusphase – vor Spermien zu schützen. Wenn sich im Lauf des Zyklus‘ der Östrogenspiegel ändert, ändert sich damit auch die Beschaffenheit des Zervixschleims. In der nicht fruchtbaren Phase hält er die Spermien vor dem Eindringen in die Gebärmutter ab, da ist er zäh und fest. In den Tagen vor dem Eisprung wird der Schleim dünnflüssiger, die Menge nimmt zu, jetzt können die Spermien schneller vorankommen. Ganz nebenbei schützt der alkalische Schleim die empfindlichen Spermien vor dem sauren Milieu in der Scheide. Der Zervixschleim zeigt also nicht nur an, wann Sie am fruchtbarsten sind – sondern er sorgt auch für optimale Bedingungen für die Befruchtung der Eizelle.

Das australische Ärzte-Paar Evelyn und John Billings hat in den 1950er Jahren die Beschaffenheit des Zervixschleims erstmals wissenschaftlich untersucht. Seither heißt diese natürlich Methode der Familienplanung und Verhütung "Billings-Methode".
Wer regelmäßig den Zervixschleim beobachtet, wird schnell sehen, wie er sich verändert und bekommt damit wertvolle Hinweise auf die fruchtbaren Tage.

Entnahme des Zervixschleims

Der Zervixschleim lässt sich bei den meisten Frauen problemlos mit dem Finger am Scheideneingang abnehmen. Dazu wischt man mit dem Finger über den Scheideneingang. In manchen Fällen und an einigen Tagen im Zyklus kann es vorkommen, dass der Schleim sich eher direkt am Muttermund abnehmen lässt. Wenn äußerlich kein Schleim zu finden ist: Mit leicht geöffneten Beinen in die Hocke gehen und den Zeigefinger einführen. Der Muttermund liegt einige Zentimeter vom Eingang der Scheide entfernt und lässt sich als kleine Halbkugel tasten. Durch leichten Druck lässt sich der Zervixschleim am besten entnehmen. Am Anfang kostet das vielleicht ein bisschen Überwindung, aber nach ein paar Tagen wird die Beobachtung des Zervixschleims zu etwas ganz Alltäglichem.

Den Zervixschleim richtig deuten

Direkt nach der Menstruation, also zu Beginn des Zyklus, fühlt sich die Scheide oft eher trocken oder nur leicht feucht an, es ist noch so gut wie kein Schleim festzustellen. Wenn Schleim zu finden ist, ist er zähflüssig und eher cremefarben.
Zur Mitte des Zyklus hin, verändert sich der Zervixschleim, der vom Muttermund in Richtung Scheideneingang wandert. Er wird von trüb, klumpig und zähflüssig zu glasig, wässrig und elastisch, ähnlich rohem Eiweiß.
Um den Eisprung herum wird der Schleim immer durchsichtiger, elastischer und flüssiger, er wird Fäden ziehen, wenn die zwei Finger auseinander gehen. Jetzt steigt auch die Schleimmenge deutlich an. Manche Frauen fühlen sich richtig feucht.

Um die Qualität zu bestimmen, sollte er zwischen zwei Fingern gefühlt, angeschaut und die Konsistenz untersucht werden. Zur verlässlichen Kategorisierung der Schleimqualität ist das Vergeben von Symbolen für die jeweilige Qualität sinnvoll.

Verhütung oder Kinderwunsch?

Für die richtige Einschätzung des eigenen Zyklus ist es wichtig, den Schleim täglich zu kontrollieren, zu bestimmen, auszuwerten und die Ergebnisse dann auf einem Zyklusblatt zu notieren. Mit diesen Symbolen können Sie die Beschaffenheit des Schleims eindeutig festhalten:

t = trocken
ø = kaum sichtbarer Schleim (zu Beginn des Zyklus)
f = feucht (bei fortschreitendem Zyklus)
S für dicklichen, weißen und zähflüssigen Schleim
S+ für nassen, elastischen, eiweißartigen Schleim (um den Eisprung herum)

Das t oder ø stehen dabei für die "schlechte" Schleimqualität und damit eher für unfruchtbare Phasen, das S oder S+ stehen für "gute" Schleimqualität in der fruchtbaren Phase. Für Frauen mit Kinderwunsch sind daher die Phasen von f bis S+ interessant. Frauen, die mit dieser Methode verhüten wollen, sollten hier auf Sex verzichten oder anders verhüten, beziehungsweise auf die Phasen mit t oder ø warten.

➤➤Weiterlesen:Wie Sie Ihre persönliche Zervixschleimbeobachtung richtig auswerten und wie sie sich mit der Temperaturmessmethode optimal kombinieren lässt.

NFP - Regeln zur Auswertung

Fruchtbare Tage oder unfruchtbar? Die wichtigsten NFP-Regeln im Überblick...

Bestimmung der unfruchtbaren Zeit nach dem Eisprung

Nach Kombination der Auswertungen des individuellen Zervixschleimmusters und der Basaltemperaturmessung beginnt die unfruchtbare Zeit nach dem Eisprung entweder am Abend des dritten Tages nach dem Schleimhöhepunkt, oder am Abend des Tages mit der dritten höheren Temperaturmessung. Je nachdem, welches der beiden Ereignisse später Eintritt. Ein Beispiel: Der Höhepunkt des Schleimsymptoms ist am 14. Zyklustag, die erste höhere Temperaturmessung am 13. Zyklustag. Die unfruchtbare Zeit nach dem Eisprung beginnt damit am Abend des 17. Zyklustages.

Bestimmung der unfruchtbaren Zeit am Anfang des Zyklus

Die unfruchtbare Zeit während und nach der Menstruation, also am Anfang des Zyklus, ist etwas schwieriger einzugrenzen, als die unfruchtbare Zeit nach dem Eisprung. Diese lässt sich nur bestimmen, wenn bereits im vorangegangenen Zyklus eine aussagekräftige Temperaturmessung durchgeführt wurde. Dann lässt sich die wieder einsetzende Fruchtbarkeit mithilfe des Zervixschleimmusters in doppelter Kontrolle mit der sogenannten Fünf-Tage-Regel bestimmen.

Fünf-Tage-Regel

Die ersten fünf Tage des angefangenen Zyklus können als unfruchtbar angenommen werden. Zeigt sich allerdings während dieser Zeit ein Höhepunkt des Schleimsymptoms, ist die unfruchtbare Phase beendet.

Minus-Acht-Regel

Liegen bereits zwölf ausgewertete Zyklen vor, kann zur Bestimmung der unfruchtbaren Zeit die sogenannte Minus-Acht-Regel angewendet werden. Der letzte unfruchtbare Tag am Zyklusanfang ist der Tag der ersten höheren Messung aus den vorangegangen Zyklen minus acht Tage. Erfolgte der erste höhere Messwert in allen vorangegangenen zwölf Zyklen beispielsweise am 15.Tag des Zyklus, kann mit der Minus-Acht-Regel die Rechnung 15-8= 7 aufgestellt werde. Der siebte Tag vom Beginn des Zyklus an ist also der letzte unfruchtbare Tag. Auch hier erfolgt allerdings die doppelte Kontrolle mit dem Zervixschleim-Muster. Tritt der Höhepunkt des Schleimsymptoms früher ein, beendet dieser die unfruchtbare Phase.
Auch bei der Bestimmung der unfruchtbaren Zeit in der ersten Hälfte des Zyklus gibt es eine wichtige Ausnahme:
Sollte die erste höhere Basaltemperaturmessung während der ersten zwölf gemessenen Zyklen einmal auf den 12. Zyklustag oder früher gefallen sein, darf nicht mehr die Fünf-Tage-Regel , sondern ab diesem Zeitpunkt nur noch die Minus-Acht-Regel angewendet werden. Für weitere Sonderregeln empfiehlt sich ein Blick in die Standardliteratur, die auch entsprechende Trainingsbeispiele enthält.

Temperatur und Zervixschleim: Auswertung

Wie werden Temperatur und Zervixschleim kombiniert? Wir erklären die Zusammenhänge!

Auswertung der Schleimbeobachtung

Wichtig für die Auswertung ist der sogenannte Schleimhöhepunkt. Egal ob Sie verhüten möchten oder Ihren Kinderwunsch wahr werden lassen möchten: Der Schleimhöhepunkt ist dabei die jeweils bestimmende Phase für beide Absichten. Dieser Höhepunkt tritt ein, wenn die Qualität des Zervixschleims am höchsten ist (S oder S+) und sich danach an drei aufeinanderfolgenden Tagen verschlechtert (S, f, t oder ø). Dieser Umschwung lässt sowohl auf den Zeitpunkt des Eisprungs schließen, nämlich die Tage mit der besten Schleimqualität vor der Verschlechterung, als auch auf die darauffolgende unfruchtbare Zeit, die am Abend des dritten Tages mit abnehmender Schleimqualität eintritt. Der Schleimhöhepunkt liegt kurz vor der Verschlechterung der Schleimqualität. Der Eisprung findet in der Zeitspanne zwei Tage vor dem Schleimhöhepunkt bis zwei Tage danach statt.

Um die Verlässlichkeit der Methode sicher zu stellen, werden nun die Erkenntnisse aus der Schleimbeobachtung mit den Ergebnissen der Basaltemperaturmethode kombiniert.

Temperaturmessung und Auswertung

Die morgendliche Basaltemperatur hat im Laufe eines Zyklus zwei unterschiedliche Niveaus. Vor dem Eisprung liegt die Körpertemperatur etwas niedriger, um den Eisprung herum steigt sie um ein paar Zehntelgrad an und bleibt dann in der zweiten Phase des Zyklus auch höher. Am besten geeignet sind digitale Fieberthermometer mit zwei Nachkommastellen, das erleichtert die korrekte Auf- oder Abrundung der Werte nach dem üblichen Verfahren (Aufrundung der ersten Nachkommastelle von zweiter Nachkommastelle 5-9, Abrundung von 0-4). Gemessen werden sollte direkt nach dem Aufwachen, oder zumindest nach Ruhephasen, in denen sich der Kreislauf entsprechend stabilisieren konnte. Innerhalb eines Zyklus sollte immer in etwa zum gleichen Zeitpunkt und an der gleichen Stelle, das heißt entweder rektal, vaginal oder oral gemessen werden. Die gemessenen Werte werden dann auf ein halbes Zehntel genau auf- oder abgerundet, als Punkte ins Zyklusblatt eingetragen und als Linie miteinander verbunden. Es gibt verschiedene Faktoren, die die Messung stören oder beeinflussen können. Beispielsweise Umgebungswechsel, Krankheit, psychische Belastungen wie Stress, spätes Zubettgehen oder Alkoholgenuss. Alle diese Störungen beeinflussen den Kurvenverlauf und sollten ebenfalls im Zyklusblatt vermerkt werden. Der ausschlaggebende Temperaturanstieg zum Eisprung hin hat dann stattgefunden, wenn sich in der Kurve drei aufeinanderfolgende Werte finden, die höher sind als die sechs vorangegangenen. Die dritte höhere Messung muss dabei mindestens 0,2 Zehntelgrad höher sein, als der höchste der sechs vorangegangenen niedrigen Temperaturwerte.
Tagtäglich wird also der gemessene Wert mit den jeweils sechs vorangegangenen Werten verglichen. "Gestörte" Temperaturwerte werden in der Beobachtung ausgeklammert. Taucht das erste Mal ein höherer Messwert auf, wird eine waagerechte Kontrolllinie durch den höchsten der sechs vorangegangenen niedrigen Werte gezogen. Auch die Temperaturen der beiden darauffolgenden Tage sollten über dieser Kontrolllinie liegen. Ist die ausschlaggebende Bedingung für die dritte höhere Messung erfüllt (0,2 Zehntel höher als der höchste niedrige Wert), ist damit die Temperaturauswertung abgeschlossen.

Wie verlässlich ist die Billings-Methode als Verhütungsmethode?

Der Pearl-Index der Billings-Methode liegt bei 5, damit ist sie eine unsichere Methode. In Kombination mit der Temperatur-Methode wird sich jedoch zu einer guten und sicheren Methode, um eine ungewollte Schwangerschaft zu verhindern.

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