Blastozystentransfer: Welche Vorteile hat diese IVF-Methode?

Künstliche Befruchtung

Blastozystentransfer: Welche Vorteile hat diese IVF-Methode?

Wenn Frauen mit Kinderwunsch sich für künstliche Befruchtung entschieden haben, gibt es unterschiedliche Zeitpunkte, zu denen die erfolgreich befruchtete Eizelle wieder eingepflanzt werden kann. Blastozystentransfer oder Embryonentransfer – was sind die Unterschiede?

Wie soll deine künstliche Befruchtung ablaufen: per Blastozystentransfer oder Embryonentransfer? Der Unterschied besteht in der Anzahl der Tage, die seit der erfolgreichen Befruchtung verstrichen sind. Beim Blastozytentransfer verbleiben die Embryonen noch zwei bis drei Tage länger im Brutschrank, bevor sie der Mutter wieder eingepflanzt werden. Oft sind es die Kliniken, die die Methode vorgeben, aber möglicherweise kann man da auch ein Wörtchen mitreden. Was solltest du über die Unterschiede wissen?

Blastozystentransfer verspricht höhere Erfolgsquote bei IVF. Hier eine Blastozyste im Querschnitt.

Blastozystentransfer: Weiterentwicklung des Embryonentransfers

Bei der In-Vitro-Befruchtung werden die Eierstöcke der Frau medikamentös angeregt, mehr Eizellen zu produzieren. Diese werden dann entnommen und im Reagenzglas mit dem Sperma des Mannes zusammengebracht – daher der Name In-Vitro-Fertilisation (IVF). Gelingt die Befruchtung, geht‘s weiter in den Brutschrank; meist werden gleich mehrere Eizellen befruchtet, um die Erfolgschancen zu erhöhen.

Dort wird genau beobachtet, wie sich die Embryonen entwickeln. Sieht alles gut aus, werden ein Embryo oder gleich zwei oder drei in der Gebärmutter der Frau platziert, damit von jetzt an eine normale Schwangerschaft stattfinden kann. Beim Embryonentransfer geschieht das nach zwei oder drei Entwicklungstagen.

Inzwischen gibt es jedoch auch die Möglichkeit, die Embryos noch länger außerhalb der Gebärmutter reifen zu lassen. Beim Blastozystentransfer wartet man bis zum fünften Tag, bevor man die Embryos einpflanzt.

Welche Vorteile hat der Blastozystentransfer?

Der Name Blastozyste bezeichnet ein bestimmtes Entwicklungsstadium des Embryos. Die fünf Tage entsprechen der Zeit, die es dauert, bis eine Eizelle nach einer konventionellen Befruchtung im Körper ihren Weg in die Gebärmutter zurückgelegt hat. So bildet der Blastozystentransfer den natürlich Prozess etwas genauer nach.

Wenn die im Reagenzglas gezeugten Embryonen wenige Tage länger im Labor bleiben, bietet das die Möglichkeit, ihre Entwicklung genauer zu untersuchen und die vielversprechendsten Kandidaten auszuwählen. So soll der Blastozystentransfer eine höhere Erfolgsquote versprechen.
 
Die Möglichkeit, ein Embryo auszuwählen, das am meisten Potential verspricht, eröffnet außerdem eher die Möglichkeit, nur eines einzusetzen. Beim Embryonentransfer werden vorsichtshalber oft gleich zwei oder drei verpflanzt, weil es häufiger vorkommt, dass einzelne Embryos sich nicht wie gewünscht weiterentwickeln. Allerdings kommt es deshalb bei IVF auch immer wieder zu Mehrlingsgeburten. Beim Blastozystentransfer soll die Aussicht, dass die Schwangerschaft nach Plan verläuft, höher sein.

Mehr eineiige Zwillinge und Jungs durch Blastozystentransfer

Eine südkoreanische Studie aus dem Jahr 2017 belegt, dass im Vergleich zwischen  Blastozystentransfer und Embryonentransfer die neuere Methode häufiger eineiige Zwillinge hervorbringt. Der Grund: Auch nach dem 5. Tag der Reifung, also nach der Einsetzung in die Gebärmutter, kann sich ein Embryo noch mehrere Tage lang teilen und so zu zwei Embryos werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass nach einem Blastozystentransfer Zwillinge entstehen, soll doppelt so hoch sein.

Die Forscher stellten außerdem fest, dass nach Blastozystentransfer häufiger Jungen geboren werden – die Wahrscheinlichkeit steigt demnach um zehn Prozent. Warum der Blastozystentransfer Jungs und eineiige Zwillinge begünstigt, konnten die Wissenschaftler allerdings noch nicht genau sagen.

Bildquelle: Getty Images

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