Verhütungsmethoden im Überblick

Sex & Familienplanung

Verhütungsmethoden im Überblick

Der richtige Zeitpunkt für ein (weiteres) Kind ist noch nicht gekommen oder die Familienplanung ist abgeschlossen? Dann spielt Verhütung für Sie eine große Rolle. Wir geben Ihnen hier einen Überblick über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Methoden zur Schwangerschaftsverhütung.
Hier: natürliche und mechanische Verhütungsmethoden.

Verhütungsmethoden für Frauen gibt es viele. Welche Verhütungsmethode für Sie in Frage kommt, hängt von verschiedenen Faktoren ab und sollte immer gemeinsam mit dem Frauenarzt entschieden werden. Ein wichtiger Faktor für die Wahl des richtigen Verhütungsmittels ist neben der Verträglichkeit vor allem die Sicherheit.

Der Pearl-Index

Wie sicher ein Verhütungsmittel vor einer Schwangerschaft schützt, lässt sich am Pearl-Index ablesen. Jedem Verhütungsmittel kann so ein Index-Wert zugeordnet werden. Er gibt an, wie viele Frauen durchschnittlich in einem Jahr schwanger geworden sind, obwohl sie mit dem entsprechenden Mittel verhütet haben. Das heißt: je niedriger der Pearl-Index ist, desto sicherer ist die Verhütungsmethode. Ein Beispiel: Richtig angewendet hat die Antibaby-Pille einen Pearl-Index von 0,1 - 0,9; gar nicht zu verhüten hat einen Wert von 85.
Aber: Die tatsächliche Sicherheit eines Verhütungsmittels hängt im Wesentlichen von der korrekten Anwendung ab. Der Pearl-Index ist nur ein statistischer Wert, der wichtige Einflussfaktoren, wie zum Beispiel die Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs, nicht berücksichtigt. Meistens werden für den Pearl-Index deshalb auch zwei Werte angegeben: einer, für die Sicherheit bei korrekter Anwendung und einer, für die Sicherheit bei „typischer“ Anwendung (z.B. mit Einnahmefehlern bei der Pille, die ja immer mal vorkommen können).
Im Großen und Ganzen lässt sich die Sicherheit verschiedener Verhütungsmethoden vor ungewollten Schwangerschaften anhand des Pearl-Index aber gut vergleichen. Im Folgenden stellen wir Ihnen die gängigsten Verhütungsmethoden für die Frau im Überblick vor.

Natürliche Verhütungsmethoden

Ganz ohne Hormone und Chemie verhütet frau mit den Methoden der natürlichen Familienplanung. Das heißt ganz einfach: Sex nur an den unfruchtbaren Tagen! Um Ihre fruchtbaren Tage zu bestimmten, helfen Ihnen unser Eisprungrechner und Zykluskalender. Bei der symtothermalen Methode beispielsweise werden die Temperaturmethode und die Zervixschleimmethode (Billings-Methode) kombiniert. Diese Art der natürlichen Verhütung ist die einzige Methode, die mit einem Pearl-Index von 0,4 als sehr sicher eingestuft werden kann und es so durchaus mit hormonellen Verhütungsmitteln aufnehmen kann.

Zykluscomputer zur Verhütung oder Erfüllung des Kinderwunschs

Zykluscomputer zur Verhütung oder Erfüllung des Kinderwunschs
Bilderstrecke starten (11 Bilder)

Den Coitus interruptus, also das Unterbrechen des Geschlechtsverkehrs bevor es beim Mann zum Höhepunkt kommt, ist mit einem Pearl-Index von 4 - 18 dagegen eine sehr unsichere Verhütungsmethode und nicht zu empfehlen. Ebenso die Scheidenspülung mit einem Pearl-Index von 30.

Barrieremethoden zur Verhütung

Barrieremethoden oder auch Methoden zur mechanischen Verhütung wirken, indem sie eine Barriere zwischen Eizelle und Spermium bilden, welche eine Befruchtung verhindert. Bekanntester Vertreter dieser Verhütungsmethode ist das Kondom (Pearl-Index 2 - 12). Kondome sind nicht nur die zweitbeliebteste Verhütungsmethode in Deutschland, sie sind auch das einzige Verhütungsmittel (neben dem Frauenkondom), das vor sexuell übertragebaren Krankheiten schützt. Korrekt angewendet ist das Kondom eine sehr sichere Verhütungsmethode, allerdings sollte auf die Qualität (Prüfsiegel CE), das Haltbarkeitsdatum und eine vorsichtige Handhabung geachtet werden.
Weitere mechanische Verhütungsmittel sind die Spirale, das Frauenkondom das Diaphragma, und die Portiokappe. Mehr zu diesen Verhütungsmitteln erfahren Sie in der Textgalerie. Mehr zur hormonellen Verhütung und der chemischen Verhütung mit Spermiziden lesen Sie auf den beiden nächsten Seiten.

Hormonelle Verhütung

Hormonelle Verhütungsmittel wirken auf den Zyklus der Frau. Welche hormonellen Verhütungsmittel es gibt und welche Vor- und Nachteile sie bieten, haben wir hier für Sie zusammengefasst.

So wirken hormonelle Verhütungsmittel

Hormonelle Verhütungsmittel verhindern eine Schwangerschaft, indem sie den Eisprung unterdrücken oder den Zervixschleim so verändern, dass Spermien der Weg zur Eizelle versperrt oder die Einnistung einer befruchteten Eizelle verhindert wird. Verantwortlich dafür sind künstlich erzeugte Hormone, die den körpereigenen Hormonen Östrogen und Gestagen sehr ähnlich sind.
Hormonelle Verhütungsmittel sind zwar sehr sicher, können jedoch unerwünschte Nebenwirkungen haben. Dazu gehören zum Beispiel eine Gewichtszunahme oder weniger Lust auf Sex. Zudem sorgen sie unter anderem für ein gesteigertes Risiko für Thrombosen (Blutgerinsel), Schlaganfälle oder Herzinfarkte, insbesondere dann, wenn die Anwenderin übergewichtig ist, genetische Veranlagungen dazu hat oder raucht. Studien geben außerdem Hinweise darauf, dass die Antibabypille das Risiko an Brustkrebs zu erkranken, leicht erhöht.
Lassen Sie sich in Bezug auf die Nebenwirkungen und die Eignung hormoneller Verhütungsmittel für Sie persönlich von Ihrem Frauenarzt beraten!

Verhüten mit der Pille

Das beliebteste Verhütungsmittel heutzutage ist die Pille. Über die Hälfte der Frauen entscheiden sich für diese Form der Schwangerschaftsverhütung, die mit einem Pearl-Index von 0,1 - 3 (je nach Pillenart) sehr sicher ist. Es gibt die klassische Antibabypille, die Mikro-Pille (mittlerweile wohl die verbreitetste) und die Mini-Pille. Welche Unterschiede es gibt, wie die Pille wirkt, was Sie bei der Einnahme beachten müssen und alle anderen wichtigen Infos finden Sie in unserem Artikel über die Pille.

Dreimonatsspritze

Die Dreimonatsspritze enthält Gestagen und wird alle drei Monate als Depot in den Oberarm- oder Gesäßmuskel injiziert und zwar zwischen dem ersten und fünften Tag des Zyklus. Sie eignet sich vor allem für Frauen ab 21 Jahren, die andere Verhütungsmittel nicht vertragen. Stillenden Müttern ist diese Verhütungsmethode nicht zu empfehlen. Eine der häufigsten Nebenwirkungen sind Zyklusstörungen, wie Schmierblutungen. Je nach Präparat liegt der Pearl-Index bei 0,3 - 1,4.

Verhütungsstäbchen

Bei dieser Methode wird ein Stäbchen am Oberarm unter der Haut implantiert. Dort bleibt es maximal drei Jahre; dann wird es wieder entfernt. Wie die Mini-Pille und die Dreimonatsspritze enthält das Stäbchen zur Verhütung nur Gestagene. Durch das Implantat können kaum Anwendungsfehler passieren, deshalb ist das Verhütungsstäbchen sehr sicher (Pearl-Index: 0 - 0,1). Zudem kann es zyklusbedingte Beschwerden wie Schmerzen und Übelkeit lindern. Mögliche Nebenwirkungen sind dafür Akne, Haarausfall, Gewichtszunahme und eine verringerte Libido.

NuvaRing/Vaginalring zur Verhütung

Der NuvaRing ist ein hormonelles Verhütungsmittel mit einer Kombination aus künstlichem Östrogen und Gestagen. Mit einem Pearl-Index von 0,4 - 0,7 ist der Vaginalring als sehr sicher einzustufen. Er hat eine relativ niedrige Hormondosis, die direkt über die Scheidenwand in den Blutkreislauf gelangt. Dafür wird der NuvaRing in die Scheide eingesetzt und nach drei Wochen wieder entfernt. Nach einer einwöchigen Menstruationspause wird ein neuer NuvaRing eingesetzt. Das kann jede Frau ohne einen Arztbesuch selbst machen. Der Vorteil des verformbaren Ringes ist, dass Übelkeit oder Durchfall keine Auswirkung auf die Wirksamkeit des Verhütungsmittels haben; Antibiotika allerdings schon. Eine mögliche Nebenwirkung des NuvaRinges ist wie bei der klassischen Pille eine Thrombose. Stillende Mütter sollten nicht mit dem NuvaRing verhüten.

Verhütungspflaster

Auch das Verhütungspflaster wirkt mit künstlichem Östrogen und Gestagen. Das 20 x 20 Zentimeter große Pflaster wird auf den Oberarm, die Hüfte, den Po, den Bauch oder eine andere Körperstelle geklebt und muss wöchentlich gewechselt werden. Nach drei Anwendungswochen wird eine Woche Pause gemacht und dann neu gestartet. Nachteile des Verhütungspflasters: es ist sichtbar und könnte sich unter Umständen ablösen; die Anwenderinnen sind in den sieben Tagen ohne Pflaster nicht vor einer Schwangerschaft geschützt und sie eignet sich nur für Frauen bis ca. 90 Kilogramm Körpergewicht. Ansonsten ist es aber ein sicheres Verhütungsmittel mit einem Pearl-Index von 0,7 - 0,9. Sie möchten nicht mit Hormonen verhüten, aber mechanische oder natürliche Verhütungsmethoden allein sind Ihnen zu unsicher? Dann könnten chemische Verhütungsmittel für Sie in Frage kommen. Mehr dazu lesen Sie auf der nächsten Seite.

Verhütung mit Spermizid oder durch Operation

Wer keine hormonellen Verhütungsmittel nutzen möchte und wem natürliche Verhütungsmethoden zu unsicher sind, der kann zusätzlich chemische Verhütungsmittel nutzen oder - für eine langfristige Verhütung - über eine operative Lösung nachdenken.

Spermizid: Chemische Verhütungsmittel

Chemische Verhütungsmittel, auch Spermizide genannt, gibt es zum Beispiel in Form von Salben, Gels oder Zäpfchen, die vor dem Geschlechtsverkehr in die Scheide eingeführt und aufgetragen werden. Ihre Wirkstoffe töten Spermien ab, hemmen ihre Bewegung oder dichten den Muttermund ab. Mit einem alleinigen Pearl-Index von unsicheren 18 - 29 sollten Spermizide nur in Kombination mit Barrieremethoden, wie dem Diaphragma, angewendet werden.
Dazu ergeben sich weitere Nachteile: die Wirkung einer Anwendung hält nur für einen Samenerguss und maximal eine Stunde lang an. Dafür muss das Spermizid mindestens zehn Minuten vor dem Geschlechtsverkehr möglichst nahe am Muttermund aufgetragen werden. Spontaner Sex ist somit nicht möglich. Zudem können Nebenwirkungen wie Schleimhautreizungen, allergische Reaktionen und unangenehme Gerüche auftreten. Der große Vorteil aber: Das Spermizid wirkt sich nicht auf den Hormonhaushalt und Zyklus der Anwenderin aus.
Spermizide sind rezeptfrei für ca. zehn Euro in Apotheken erhältlich.

Operative Methoden zur Verhütung

Operative Methoden zur Verhütung kommen nur für Frauen und Männer in Frage, die mit der Familienplanung ganz sicher abgeschlossen haben. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder die Sterilisation der Frau, bei der die Eileiter abgeklemmt oder durchtrennt werden. Dieser Eingriff führt zu einer dauerhaften Unfruchtbarkeit der Frau und ist nicht wieder rückgängig zu machen. Der Schutz vor einer ungewollten Schwangerschaft ist bei der Sterilisation der Frau dementsprechend hoch: der Pearl-Index liegt bei 0,2 - 0,3.
Unkomplizierter und im Zweifel wieder rückgängig zu machen, ist die zweite Möglichkeit: die Sterilisation des Mannes durch eine Vasektomie (Pearl-Index: 0,1). Der Eingriff, bei dem die Samenleiter durchtrennt werden, erfolgt ambulant und mit örtlicher Betäubung. Obwohl eine Vasektomie viel einfacher vorzunehmen ist, wird sie weitaus seltener in Anspruch genommen als Sterilisationen bei Frauen.

Bildquelle:

Thinkstock

Galerien

Lies auch

Teste dich