In-Vitro-Maturation: Der schonende Weg zum Elternglück

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In-Vitro-Maturation: Der schonende Weg zum Elternglück

Die In-Vitro-Maturation (IVM) ist eine schonende Methode der künstlichen Befruchtung. Hier erfahren Sie, wie sie abläuft und für wen sie geeignet ist.

Für das ersehnte Wunschkind nehmen viele Frauen nicht nur seelische, sondern auch körperliche Strapazen auf sich. Denn um mit einer künstlichen Befruchtung schwanger zu werden, ist im Vorfeld oft eine hoch dosierte Hormonbehandlung notwendig. Diese birgt allerdings erhebliche gesundheitliche Risiken und ist für viele Frauen sehr belastend. Die relativ neue Methode der In-Vitro-Maturation kommt ohne diese Hormontherapie aus und ist damit wesentlich schonender für die künftige Mutter.

Was ist die In-Vitro-Maturation?

Die IVM ist eine Methode der künstlichen Befruchtung, bei der der Frau unreife Eizellen aus dem Eierstock entnommen werden. Diese reifen dann im Reagenzglas unter Hormonzugabe nach und werden dann mit dem männlichen Samen befruchtet. Die befruchtete Eizelle wird als Embryo wieder in die Gebärmutter der Frau eingesetzt.

Wo liegen Unterschiede und Vorteile zur normalen In-Vitro-Fertilisation?

Im Gegensatz zu einer In-Vitro-Fertilisation kommt bei diesem Verfahren, wenn überhaupt, nur eine kurze und niedrig dosierte Hormonstimulation zum Einsatz, da die Eizellen unreif aus dem Eierstock entnommen werden. Sie werden erst außerhalb des Körpers unter Zugabe von entsprechenden Hormonen künstlich in den befruchtungsfähigen Zustand gebracht.
Bei der klassischen Form der IVF reift durch eine starke Hormonbehandlung der Frau vor der eigentlichen künstlichen Befruchtung eine ausreichende Zahl von Eibläschen in den Eierstöcken heran. Diese werden abpunktiert, befruchtet und dann als Embryonen wieder eingesetzt. Durch die hoch dosierte Zugabe von Hormonen steigt allerdings das Risiko für eine Ovarielle Hyperstimulation.

Was ist eine Ovarielle Hyperstimulation?

Die Ausprägung und die Auswirkungen des Ovariellen Hyperstimulationssyndroms können sehr unterschiedlich sein. Die Symptome reichen von einer leichten Störung des Wohlbefindens mit Bauchschmerzen, Übelkeit und Atemnot und bis hin zu einem lebensbedrohlichen Krankheitsbild.
Die genauen Zusammenhänge bei der Entstehung dieses Syndroms sind noch nicht geklärt. Aber es wird vermutet, dass durch den überstimulierten Eierstock gefäßaktive Substanzen in den Blutkreislauf gelangen und die Durchlässigkeit der Blutgefäße erhöht wird. So können vermehrt Flüssigkeit und Eiweiße in den Bauchraum und das Gewebe eindringen und zu Wasseransammlungen, sogenannten Aszites, führen. Diese Ansammlungen können sich sogar bis in die Lunge ausdehnen. Durch den Flüssigkeitsverlust wird das Blut dickflüssiger. Damit steigt die Gefahr von Thrombosen oder einer Lungenembolie. Auch die Nieren werden schlechter durchblutet, was von einer eingeschränkten Funktion dieser Organe bis zum Nierenversagen führen kann.

Rückübertragung und Einnisten des Embryos

Nur kurze Zeit nach Entnahme der Eizellen werden die frisch entwickelten Embryonen nun wieder in die Gebärmutter der Frau eingesetzt.

Rückübertragung der Embryonen in die Gebärmutter

Auch wenn sich im Reagenzglas mehrere Embryonen erfolgreich entwickeln, dürfen gesetzlich maximal drei Embryos gleichzeitig übertragen werden. Der Transfer mehrerer Embryonen erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft. Allerdings steigt so auch die Wahrscheinlichkeit einer Mehrlingsschwangerschaft mit größeren Risiken für Mutter und Kind.
Die Übertragung der Embryonen wird ambulant und ohne Narkose mittels eines dünnen Schlauches über Scheide und Muttermund durchgeführt. Der Arzt kontrolliert die richtige Platzierung mit dem Ultraschall. Die meisten Frauen empfinden diesen Eingriff als wenig oder gar nicht schmerzhaft.

Einnisten des Embryos

Um das erfolgreiche Einnisten des Embryos in die Gebärmutterschleimhaut zu unterstützen, sollte sich die Frau in den darauffolgenden Tagen schonen, Stress vermeiden, auf Geschlechtsverkehr verzichten und keine schweren körperlichen Arbeiten verrichten.
Damit ist die künstliche Befruchtung abgeschlossen und wenn alles gut läuft, ist zu diesem Zeitpunkt das Wunschkind schon unterwegs. Etwa 14 Tage nach Übertragung des Embryos kann mit einem Schwangerschaftstest festgestellt werden, ob die Behandlung erfolgreich war oder ob ein neuer Versuch gestartet werden muss. Einen Monat später lässt sich per Ultraschall bestimmen, ob der Embryo lebt und ob es sich um ein einzelnes Baby oder um eine Mehrlingsschwangerschaft handelt.

Kosten, Risiken und Nachteile der IVM

Der entscheidende Nachteil einer IVM im Vergleich zu einer herkömmlichen In-Vitro-Fertilisation liegt in den geringen Schwangerschaftsraten. Diese bewegen sich bei der IVM zwischen 17 und 24 Prozent pro Zyklus. Da diese Methode der Reproduktionsmedizin noch in den Kinderschuhen steckt, gibt es bisher auch keine Aussagen über ein erhöhtes Risiko von Fehlbildungen bei IVM-Babys. Ob die beschleunigte Reifung der Eizellen in der Petrischale die körperliche und geistige Entwicklung stört, wird derzeit in Langzeitstudien mit Kindern untersucht, die mit dieser Methode gezeugt wurden. Bisherige Erkenntnisse lassen aber auf eine unauffällige Entwicklung schließen. Trotzdem ist die IVM derzeit noch eher ein Ausnahmeverfahren.
Für eine IVM ist mit Kosten zwischen 1.500 und 1.800 Euro pro Behandlungszyklus zu rechnen. Leider übernehmen die gesetzlichen und privaten Kassen die Kosten derzeit nicht. Damit bleiben in etwa 650 Euro als Selbstzahleranteil für eine IVM.
Der mit einer IVF übereinstimmende Teil der Behandlung wird für drei Versuche zu 50 Prozent von den gesetzlichen Kassen übernommen, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:

• Beide Partner müssen 25 Jahre oder älter sein.
• Der Anspruch auf eine anteilige Kostenübernahme endet mit dem 40. Geburtstag der Ehefrau oder dem 50. Geburtstag des Ehemanns.
• Beide Partner müssen beide HIV- und Hepatitis-negativ sein.
• Von der Krankenkasse muss vor Therapiebeginn ein „Behandlungsplan“ genehmigt werden.
Bis Januar 2016 musste das Paar auch verheiratet sein. Doch diese Hürde wurde vom Bund gekippt: Nun werden auch unverheiratete Paare bei der Erfüllung des Kinderwunsches finanziell unterstützt.

Für wen ist die IVM geeignet?

Die IVM eignet sich sehr gut für Frauen, die mit einem Überstimulationssyndrom empfindlich auf eine Hormonbehandlung reagieren.

Für wen ist die IVM geeignet?

Auch für Frauen mit einem polyzystischen Ovarsyndrom (PCO), das zu einer Konzentration von männlichen Hormonen und damit zu Zyklusstörungen und Unfruchtbarkeit führt, ist eine künstliche Befruchtung nach der IVM-Methode gut geeignet. Und ehemaligeKrebspatientinnen, die sich vor einer Chemotherapie oder Bestrahlung Eizellen oder Eierstockgewebe haben entnehmen lassen, können mit diesem Verfahren auf eine Schwangerschaft hoffen.

Vorlauf der Behandlung

Für eine IVM entnimmt der Arzt den nur wenig oder gar nicht stimulierten Eierstöcken der Frau unreife Eizellen aus den Eibläschen. Mit einer sehr feinen Nadel werden dabei über Scheide und Muttermund die Eibläschen punktiert und die Eizellen werden „abgesaugt“. Der Arzt überwacht den Vorgang dabei am Ultraschallbildschirm. Die Herausforderung besteht hier die unreifen von den reifen Eibläschen zu unterscheiden. Die reifen Eibläschen sind etwa 17 bis 19 Millimeter groß. Die unreifen dagegen haben einen Durchmesser von fünf bis maximal zwölf Millimetern.
Nach der Punktierung werden die gewonnen Eizellen in einer Petrischale kultiviert und ein bis zwei Tage lang durch die Beigabe von natürlichen Hormonen wie FSH (follikelstimulierendes Hormon) und HCG (Humanes Gonadotropin) zur Reifung gebracht. Im Vergleich zur natürlichen Entwicklung im Eierstock geht das sehr viel schneller, denn die physiologische Variante beansprucht fünf bis sechs Tage.
Nun geht es weiter wie bei einer normalen In-Vitro-Fertilisation: Sind die Eizellen reif für eine Befruchtung, wird vom Partner Sperma benötigt. Dieses wird durch Masturbation gewonnen, oder ist bereits tiefgefroren (kryokonserviert) bereitgestellt und wird zeitgerecht aufgetaut. Die Samenflüssigkeit des Mannes wird im Labor durch ein spezielles Verfahren aufbereitet, um die Befruchtungsfähigkeit zu optimieren. Das Ejakulat wird dafür „gewaschen“, übrig bleiben nur noch besonders bewegliche Samenfäden. Falls das Sperma des eigenen Partners nicht verwendet werden kann, kann alternativ auch eine Befruchtung mit Spendersamen durchgeführt werden.

Befruchtung der Eizellen

In einer Nährlösung wird jeweils eine Eizelle mit einer Vielzahl an Spermien zusammengebracht und für etwa 24 Stunden in einem Brutschrank aufbewahrt. Möglich ist auch eine Befruchtung durch Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI), falls beim Partner ebenfalls eine Form der Unfruchtbarkeit vorliegt und sein Samen nicht die Qualität für eine natürliche Befruchtung besitzt. Ist die Eizelle erfolgreich befruchtet, erkennt man das unter dem Mikroskop an zwei „Vorkernen“ im Zellplasma, die jeweils das genetische Material von Spermium und Eizelle enthalten. Nun werden die Eizellen ausgesucht, die im letzten Schritt in die Gebärmutter der Frau eingepflanzt werden. Übrig gebliebene befruchtete Eizellen können mit Einwilligung beider Eltern im Vorkern-Stadium für einen weiteren Übertragungsversuch eingefroren werden. So müssen kein zweites Mal Eizellen bei der Frau entnommen werden. Sind beide Vorkerne schon in der Eizelle miteinander verschmolzen, ist bereits ein Embryo entstanden. Ab diesem Entwicklungsstadium dürfen die Eizellen allerdings nicht mehr eingefroren werden.

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