Wenn ältere Paare Eltern werden

Kinderwunsch

Wenn ältere Paare Eltern werden

Warum sich viele Paare mit dem ersten Kind so viel Zeit lassen - und wie Eltern und Nachwuchs davon profitieren können

Mütter sind heute generell älter als noch vor 40 Jahren. 1961 bekamen Frauen ihr 1. Kind im Schnitt mit 25 Jahren, heute sind sie bereits 29. Gleichzeitig wächst die Zahl der spätberufenen Mütter: Waren 1990 nur 5 % der Mütter über 35 Jahre alt, lag ihr Anteil 2000 schon bei 16 %. Klar, dass die Eltern auch beim 2. Kind im Schnitt älter sind. Die Gründe liegen auf der Hand: Früh Kinder zu bekommen, passt nicht in unseren aktuellen Lebensstil. Frauen studieren und investieren viel Zeit in die Berufsausbildung. Karriere, Hausbau, finanzielle Sicherheit haben bei den meisten Paaren einen viel höheren Stellenwert bekommen. Und das Erreichen all dieser Ziele braucht Zeit. Die Kinderfrage verschiebt sich unweigerlich immer weiter in die Jahre jenseits der 30. Die Natur hingegen hat für die Kinderplanung nur ein enges Zeitfenster geöffnet: Zwar glaubt nach einer Studie der Uni Leipzig ein Drittel der Befragten, eine Schwangerschaft mit 45 sei kein Problem mehr. Aber tatsächlich reicht die biologisch erfolgreichste Phase für die Fortpflanzung nur bis zum 25. Lebensjahr, sagt der Ulmer Reproduktionsmediziner Friedrich Gagsteiger. Danach beginnt die Fruchtbarkeit bereits zu schwinden: erst leicht bis zum Alter von 30 Jahren, dann stärker bis 35. Danach sinkt die Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden, jedes Jahr um einige Prozent. Das Gleiche gilt übrigens für die Qualität der Spermien. Umso größer die Freude bei älteren Paaren, wenn ein Kind unterwegs ist. Zumal ihre Kinder meist absolute Wunschkinder sind. Aber abgesehen davon ist es erst einmal egal, wie alt die werdenden Eltern sind: „Beim ersten Kind hat alles Premiere, die Eltern sind voller Erwartung. Da gibt es absolut keine Routine“, sagt die Diplom-Psychologin Angelika Faas.

Kinder älterer Eltern profitieren von Geschwistern

Kinder älterer Eltern profitieren von Geschwistern

Das erwartet allerdings auch die Umwelt von ihnen. „Je später ein Paar Kinder bekommt, desto kritischer wird es von Familie und Freunden betrachtet - schließlich hatte es lang genug Zeit, sich darauf einzustellen, da muss alles perfekt sein“, schildert Faas ein typisches Szenario. Selbst wenn's schwer fällt: Davon sollte sich niemand einschüchtern lassen. Denn auch ältere Eltern dürfen Fehler machen. Viel schlimmer wäre, aus Angst davor alles planen und reglementieren zu wollen. Das würde Eltern und Kind einengen. Und was ist, wenn dem ersten Kind ein zweites oder sogar drittes folgen soll? „Die große Umstellung vom Leben als Paar hin zu einer Familie ist dann ja schon geschehen“, sagt die Selbstmanagement-Trainerin Yvonne Küttel. Die Routine macht für die Eltern natürlich vieles leichter. Je mehr Nachwuchs, desto besser können sie sich auf die kindliche Lebenswelt einlassen. Aber auch die ersten Kinder älterer Paare profitieren von Geschwistern: „Ein spätes Erstgeborenes bleibt oft allein und wird so schnell zum Hätschelkind“, weiß Angelika Faas. Geschwister bedeuten dagegen eine wichtige Erfahrung: Sie erziehen sich oft mit, der Umgang innerhalb der Familie wird lockerer. Nicht zuletzt, weil sich schnell ein eingespieltes Regelwerk entwickelt, auf das sich alle verlassen können.

Ältere Paare erziehen bewusster

Ältere Paare erziehen bewusster

Allenfalls würden jüngere Paare der Geburt mit größerer Unbeschwertheit entgegensehen. Anders sieht es bei der Motivation für den Kinderwunsch aus. Ist das Paar schon länger zusammen, bekommt er oft eine neue Dimension: „Der Nachwuchs soll dem Leben einen neuen Sinn geben und die Partnerschaft wieder lebendiger machen“, so Faas. Das kann funktionieren, birgt aber auch Gefahren. Zwar haben Kinder älterer Paare gerade materiell oft die besseren Startchancen, auf ihnen kann aber auch ein großer Erwartungsdruck lasten. Angelika Faas rät Eltern in diesem Fall zu mehr Gelassenheit „und auch ein bisschen Naivität, sonst landen sie schnell in der Perfektionsfalle: Jeder kleine Fehler, egal ob von der Mutter oder vom Kind, erscheint dann wie eine kleine Katastrophe“. Das Plus an Gelassenheit macht das Kind auch viel schneller zu einer Bereicherung für ältere Eltern. Denn eines haben sie jüngeren Paaren voraus: „In der Regel ist bei ihnen die Karriere schon gefestigt und sie haben auch in ihrer Freizeit keine Angst mehr, etwas zu verpassen. So können sie sich viel mehr auf ihr Kind konzentrieren und es ideal beim Heranwachsen begleiten“, sagt die Baby&Co-Expertin. Anders gesagt: Ältere Mütter und Väter erziehen ihren Nachwuchs bewusster.

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