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Gut zu wissen

Affenpocken: Wie gefährlich ist das Virus für Kinder und Schwangere?

Bislang verbreitete sich das Affenpockenvirus bei uns vor allem unter Männern. Trotzdem kann sich bei engem Körperkontakt jeder infizieren. Was bedeutet das für Kinder und Schwangere? Müssen sich Familien Sorgen machen? Wir haben zwei Expert*innen dazu befragt: Privatdozentin Dr. Henriette Rudolph, stellv. Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für pädiatrische Infektiologie (DGPI) und Prof. Dr. Bernd Salzberger, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (DGI).

Die wichtigste Nachricht zuerst: Eltern und Schwangere müssen nicht in Panik verfallen. So schnell wie mit dem Coronavirus stecken sich Erwachsene und Kinder Stand jetzt nicht mit dem Affenpockenvirus (Monkeypox Virus) an. Die Erkrankung, die vor allem durch enge Berührungen übertragen wird und Symptome wie einen teils schmerzhaften, infektiösen Hautausschlag auslösen kann, ist auch nicht neu: Bislang kam sie vor allem in West- und Zentralafrika vor, aktuell steigt die Zahl der Betroffenen allerdings weltweit an. Wobei sie in Deutschland inzwischen wieder leicht rückläufig ist.

Bislang sind nur wenige Frauen und Kinder betroffen, trotzdem sind die ein oder anderen Eltern und Schwangeren beunruhigt. Denn ganz allgemein heißt es beim RKI, dass u.a. Neugeborene, Kinder und Schwangere schwer an den Affenpocken erkranken können. Wir haben deshalb zwei Expert*innen um Antworten zu wichtigen Fragen rund ums Thema Affenpocken gebeten.

Affenpocken: Müssen sich Eltern jetzt Sorgen um ihre Kinder machen?

„Bei dem aktuellen Ausbruch gibt es bisher keine Berichte, dass Kinder vermehrt betroffen sind oder schwerere Verläufe zeigen“, erklärt PD Dr. Henriette Rudolph vom Universitätsklinikum-Klinikum Frankfurt. Die Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin und pädiatrische Infektiologin ergänzt: „Weltweit gibt es allerdings Fallberichte, dass Kinder, die z.B. im Rahmen eines Ausbruchs in den USA (retrospektive Studie über 34 Patienten) erkrankten, einen schweren Verlauf zeigten.

Konkret waren das in der oben genannten Studie zwei Kinder – 6 und 10 Jahre alt – die intensivmedizinisch behandelt werden mussten. Weitere Daten stammen entweder aus Afrika oder aus älteren Studien und sind deshalb nicht gut auf die aktuelle Situation übertragbar. Prinzipiell ist die Datenlage aufgrund der Seltenheit der Erkrankung in unseren Breitengraden sehr dünn und nicht ausreichend aussagekräftig.“

„Bei dem aktuellen Ausbruch gibt es bisher keine Berichte, dass Kinder vermehrt betroffen sind oder schwerere Verläufe zeigen.“

PD Dr. Henriette Rudolph, Uni-Klinikum Frankfurt

Wie gefährdet sind Schwangere aktuell?

Neben Kindern zählen auch Schwangere zur potenziellen Risikogruppe. Infiziert sich eine werdende Mutter, könnte sie das Virus im schlimmsten Fall auf ihr ungeborenes Kind übertragen und es kann zu Komplikationen oder einer Fehlgeburt kommen.

Prof. Dr. Bernd Salzberger, Facharzt für Innere Medizin und Infektiologie, kann werdende Mütter trotzdem erst einmal beruhigen: „Die generelle Gefährdung für Schwangere ist als sehr gering einzuschätzen: Bei den Fällen, in denen das Geschlecht bekannt ist, sind 99% männlich, der weit überwiegende Übertragungsweg ist ein sexueller Kontakt von Männern mit Männern und Übertragungen im Haushalt oder bei anderen Kontakten derzeit sehr selten.“

Über die möglichen Folgen einer Infektion in der Schwangerschaft für die Mutter und das ungeborene Kind wissen selbst Experten noch sehr wenig, weil Fälle bei Schwangeren auch bei früheren Ausbrüchen sehr selten waren. „Da aber fast alle Infektionen in der Schwangerschaft schwerer verlaufen, muss das auch hier angenommen werden“, erklärt Prof. Dr. Bernd Salzberger. Bei den Pocken – der ausgerotteten schweren Infektion bei Menschen – verlief die Infektion in der Schwangerschaft schwerer, Übertragungen auf Kinder traten vor allem unter der Geburt durch den engen Hautkontakt auf.“

Affenpocken: Wie sich das Virus überträgt

Infizieren kann sich mit dem Affenpockenvirus, wer engen Körperkontakt mit einer infizierten Person hat. Erkrankte sind ansteckend, solange sie Symptome haben und müssen sich deshalb isolieren. Als besonders infektiös gilt der für Affenpocken typische Hautausschlag, insbesondere die Wunden und deren Schorf. Auch über Blut, Speichel oder größere Atemtröpfchen sind Infektionen möglich.

„Der aktuelle Stamm des Virus scheint aber vor allem durch Schmierinfektion im Rahmen von engen Kontakten – zum Beispiel Haushaltskontakte oder sexuelle Kontakte im weiteren Sinne – übertragen zu werden."

Infektiologin Dr. Henriette Rudolph

Weil Affenpocken-Viren einige Zeit auf Oberflächen überleben können, sind Ansteckungen über die Bettwäsche, Handtücher oder von Infizierten benutztes Geschirr denkbar. Hier würde es helfen, zu desinfizieren bzw. die Sachen zu waschen – und sich von Erkrankten fern zu halten.

Wie können sich Schwangere (& wir alle) vor einer Affenpockeninfektion schützen?

Affenpocken sind keine klassische Geschlechtskrankheit. Grundsätzlich kann sich jeder anstecken, der engen Körperkontakt zu einer erkrankten Person hat. "Das wichtigste ist deshalb die Vermeidung von Kontakten mit Infizierten“, rät Infektiologe Prof. Dr. Bernd Salzberger. „Falls es im Haushalt oder auch im Bekanntenkreis einen Fall gibt, sollte hier der Kontakt minimiert, besser vermieden werden. Eine Sondersituation wäre es, wenn der Partner bisexuell ist. Hier sollte dann der Partner bei sexuellen Kontakten mit Männern sich vorher über die wichtigsten Vorsichtsmassnahmen informieren und Kontakte mit Infizierten oder kürzlich Exponierten vermeiden.“

"Ein Verdacht auf eine Infektion sollte auf jeden Fall rasch abgeklärt werden. Hier kann der behandelnde Gynäkologe alle notwendigen Untersuchungen durchführen (Abstriche von Hautläsionen), alternativ ein Dermatologe oder ein Infektiologe.“

Prof. Dr. Bernd Salzberger, Universitaetsklinikum Regensburg

Da eine Infektion mit Affenpocken bei Kindern (und auch Erwachsenen) selten ist, schaut bei einem Verdacht auch die behandelnde Kinderärztin oder der behandelnde Kinderarzt sehr genau, ob es sich tatsächlich um Affenpocken handelt, oder nicht etwa Windpocken, Scharlach, Herpes Simplex oder auch die Hand-Fuß-Mund-Krankheit die Symptome verursachen.

Affenpocken: Symptome und Verlauf

In der Regel verläuft eine Affenpocken-Infektion mild. Erste Anzeichen treten fünf bis 21 Tage (in Einzelfällen auch nur 2 bis 4 Tage) nach der Infektion auf.

Zu den typischen Affenpocken-Symptomen zählen

  • Fieber,
  • Schüttelfrost,
  • Kopf- und Muskelschmerzen,
  • geschwollene Lymphknoten
  • und Hautausschläge mit juckenden Bläschen oder Pusteln, die meist im Gesicht beginnen und sich auf den Rest des Körpers ausbreiten.

Die Hautveränderungen infolge einer Affenpockeninfektion heilen meist nach 2 bis 4 Wochen ohne Behandlung von selbst ab. Selten können aber auch schwere Verläufe auftreten – insbesondere bei Personen mit geschwächtem Immunsystem. Zu den möglichen Komplikationen zählen bakterielle Hautinfektion, Lungen- oder Hirnentzündungen. Infolge einer überstandenen Infektion können sich Narben bilden, selten kommt es zu schweren Augeninfektionen.

Wie wird eine Infektion mit Affenpocken behandelt?

„Im Vordergrund steht aktuell die Behandlung der Beschwerden, also die sogenannte symptomatische Behandlung“, erklärt PD Dr. Henriette Rudolph. „Das bisher einzige in Europa von der EMA zur Therapie einer Affenpockeninfektion zugelassene Arzneimittel ist Tecovirimat, welches auch bei Kindern mit einem Körpergewicht ab 13 kg eingesetzt werden kann. Es ist allerdings nur sehr schwerwiegenden Fällen vorbehalten – und die Behandlung wird von Experten im Rahmen der Krankenhausbehandlung getroffen.“

Affenpocken & Kinder: Worauf sollten Eltern jetzt achten?

„Bei dem aktuellen Ausbruch sind vor allem erwachsene Männer betroffen und die initialen Fälle liessen sich alle auf den Besuch zweier grosser Festivals zurückführen, weshalb das RKI für diese Risikogruppe auch eine entsprechende Empfehlung zur Impfung erstellt hat“, erklärt PD Dr. Henriette Rudolph. Aktuell bestehe deshalb kein Hinweis darauf, dass Kinder in Deutschland vermehrt von Affenpocken betroffen sind. „Demnach müssen Eltern, die keinen Hinweis auf einen Risikokontakt im Umfeld haben, auch nicht speziell auf etwas achten.“

Besteht der Verdacht auf eine mögliche Infektion in Krippe, Kindergarten Schule oder innerhalb der Familie, gelte für Kinder – genau wie für sämtliche weitere Kontaktpersonen – dass individuell abgewogen werden muss, inwieweit ein Risiko für eine Infektion besteht. „Diese Einschätzung erfolgt durch das zuständige Gesundheitsamt in Absprache mit entsprechenden Spezialisten wie Virologen und Infektiologen, welches auch die zu ergreifenden Massnahmen koordinieren wird“, so PD Dr. Henriette Rudolph.

Hier findet ihr das für euch zuständige Gesundheitsamt. Vielleicht kennt ihr es aber auch schon, weil ihr aufgrund der Corona-Pandemie bereits Kontakt hattet.

Quellen (Stand 16. September 2022) und weiterführende Informationen:

Was noch dahinter stecken kann, wenn es unseren Kids nicht gut geht:

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Bildquelle: GettyImages / Anastasiia Stiahailo

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