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Nicole Jäger: Mit diesen 4 No-Gos killen Eltern das kindliche Selbstwertgefühl

Nicole Jäger: Mit diesen 4 No-Gos killen Eltern das kindliche Selbstwertgefühl

Gast-Kolumne

Wir kennen Nicole Jäger als Bestseller-Autorin, Stand-Up-Comedian und Podcasterin. Trotz Erfolg und öffentlicher Anerkennung stolperte sie immer wieder in ungesunde, gewaltvolle Beziehungen – auch, weil es ihr an Selbstwert mangelte. Für familie.de hat sie zusammengefasst, was Eltern tun können, um ihre Kinder (und vor allem Töchter) bei der Entwicklung eines gesunden Selbstwertgefühls zu unterstützen.

Ich habe keine Kinder. Warum ich glaube, dass ich trotzdem Eltern einige wertvolle Tipps geben kann? Weil ich weiß wie es ist, wenn einem Eltern kein gesundes Selbstwertgefühl mit auf den Weg geben und auch, was das für Folgen haben kann.

Mein Mangel an Selbstwert brach mir beinahe das Genick. Im wahrsten Sinne dieses Wortes.

Nicole Jäger

Wenn ich heute mit meinen Eltern auf dem Sofa sitze und wir in Familienerinnerungen von damals schwelgen, dann sind wir ziemlich gut darin über all das Schöne zu sprechen, den Zusammenhalt und das Gefühl, welches nur das heimische Nest in einem auslösen kann. Jenes, welches sich irgendwie immer so anfühlt, als sei man auf ewig 16 Jahre alt und käme gerade zur Tür herein. An einem Sonntag, an dem das Leben immer in der Küche stattfand und es stets ein wenig nach Zimt, ein wenig nach Staub und ein wenig nach Regen roch.

„Aus Dir ist doch was geworden“, pflegt Papa immer zu sagen, wenn wir plaudernd in den Wohnzimmern zwischen der Wohnung meiner Eltern und der meinigen stehen und Mama beteuert stets „Sie hatte es ja aber auch nicht immer leicht.“ Beides stimmt. Aus mir ist was geworden. Ich bin Bestseller-Autorin, Stand-Up-Comedian, Podcasterin und stehe regelmäßig auf Bühnen oder vor Kameras. Ich bin eine große Schwester, Tochter, beste Freundin, Gefährtin, Künstlerin. Soweit hat Papa also vielleicht Recht.

Ich bin dankbar für ihre Mühen, für ihren Mut überhaupt Kinder bekommen zu haben und dafür, dass sie immer versuchten mich zu lieben, auch wenn es vielleicht nicht immer klappte.

Nicole Jäger

„Euch hat es im Grunde an nichts gefehlt“, ist die einhellige Meinung vieler Eltern meiner Generation und gemeint ist damit, dass wir immer zu Essen hatten, immer eine warme Decke, immer ein Dach über den Kopf, immer einen Ort, an dem wir uns mehr oder minder sicher fühlen konnten und durften. Alles richtig. Alles wirklich mächtig schön und im gleichen Maße, wie ich meine Eltern liebe, bin ich dankbar für ihre Mühen, für ihren Mut überhaupt Kinder bekommen zu haben und dafür, dass sie immer versuchten mich zu lieben, auch wenn es vielleicht nicht immer klappte.

Aus mir ist doch was geworden. Gewiss. All das, was ich heute bin, ist aus mir geworden. Das und eine Frau, die ihr ganzes Leben hart mit ihrem Selbstwertgefühl zu kämpfen hat, welches mir nur allzu leicht abhandenkommt. Ich habe gerade ein Buch darüber geschrieben. Um genau zu sein, habe ich ein Buch über meine Erfahrungen mit häuslicher-, partnerschaftlicher Gewalt und den Zusammenhang zwischen Gewalterfahrungen und Selbstwertgefühl geschrieben.

Unkaputtbar: Wie mein Mangel an Selbstwert zum Problem wurde und wie ich da wieder rauskam
Unkaputtbar: Wie mein Mangel an Selbstwert zum Problem wurde und wie ich da wieder rauskam

Versteht mich nicht falsch, es ist – ganz ohne Selbstbeweihräucherung – ein gutes Buch geworden. Warm. Sehr persönlich. Emotional. Voller Liebe. Ich mag es sehr. Aber wenn ich es nicht hätte schreiben müssen, sondern statt dessen irgendwas über die Aufzucht von Wombat-Babys hätte schreiben können, schlicht weil mein Selbstwertgefühl mir nicht den Weg in eine solche Beziehung gewiesen hätte, wäre das auch vollkommen okay gewesen. Mein Mangel an Selbstwert brach mir beinahe das Genick. Im wahrsten Sinne dieses Wortes.

All das, was ich heute bin, ist aus mir geworden. Das und eine Frau, die ihr ganzes Leben hart mit ihrem Selbstwertgefühl zu kämpfen hat.

Nicole Jäger

Heute, nachdem das alles vorbei ist, die Beziehung beendet ist und ich sowohl mich als auch mein Leben meistens im Griff habe, werde ich häufig gefragt, wo der Ursprung von mangelndem Selbstwert ist oder wo man denn anfangen soll, daran zu arbeiten. Die Antwort ist stets dieselbe: Es beginnt in der Kindheit. Das heißt nicht, dass Eltern Schuld haben. Es geht bei Selbstwert nicht um Schuld. Es geht um Unterstützung.

4 No-Gos bei der Erziehung für ein starkes Selbstwertgefühl

Wenn wir einen starken, sich selbst liebenden Erwachsenen wollen, der in der Lage ist, seinen eigenen Wert zu erkennen, dann müssen wir unsere Kinder zu Menschen erziehen, die in der Lage sind, sich selbst zu lieben.

#1 Straft nicht mit Liebesentzug.

Wir sind uns alle darüber einig, dass körperliche Gewalt ein No-Go ist. Psychische Gewalt ist aber keinen Deut besser und zu genau dieser gehört Liebesentzug. Auch, wenn das nicht immer jedem und jeder bewusst ist. Studien belegen, dass psychische Gewalt der körperlichen in nichts nachsteht und weitreichende Folgen hat. Das Fehlverhalten eines Kindes damit zu ahnden, dass es lernt, „wenn ich Fehler begehe, hat man mich nicht mehr lieb“, macht aus einem unsicheren Kind einen unsicheren Erwachsenen, der gelernt hat, dass es vollkommen okay ist, ihn mit dem Entzug von Liebe zu strafen, wenn er nicht so funktioniert, wie andere es wollen.

#2 Verweigert einem Kind nicht die Kommunikation.

Kommunikation auf Augenhöhe ist eine Form von Respekt und diesen hat auch ein Kind verdient. Selbst dann, wenn man gerade sauer, enttäuscht, wütend oder traurig ist. Die Verweigerung von Kommunikation macht Kinder stumm und oftmals hilflos.

Schweigen ist keine Strafe. Schweigen ist eine Verletzung, die einsam macht und auch wenn es uns selbst manchmal schwerfällt, über unsere Gefühle zu sprechen, so hilft es doch, um zu zeigen, dass Gefühle zu haben, diese mitzuteilen und zuzuhören immer wichtig ist. Ein Kind darf reden und wahrgenommen werden, auch wenn es Fehler macht. Eltern aber auch.

#3 Seid nicht die Erwachsenen, die ihr Euch selbst für Eure Kinder nicht wünscht.

Kinder lernen vor allem von ihren Eltern. Lebt daher vor, wie man sich mit Respekt in einer Beziehung begegnet. Lebt Euren Jungs vor, wie man mit Frauen umgeht und Euren Mädchen, dass sie eine Stimme haben und Nein sagen dürfen. Seid die Männer und Frauen, die ihr Euch für Eure Kinder als Partner wünscht, immerhin sind die eigenen Eltern die erste große Liebe eines jeden Kindes.

Seine Kinder zu lieben bedeutet auch, sie zu Menschen zu erziehen, die in der Lage sind, sich selbst wertzuschätzen. Damit sie eines Tages Erwachsene werden, die sich genauso selbst lieben können, wie ihr sie liebt.

#4 Erzieht Eure Mädchen nicht dazu, sich selbst zu hassen.

Dieser Punkt gilt vor allem für Eltern von Töchtern, aber auch für Söhne. Er klingt banal und selbstverständlich, ist es aber keineswegs. Mädchen werden dazu erzogen, hübsch zu sein, zurückhaltend und gefällig. Sie lernen, dass ihr Aussehen wichtiger ist als ihre Persönlichkeit und dass sie vornehmlich schön sein müssen. Die Aufgabe einer Frau ist es nicht, schön zu sein für andere und die eines Mädchen nicht, angepasst zu sein und leise. Gebt Euren Kindern eine eigene Stimme. Einen eigenen Willen und Raum sie selbst zu sein.

Eigentlich ist alles was ich hier geschrieben habe selbstverständlich, oder? Deswegen hoffe ich von Herzen, dass dies der überflüssigste Text der Welt ist, weil niemand von Euch ihn noch braucht. Es gibt nichts was ich mir mehr wünschen würde.

Nicole Jäger
Nicole Jäger Archiv

So und nun noch mal Tacheles ...

Eigentlich ist alles was ich hier geschrieben habe selbstverständlich, oder? Deswegen hoffe ich von Herzen, dass dies der überflüssigste Text der Welt ist, weil niemand von Euch ihn noch braucht. Es gibt nichts was ich mir mehr wünschen würde.

Dennoch dürfen wir eines nicht unterschlagen: Jede vierte Frau wird mindestens ein Mal in ihrem Leben Opfer häuslicher Gewalt. Das bedeutet, dass jeder von uns mindestens eine Frau kennt, die betroffen ist, meist ohne, dass wir es wissen. Ein gutes Selbstwertgefühl kann diesen Umstand nicht verhindern, denn Schuld sind am Ende die Täter und nie die Opfer. Aber aus Erfahrung kann ich sagen, dass ein gutes und gestärktes Selbstwertgefühl vielleicht nicht die ganze Welt rettet, aber eventuell die Welt für das eigene Kind und dabei hilft, sich als Erwachsene rasch und gesund aus toxischen Partnerschaften zu lösen.

Nicole Jägers neues Buch: Unkaputtbar

In "Unkaputtbar: Wie mein Mangel an Selbstwert zum Problem wurde und wie ich da wieder raus kam" erzählt Nicole von ihren Erfahrungen, von den Tiefpunkten einer gefährlichen Beziehung, psychischem Terror und nagenden Selbstzweifeln. Ein mutiges, intimes Buch über Hoffnung und das Finden der ganz großen Liebe – zu sich selbst. Mit viel Feingefühl schildert sie, wie ihr Leben zwischen TV-Auftritten, Morddrohungen, Applaus und dem Gefühl, nicht genug zu sein, aussah – und wie wichtig ein starkes Selbstwertgefühl ist, um sich aus ungesunden Beziehungen zu befreien.

Unkaputtbar: Wie mein Mangel an Selbstwert zum Problem wurde und wie ich da wieder rauskam
Unkaputtbar: Wie mein Mangel an Selbstwert zum Problem wurde und wie ich da wieder rauskam

Von Nicole sind außerdem diese Bücher erschienen:

Nicht direkt perfekt: Die nackte Wahrheit übers Frausein
Nicht direkt perfekt: Die nackte Wahrheit übers Frausein
Die Fettlöserin: Eine Anatomie des Abnehmens
Die Fettlöserin: Eine Anatomie des Abnehmens

Unser Video-Tipp für euch: Starke Frauen im Film

Wie prägt dich die Beziehung zu deiner Mutter?

Bildquelle: Nicole Jäger Archiv

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