Schulterdystokie – Komplikation bei der Geburt

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Schulterdystokie – Komplikation bei der Geburt

Es passiert zum Glück nur selten, aber immer einmal wieder: Der Geburtsvorgang stockt – wegen Schulterdystokie. Was man darunter versteht, wie es zu dieser Geburtskomplikation kommt und wie Arzt und Hebamme mit diesem besonderen Notfall umgehen.

Der Kopf ist da – aber der Rest des Babys bleibt stecken: Dann spricht man von einer Schulterdystokie. Diese Geburtskomplikation gilt als "geburtshilflicher Notfall" und ist absolut unvorhersehbar, wenn auch glücklicherweise sehr selten. Dann aber muss umgehend gehandelt werden.

Ein Notfall während der Geburt: die Schulterdystokie

Schulterdystokie - seltener, aber gefürchteter Notfall

Wenn der Fall einer Schulterdystokie eintritt, dann hat sich die Schulter des Babys hinter dem Schambein der Mutter eingeklemmt und es kommt dadurch zu einem Stillstand der Geburt – obwohl der Kopf des Kindes bereits draußen ist. Das passiert, wenn die Schulterbreite des Babys größer ist als der Kopf. Zum Glück geschieht das nur bei ein bis drei Prozent aller Geburten. Das Problem: Es lässt sich nicht vorhersagen, wann eine solche Komplikation auftreten wird.

Bekannt ist nur, dass es in folgenden Fällen ein erhöhtes Risiko gibt:

  1. Makrosomie, also Übergröße des Kindes (mehr als 4000 g)

  2. Diabetes

  3. Schwangerschaftsdiabetes

  4. Übergewicht

  5. Frau mit schmalem Becken

  6. sehr kleine Schwangere (unter 1,55 Meter)

  7. keine optimale Geburtsposition des Babys

  8. Geburtsunterstützung mit Saugglocke oder Geburtszange

  9. nach bereits aufgetretener Schulterdystokie in früheren Schwangerschaften

  10. bei eingeleiteten Wehen

Auch wenn diese Faktoren das Risiko einer Schulterdystokie erhöhen: Das Problem kann ebenfalls bei Frauen auftreten, auf die keiner dieser Risikofaktoren zutrifft. Wobei allerdings festgestellt wurde, dass die Häufigkeit einer solchen Geburtskomplikation neuerdings zunimmt.

Als mögliche Gründe für vermehrte Schulterdystokien vermutet man:

  1. die zunehmende Zahl der Spätgebärenden

  2. häufigeres Vorkommen von Gestationsdiabetes (Schwangerschaftsdiabetes)

  3. schwere Kinder

Schulterdystokie erfordert sofortiges Handeln

Die Schulterdystokie gehört zu den am meisten gefürchteten Komplikationen in der Geburtshilfe, weil die Sauerstoffversorgung des Babys gefährdet ist, während es festklemmt. Es muss also umgehend gehandelt werden, damit das Kind so schnell wie möglich geboren werden kann und es weiter ausreichend Sauerstoff bekommt. Da es sich um einen geburtshilflichen Notfall handelt, werden weitere Geburtshelfer und optimalerweise auch ein Neonatologe dazu gerufen. Um sicher zu stellen, dass das medizinische Personal sofort weiß, was zu tun ist, gibt es in allen Krankenhäusern Ausbildungen für diesen Notfall.

Schulterdystokie – was ist zu tun?

Die wichtigste Maßnahme ist es, die Schultern des Babys vom Becken zu lösen. Dafür reicht oft schon eine einfache Veränderung der Geburtsposition aus. Eines der dafür bekanntesten und effektivsten Verfahren ist das Gaskin-Manöver - es stammt von einer Hebamme. Namensgeberin ist Ina May Gaskin, oft auch als "Mutter der authentischen Geburtshilfe" und "berühmteste Hebamme der Welt" bezeichnet. Sie brachte bereits 1976 die Methode mit dem Vierfüßlerstand in die moderne Geburtshilfe ein. Wenn die Schwangere in den Vierfüßlerstand geht, verändert sich  durch die Stellung auch die Lage des Beckens. Der Abstand zwischen Scham- und Steißbein wird größer, die verkeilte Schulter kann sich lösen und das Baby kann geboren werden. Bei einem Dammschnitt zur Lösung der Komplikation sind sich die Fachleute uneinig, da ein Dammschnitt nur den Scheidenausgang vergrößert, nicht aber den Beckeneingang.

Vorbeugung gegen Schulterdystokie ist kaum möglich

Viel kann man nicht tun, um eine Schulterdystokie zu vermeiden, da sie unvorhersehbar ist und erst während der Geburt auftritt. Im Fall eines Schwangerschaftsdiabetes allerdings kann schon eine die richtige Behandlung, eine gute Stoffwechseleinstellung und vernünftige Ernährung helfen, das Risiko einer Schulterdysokie durch Makrosomie beim Baby zu verhindern. Bei Kindern mit erwarteten übermäßigem Geburtsgewicht wird oft schon im Vorfeld ein Kaiserschnitt geplant.

Eine weitere Absicherung ist es, gut ausgebildete Ärzte und Hebammen bei der Geburt dabei zu haben. Falls eine Schulterdystokie auftritt, ist es wichtig, dass die Geburtshelfer

  1. die Anzeichen richtig deuten

  2. schnell die richtigen Entscheidungen treffen

  3. sofort die notwendigen Maßnahmen einleiten

Am besten sprichst du im Vorfeld mit den Verantwortlichen und fragst, welche Maßnahmen es in deinem Krankenhaus gibt, damit Ärzte und Hebammen auf eine solche Geburtskomplikation vorbereitet sind. Im Übrigen werden die meisten Babys, bei denen eine Schulterdystokie auftritt, ohne Gefahr geboren, indem die Mutter in die richtige Lage gebracht wird. Und die Mehrheit der Babys, die nach einer Schulterdystokie geboren werden, sind rundum gesund.

Bildquelle:

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