Lanugobehaarung: Babys zarter Flaum

Die Lanugohaar hüllt das Ungeborene in einen zarten Flaum. Wozu der Fötus diese Wollhaare braucht und wann sie wieder verschwinden, erklären wir hier.

Bei der Geburt ist das meiste Lanugo bereits abgestoßen, nur vereinzelt hat das Baby noch den weichen Flaum am Körper.

Bei der Geburt ist das meiste Lanugo bereits abgestoßen, nur vereinzelt hat das Baby noch den weichen Flaum am Körper.


Haare hat ein Baby bei der Geburt in der Regel höchstens auf dem Kopf. Doch das ist während seiner Entwicklung im Mutterleib nicht immer so: In der Gebärmutter hat das Ungeborene eine zarte Ganzkörperbehaarung, die erst kurz vor der Geburt wieder verschwindet, aber manchmal auch dann noch vorhanden ist. Diese pigmentlose Behaarung wird Lanugo genannt. Der Begriff stammt vom lateinischen Wort lana = Wolle ab, weshalb dieser Flaum auch Wollhaar genannt wird.

Lanugohaar - warum wächst dem Baby ein Flaum?

Das Lanugohaar oder auch die Lanugobehaarung ist ein Rudiment unserer Vorfahren, erfüllt aber dennoch einen wichtigen Zweck für das Baby im Mutterleib. Es bildet sich etwa in der 15. SSW am gesamten Kindskörper. In dieser Phase der Schwangerschaft ist die Haut des Fötus noch so dünn, dass Adern und auch Knochen deutlich durchscheinen. Zusammen mit der wasserundurchlässigen Käseschmiere bildet die Lanugobehaarung eine schützende Isolierschicht für die empfindliche Haut. Der Flaum aus Wollhaaren sorgt dafür, dass die Haut des Fötus im Fruchtwasser nicht aufweicht. Außerdem helfen die Härchen dem Baby bei der Wärmespeicherung, schützen vor Druck und Schall.

Lanugobehaarung – wann verschwindet sie?

Mit fortschreitender Schwangerschaft wird das Baby größer und auch das Unterhautfettgewebe bildet sich mehr und mehr aus. Die Haut des Fötus wird dicker und robuster und braucht seine schützende Isolierschicht nicht mehr. Das bedeutet auch, dass die Lanugobehaarung überflüssig wird. Der Körper stößt sie nach und nach ins Fruchtwasser ab. Das geschieht in der Regel etwa um die 30. SSW. Bis zur Geburt ist der größte Teil der Lanugohaare ausgefallen. Nur an den Ohrmuscheln, am oberen Rücken oder an den Schulterpartien bleibt manchmal auch nach der Geburt noch ein kleiner Flaum zurück. Ihn verliert das Baby noch im ersten Lebensmonat komplett.

Lanugo im Fruchtwasser – was passiert mit den Härchen?

Das Baby im Mutterleib schluckt die abgestoßenen Lanugohaare zusammen mit dem Fruchtwasser. Das ist vollkommen natürlich und schadet dem Kind nicht. Die Härchen bilden einerseits zusammen mit Lipiden und Hautzelle die Käseschmiere, zum anderen zusammen mit Darmzellen und Gallenflüssigkeit das Kindspech oder Mekonium. Dieser erste Darminhalt regt die Darmperistaltik, also die Muskeltätigkeit des Darms des Babys, an. Er wird innerhalb der ersten Lebenstage als Kindspech ausgeschieden.

Lanugobehaarung bei Frühchen

Die Ausprägung der Lanugobehaarung bei der Geburt ist auch ein Reifegradmesser für das Kind: Ist die Behaarung nach der Geburt noch deutlich vorhanden, ist das oft ein Indikator dafür, dass das Baby zu früh geboren wurde. So sind Frühchen meist noch am ganzen Körper mit ihrem Flaum bedeckt. Ihnen hilft Lanugo, Körperwärme besser zu halten. Babys, die rund um den errechneten Geburtstermin auf die Welt kommen, haben zur Wärmespeicherung ein gutes Fettpolster. Daher brauchen sie die Extra-Härchen nicht. Das heißt: Je weniger Babyflaum und je weniger Käseschmiere bei der Geburt vorhanden ist, desto reifer ist das Baby.

Übrigens: Auch bei Erwachsenen kann sich die Lanugobehaarung wieder ausbilden. Vor allem bei Magersüchtigen, die nur noch einen sehr geringen Körperfettanteil haben, kann am Rücken, an den Armen und im Gesicht der Babyflaum wieder wachsen. Wie schon bei den Frühchen sollen auch hier die Wollhaare den Körper bei der Wärmespeicherung unterstützen.

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