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Irrtum, Doc!

15 "Tipps" von Kinderärzten zum Ernähren von Babys, die absoluter Quatsch sind

© Getty Images/ GeorgeRudy
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Versteht uns nicht falsch: Kinderärzte und Kinderärztinnen sind großartig! Sie helfen unseren Kids, wenn sie krank sind. Sie impfen, damit sie gar nicht erst krank werden – und haben auch sonst viele gute Tipps für uns Eltern. Auf dünnem Eis bewegen sich Pädiater*innen allerdings gar nicht so selten, wenn es ums Thema Stillen und Beikost geht. Da bekommen junge Eltern immer wieder Tipps, die jeder zertifizierten Stillberaterin die Tränen in die Augen treiben. Wir haben uns in Social Media-Gruppen zum Thema Stillen & Beikost für euch umgeschaut und die 15 schlimmsten (weil falschen) Tipps von Kinderärzten und Kinderärztinnen zusammengetragen.

Kinderärzte und Kinderärztinnen bekommen eine großartige Ausbildung während ihres Studiums an deutschen Universitäten. Und die meisten der Ärztinnen und Ärzte leisten danach auch hervorragend Arbeit.

Dennoch muss man wissen, dass die Themen Stillen und Ernährung im Medizinstudium nur am Rande gestreift werden und dass Mediziner*innen sich eigenverantwortlich weiterbilden müssen, um auf diesem Gebiet wirklich aktuelles und fundiertes Wissen zu haben. Das machen leider nicht alle, aber dennoch geben viele gerne Tipps dazu. Deshalb ist es nicht verkehrt sich bei den Themen Stillen und Beikost selbst möglichst schlau zu machen, um ärztliche Ratschläge gegebenenfalls hinterfragen zu können.

Wichtig: Dieser Artikel ist kein Ärzte-Bashing, er soll euch nur zeigen, dass auch Kindermediziner*innen manchmal ganz schönen Quatsch erzählen, wenn es ums Stillen und Beikost geht!

Charoline Bauer

Bitte mit der Beikost starten

Ich habe selbst die Erfahrung gemacht, dass unsere Kinderarztpraxis nicht auf dem neuesten Stand zum Thema Stillen und Beikost ist. Bei der U4, da war mein zweites Baby noch keine vier Monate alt, da erklärte mir die Arzthelferin, dass ich ab dem vierten Monat mit der Beikost beginnen solle. Sie ratterte runter, mit welchem Brei ich anfange, welche Stillmahlzeiten ich damit ersetzen solle und so weiter. Sie fragt nicht einmal, ob mein Kind denn bereits alle Beikostreifezeichen erfüllt. Sie schien auch nicht zu wissen, dass die WHO empfiehlt, bis zum 6. Monat voll zu stillen und erst dann mit der Beikost zu starten. Und von Baby-Led-Weaning schien sie auch noch nie etwas gehört zu haben. Nein, in dieser Praxis gilt immer noch das veraltete Wissen: Kind vier Monate = Beikoststart.

Bei meinem ersten Kind wusste ich es übrigens nicht besser und habe tatsächlich mit vier Monaten mit der Beikost begonnen, weil neben der Kinderärztin auch meine damalige Hebamme mir das so erklärt hatte. Das ärgert mich heute noch!

15 Tipps von Kindermediziner*innen, die totaler Quatsch sind

#1 Stillen führt zu Verstopfung

Eine Userin schreibt, dass ihr Arzt der Auffassung war, dass die Verstopfung ihres Kleinkindes daher kommt, dass es noch gestillt wird. Er erklärte weiter, dass der Körper deshalb nicht wisse, was nun zu tun sei – bekommt er nun Muttermilch oder feste Kost – und deshalb aus Verwirrung mit Verstopfung reagiere.

Ähm, ja. Unser Körper, auch der von Kleinkindern, ist ganz schön kompetent und kann gut damit umgehen, feste und flüssige Nahrung zu verarbeiten ohne dadurch verwirrt zu sein. Das muss er ja unser ganzes Leben lang, schließlich essen UND trinken wir. Außerdem macht Muttermilch den Stuhl eher weich als fest. Hier war nicht der Darm des Kleinkindes verwirrt, sondern der Arzt.

#2 Falsche Bakterien im Darm

Der Arzt einer anderen Userin versuchte der Mutter zu erklären, dass Kleinkinder nicht mehr gestillt werden sollten, weil die Darmflora eines Kleinkindes komplett anders sei als die eines Säuglings. Da Muttermilch aber für Säuglinge gedacht wäre, würde ihr Kleinkind durch das Stillen sozusagen die "falschen" Bakterien bekommen.

Puh, da hat jemand beim Thema Stillen und Darmflora nicht aufgepasst. Tatsächlich verändert sich die Darmflora eines Kindes, sobald es etwas anderes als Muttermilch bekommt. Muttermilch ist für den Aufbau eines gesunden Mikrobioms des Darms immer erste Wahl. Deshalb sollte man erst nach Abschluss des sechsten Monats mit der Beikost anfangen, damit der Darm genug Zeit zum Ausreifen hat. Und auch danach ist Muttermilch immer gut für die Darmflora, egal in welchem Alter.

#3 Bauchweh vom Stillen

Eine Userin ging mit ihrem jungen Säugling zum Arzt, weil es oft Bauchweh hat (wie so viele Babys in den ersten drei Lebensmonaten). Der Kinderarzt meinte, das Baby hätte zu viel zugenommen, weil es zu oft angelegt wird. Daher kämen die Bauchschmerzen, weil das Kind diese Mengen an Muttermilch nicht verarbeiten kann und deshalb spuckt es auch so viel. Die Mutter soll lieber Wasser oder Tee zu füttern.

Dieser Ratschlag vom Arzt ist nicht nur falsch, sondern sogar auch gefährlich. Wie die Stillberaterin der fragenden Mutter in der Gruppe erklärt: "Zum Thema Stillen braucht der Arzt scheinbar dringend eine fundierte Fortbildung. Erstens ist es Quatsch, was er da erzählt und zweitens ist der Ratschlag mit Tee und Wasser u.U. sogar gefährlich."

#4 Stillen ist Gift

Ein Kinderarzt war total entsetzt als er hörte, das eine Userin ihr Kind mit über zwei Jahren noch stillt. Sie würde damit die ganzen Giftstoffe, die sie in ihrem Fettgewebe hat, an ihr Kind abgeben.

Diese Aussage ist einfach nur Quatsch. Es gibt jede Menge Studien (z. B. diese, diese oder diese hier), die die gesundheitlichen Vorteile einer längeren Stillbeziehung für Mutter und Kind bestätigen.

#5 WHO-Empfehlungen gelten nicht in Deutschland

Viele Kinderärzte und Kinderärztinnen halten wenig vom Langzeitstillen. So auch der Arzt einer anderen Userin, die ihr Kleinkind noch stillt. Als sie ihn darauf hinwies, dass das natürliche Abstillalter laut der WHO zwischen zwei und sieben Jahren liegt, entgegnete der Kinderarzt, dass das was die WHO empfiehlt eher für weniger reiche Länder wäre und nicht für gut entwickelte Staaten wie Deutschland gelte.

Die Stillberaterin stellt klar, dass eine "globale Empfehlung" der WHO für die ganze Welt gilt und nicht nur für Entwicklungsländer. Wenn es anders wäre, würde die WHO dies explizit betonen.

#6 Das Kind bleibt für immer an der Brust

Manche Kinderärzte haben scheinbar Angst, um die Brüste der Mütter. Oder wieso erklärt der Arzt einer Userin, dass sie nicht länger als sechs Monate stillen soll, weil sie ihr Kind sonst nie mehr von der Brust kriegt. Er empfiehlt stattdessen Kuhmilch.

Wer kennt sie nicht, die 18-Jährigen, die zum Mittagessen noch nach der Brust ihrer Mutter verlangen. Mehr muss man dazu nicht mehr sagen, oder? Kuhmilch wird im ersten Lebensjahr gar nicht empfohlen und später für Kleinkinder nur in geringen Mengen. Kuhmilch ist die perfekte Muttermilch für Kälbchen, aber nicht für Menschenkinder. Die haben schließlich ihre eigene.

#7 Die Muttermilch ist nicht nahrhaft genug

Oft kommt von Kindermediziner*innen auch die Ansage, dass die Muttermilch ab einer gewissen Zeit nicht mehr "nahrhaft" genug sei und das Baby ab dem sechsten Monat endlich Beikost oder/und die Flasche brauche.

Das ist Unfug. Muttermilch ist immer nahrhaft. Ab etwa sechs Monaten wird zwar empfohlen mit der Beikost zu starten. Aber es heißt BEIkost. Im gesamten ersten Lebensjahr bleibt Muttermilch die Hauptnahrung, gerade weil sie das Baby perfekt nährt. Wer stillen will und kann, muss nicht auf Premilch umstiegen.

#8 Alle gestillten Kinder haben Eisenmangel

Eine Userin wollte gerne den Eisenstatus ihres Kinder checken lassen, weil es nur wenig Beikost isst. Aber der Arzt weigerte sich, weil seiner Meinung nach alle Stillkinder unter Eisenmangel leiden.

Richtig ist, dass Stillkinder oft einen niedrigeren Eisenwert als Flaschenkinder haben, aber das bedeutet nicht, dass alle Stillkinder einen Eisenmangel haben.

#9 Muttermilch voller Schadstoffe

Auch Frauenärzte scheinen nicht immer auf dem neuesten Stand der Wissenschaft. Einer riet der Userin dringend zum Abstillen nach einem halben Jahr, weil die Muttermilch danach voller Schadstoffe wäre.

Woher diese Schadstoffe kommen sollen, hat er allerdings auch nicht erklären können. Wie auch, diese Aussage ist totaler Quatsch.

#10 Stillen nur fürs eigene Bedürfnis

Einer Userin wurde von ihrer Kinderärztin gar Kindesmisshandlung unterstellt, weil sie ihr älteres Kleinkind noch stillt. Laut der Ärztin stille die Mutter mit dem Stillen nur ihre eigenen kranken Bedürfnisse, aber nicht mehr die des Kindes.

Die Aussage der Kinderärztin ist hart, verletztend und falsch. Gut, dass die Mutter in der Social Media-Gruppe von anderen Müttern und den Stillberaterinnen sehr viel Zuspruch bekommen hat.

#11 Stillen macht Karies

Immer noch glauben viele Mediziner*innen, dass längeres Stillen bzw. nächtliches Stillen und Nuckeln zu Karies führt, wie gleich mehrere Userinnen schreiben und verzweifelt um Rat der Stillberaterinnen fragen.

Die IBCLC-Stillberaterin erklärt daraufhin: Laut einer Studie erhöht Stillen in den ersten 24 Monaten nicht das Risiko für frühkindliches Karies.

#12 Die Milch ist zu fett

Während der eine Arzt der Meinung ist, dass das Baby durch die Muttermilch nicht optimal mit Nährstoffen versorgt wird, war die Kinderärztin einer anderen Userin der Ansicht, dass ihr Baby durch die Muttermilch zu fett werde.

Oh boy! Manche Stillkinder sind zwar richtige Wonneproppen, aber solange ein Baby ausschließlich gestillt wird, wird es davon nicht zu "fett". Die Speckröllchen verwachsen bzw. verlaufen sich im Kleinkindalter von alleine. Das wird euch jede Stillexpertin bestätigen. schießt ein Kind jedoch völlig nach oben aus den Perzentilen, sollte man gegebenenfalls noch einmal genauer hinschauen, ob das hohe Gewicht nicht doch ein Symptom für etwas Ernsthaftes ist. Aber das trifft in nur sehr wenigen Fällen zu und nicht auf normale "sehr propere" Babys.

#13 Stillen erhöht das Fehlgeburt-Risiko

Einer Userin wurde von ihrer Frauenärztin empfohlen abzustillen, weil sie erneut schwanger sei und das Stillen zu einer Fehlgeburt führen könne. Der Mama hat diese Aussage natürlich große Angst gemacht.

Die Stillberaterin in der Social Media-Gruppe konnte ihr aber wieder Mut machen. Denn Stillen erhöht das Risiko auf eine Fehlgeburt nicht, solange es keine weiteren bekannten Risikofaktoren gibt.

#14 Stillen macht Blähungen

Eine Mutter suchte Rat bei ihrer Kinderärztin, weil ihr Kind offensichtlich mit Bauchweh und Blähung zu tun hatte. Die Ärztin sah das Problem darin, dass das Kind zu oft stillt. Dadurch kämen der Magen und Darm nicht zur Ruhe und wenn immer neue Muttermilch auf schon ältere noch im Magen liegende Mumi käme, führe das zu Pupsen und Schmerzen. Die Mama war ganz verzweifelt, dass sie ihrem Kind mit dem Stillen nach Bedarf schadet.

Doch die Stillberaterin gab Entwarnung: "Da hat deine Ärztin leider veraltete Wissen. Stillen nach Bedarf ist total richtig und dieses Ammenmärchen, dass neue Milch auf alte Bauchweh verursacht, ist einfach falsch."

#15 Stillende Kleinkinder sehen komisch aus

Eine Kinderärztin erklärte einer Mutter, dass sie fände, es sieht komisch aus, wenn Kinder, die schon laufen können, noch stillen.

Ok, liebe Kindermedizinerin, das ist eine Meinung, bzw. deine Meinung. Danach hat keiner gefragt. Wie etwas aussieht, sollte nicht die Grundlage für einen Ratschlag zum Thema Langzeitstillen sein.

Hinweis

Wir möchten mit diesem Artikel nicht dazu aufrufen, generell die Kompetenz von Kinderärzten und Kinderärztinnen in Frage zu stellen. Bei wichtigen medizinischen Themen solltet ihr ein vertrauensvolles Verhältnis zu euren Kindermediziner*innen haben. Bei Still- und Beikostthemen ist es gut, wenn man sich selbst informiert, falls eure Kinderarztpraxis da nicht auf dem neuesten Stand ist. Wenn dann Ratschläge kommen, erstmal zuhören und gegebenenfalls hinterfragen. So kann es in bestimmten Fällen durchaus nötig sein zuzufüttern oder zu schauen, wo das auffallend hohe oder niedrige Gewicht eines Babys herkommt.

Mit Fragen zum Thema Stillen bist du bei deiner Hebamme an der richtigen Adresse. So findest du die richtige (und wenn die nicht weiter weiß, such dir eine IBCLC-Laktationsberaterin):

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