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Brustschutz

Stillhütchen – Fluch oder Segen? Fakten & Tipps einer Stillberaterin

© Unsplash/ Timothy Meinberg
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Es soll Mama und Baby den Stillstart erleichtern, doch kann die Stillbeziehung sogar gefährden: das Stillhütchen. Ich kenne die Vor- und Nachteile der künstlichen Brustwarze, da ich meine Tochter selbst 14 Monate mit Hütchen gestillt habe. Hier zu euren FAQs, meinen Erfahrungen und hilfreichen Profi-Tipps einer Stillberaterin.

Nach einer anstrengenden Geburt wollen Babys meist nur saugen, nuckeln, trinken – am liebsten an Mamas Brust, 24/7. Und wir erfüllen unseren Minis natürlich jedes Bedürfnis, ist doch klar. Tut das anfängliche Stillen weh oder will nicht so richtig klappen, liegt der Griff zum Stillhütchen nahe. Doch Achtung: Stillhütchen haben nicht nur Vorteile, sondern können Stillprobleme sogar verschlimmern! Daher ist es wichtig, sich vor der Verwendung ganz genau zu informieren.

Die 9 häufigsten Fragen zum Stillhütchen

Wofür braucht man Stillhütchen?

Nicht immer klappt es mit dem Anlegen problemlos. Bei folgenden zwei Grundproblemen nutzen Mütter Stillhütchen, um das Stillen zu erleichtern:

  • Kind saugt nicht richtig an der Brust
  • Kind lässt sich nicht richtig anlegen

Meist sind Schmerzen beim Stillen die Folge. Außerdem es zu diesen weiteren Problemen führen:

Charoline Bauer

Stillhütchen ersetzen keine Stillberatung

In beiden Fällen sollte man mit einer professionellen Stillberatung auf Ursachenforschung gehen, um das ursächliche Problem zu beheben. Stillhütchen können zwar in der aktuellen Situation hilfreich sein, aber sie können nicht das zugrunde liegende Problem lösen. Ich empfehle bei Stillproblemen und Schmerzen beim Stillen immer eine IBCLC-Stillberater*in aufzusuchen. Leider sind in vielen Geburtskliniken die Hebammen schnell dabei, Stillhütchen zu verteilen, wenn eine Mama Probleme beim Stillen hat. Das geht schneller als die tatsächliche Problematik zu analysieren. Leider ist für so etwas im viel zu straffen Klinikalltag gar keine Zeit (wofür die Hebammen und Pfleger*innen natürlich nichts können).

Wie funktionieren Stillhütchen?

  • Stillhütchen sind breiter, länger und härter als echte Brustwarzen
  • Sie lösen durch ihre überdeutliche Brustwarzenform einen starken Saugreflex aus
  • Sie können saugschwachen, frühgeborenen oder kranken Babys helfen, selbstständig zu trinken
  • Bei Schlupf-, Flach- und Hohlwarzen wirken sie formgebend
  • Sie bleiben auch in den Saugpausen gleich groß bestehen

10 Stillprobleme und was du dagegen tun kannst

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Welche Stillhütchen gibt es? Welches Stillhütchen passt mir?

Es gibt unterschiedlich geformte Stillhütchen, beliebt sind die von Medela oder Lansinoh, die in mehreren Größen erhältlich sind.

  • Als Faustregel gilt: Das Brusthütchen sollte so klein wie möglich und so groß wie nötig sein.
  • Der Schaft muss so lang sein, dass sich die Brustwarze beim Saugen zu ihrer vollen Ausdehnung verlängern kann.
  • Je dünner das Hütchen, desto besser!
  • Kleine Stillhütchen eignen sich vor allem für Frühchen und kleine Brustwarzen.

Ausprobieren: Auf der Wochenbettstation gibt es oft mehrere Größen zur Auswahl, oder du kaufst direkt im Drogeriemarkt oder in der Apotheke (auch online):

Medela Contact Brusthütchen, Gr. S-L, mit Aufbewahrungsbox
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NUK Brusthütchen mit Schutzdose, transparent
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Lansinoh Stillhütchen, 2 Stück inklusive Aufbewahrungsbox
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Achtung: Brusthütchen in der Form von Flaschensaugern sind nicht geeignet. Sie erfassen das Brustgewebe nur oberflächlich und bergen eine Verletzungsgefahr!

Was kosten Stillhütchen?

Je nach Marke und Ausführung liegen die Preise zwischen 5 und 15 Euro. In den meisten Packungen erhältst du dafür gleich zwei Stillhütchen, und manchmal sogar noch eine Aufbewahrungsbox dazu.

Wie verwende ich Stillhütchen richtig?

  • Zuerst gründlich die Hände waschen.
  • Das Stillhütchen mit etwas Wasser oder Spucke anfeuchten, damit es nicht verrutscht.
  • Das Hütchen so auf die Brust legen, dass die Brustwarze exakt in der Mitte der Wölbung sitzt, und festdrücken, sodass ein kleines Vakuum entsteht.
  • Bei Kontakt-Stillhütchen muss die Aussparung dort liegen, wo das Baby beim Stillen sein Kinn hat. So entsteht am meisten Hautkontakt und der ist ganz wichtig beim Stillen.

Stillhilfe: 17 hilfreiche Produkte rund ums Stillen, wunde Brustwarzen & Co.

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Wie (oft) muss ich Stillhütchen auskochen und reinigen?

  • Nach jedem Gebrauch erst mit kaltem und dann mit heißem Wasser abspülen, damit keine Keime entstehen.
  • Anschließend trocken aufbewahren.
  • Einmal täglich (und vor dem ersten Gebrauch) für etwa 10 Minuten auskochen oder im Sterilisator keimfrei machen.
  • Bei Milchstau, Mastitis oder Soor-Erkrankungen nach jedem Gebrauch sterilisieren.

Wie Stillhütchen wieder abgewöhnen?

Stillhütchen sind nicht als Dauerlösung gedacht. Optimalerweise sollte dein Kind bald wieder an deiner eigenen Brustwarze trinken. Doch genau das kann schwierig werden – warum? Weil das Saugen am Stillhütchen viel leichter ist, und das merkt das Baby schnell. Viele verweigern danach das Trinken an der Brustwarze der Mama, das nennt man Saugverwirrung.

4 Tipps zur Abgewöhnung von Stillhütchen

  1. Ausschleichen Bei jedem Stillen gegen Ende der Stillzeit das Hütchen vorsichtig entfernen (sobald der größte Hunger des Babys gestillt ist) und das Baby sofort weiter trinken lassen.
  2. Direktstart Stillmahlzeit direkt ohne Hütchen beginnen. Helfen kann dabei, kurz zuvor abzupumpen. Das vergrößert deine Brustwarze, dein Kind kann sie leichter fassen, und es fließt sofort Milch – als schnelle Belohnung ohne große Anstrengung.
  3. Wechselspiel An der rechten Brust im Footballgriff (mit Hütchen) stillen, das Baby daraufhin vorsichtig an die linke Brust (ohne Hütchen) schieben.
  4. Ohne Stress Mit Druck und Frust erreichst du nichts. Am besten ist eine lockere Atmosphäre, gute Laune bei dir und deinem Baby. Egal, welchen Weg du gehst beim Abgewöhnen: du brauchst viel Geduld.

Warum sind Stillhütchen schlecht: Hemmen sie die Milchbildung?

So praktisch Stillhütchen auf den ersten Blick wirken – oftmals verursachen sie mehr Probleme als sie lösen. Daher gibt es Einwände, die gegen den Gebrauch sprechen:

  • Stillhütchen werden oft zu schnell empfohlen, mitunter schon in der Klinik, ohne dass eine sichere Notwendigkeit besteht.
  • Babys gewöhnen sich schnell an die Stillhilfe und tun sich danach schwer, direkt an der Brust zu trinken.
  • Bei dauerndem Gebrauch besteht Gefahr, dass die Milchproduktion abnimmt, da die Brust durch den fehlenden Hautkontakt nicht so gut stimuliert wird.
  • Eine zu geringe Gewichtszunahme beim Baby könnte die Folge sein.
  • Es können nach dem Stillen harten Stellen an der Brustwarze entstehen – erste Anzeichen für einen Milchstau.
  • Gegen wunde Brustwarzen sind Stillhütchen eigentlich keine Lösung: Diese entstehen nämlich durch eine nicht korrekte Stillposition, die sich durch das Stillhütchen nicht ändert.
  • Bei falscher Anwendung können sich wunde Brustwarzen sogar verschlimmern.
  • Die Handhabung ist umständlich – spontanes Stillen ist nicht möglich.

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Gesine Engels-Krone

Fluch und Segen

Bei meinem Sohn wollt es mit dem Stillen so gar nicht klappen. Gedanken um Abpumpsets, Brusthütchen und Zufüttern hatte ich mir vorher gar nicht gemacht, eher naiv bin ich davon ausgegangen, dass das Stillen schon „irgendwie klappt“ – weit gefehlt. Zwei Jahre später kam meine Tochter auf die Welt und mein Ehrgeiz war neu entfacht: Also habe ich in einer stillfreundlichen Klinik entbunden und anfangs viel Hilfe von sehr bemühten Hebammen bekommen. Nach drei Tagen gefühltem Dauerstillen, wunden Brustwarzen und höllischen Schmerzen dann der erlösende Griff zum Stillhütchen. Mit dem Stillen hat es diesmal zwar geklappt, doch was folgte waren Mundsoor, diverse Milchstaus und Brustentzündungen. Das lag sicher alles nicht (nur) am Brusthütchen, aber ich war so verunsichert, dass ich mich an das Projekt „Abgewöhnen“ gar nicht mehr richtig herangetraut habe, jeder Versuch scheiterte.

Unser Glück: Milch hatte ich immer mehr als genug und so sind wir eben beim Stillen mit Hütchen geblieben. Ich bin es bis zum Ende meiner Stillzeit nicht mehr losgeworden, weil meine Tochter ohne nicht saugen konnte. Sie hatte es verlernt und aufgrund der Hütchen habe ich das Stillen nie genossen: die ständige Reinigung, die umständliche Handhabung, verstohlene Blicke, weil man immer erst die Dinger an die Brust kleben muss, bei jedem Gang nach draußen bloß nichts vergessen – nervig.

Das sagt die Stillberaterin zu Stillhütchen

Stillberaterin Caroline Weimer, Mama von zwei Kindern, berichtet aus Erfahrung, dass oft leider viel zu schnell zum Stillhütchen gegriffen wird. Frei nach dem Motto: Lieber mit Stillhütchen stillen, als gar nicht. „Bei Stillproblemen ist es wichtig, sich fachkundige Beratung zu holen, um von Anfang an auf unnötige Stillhilfen verzichten zu können“, so Weimer. „Wir Stillberaterinnen schauen genau hin und setzen bei der Ursache aller Stillprobleme an.“

5 Tipps von der Stillberaterin, um Stillhütchen zu vermeiden

  • Richtige Stillposition: Beim intuitiven Stillen liegt die Mutter etwas zurückgelehnt, das Baby legt sich mit ein wenig Hilfe selbst an. Das können sogar Neugeborene schon. Zurückgelehntes Stillen ist ganz ähnlich. Beide Stillpositionen sorgen dafür, dass das Baby den Mund weit aufmacht.
  • Asymmetrisches Anlegen: Dabei wird das Baby in der Wiegehaltung oder im Footballgriff angelegt. Wichtig dabei: Die Nase (nicht der Mund) ist auf Höhe der Brustwarze, das Baby muss wieder den Mund weit öffnen, um die Brust zu erfassen. Gleichzeitig die Brust leicht zusammendrücken – wie wenn man in einen Hamburger beißen möchte.
  • Osteopathen können helfen, mögliche Blockaden beim Kind zu lösen.
  • Orale Restriktionen im Mundraum des Babys: Sollten die Brustwarzen trotz der richtigen Anlegetechnik weiterhin strapaziert sein, sollte eine darin fortgebildete Stillberaterin (IBCLC oder gleichwertig zertifiziert) den Mundraum deines Kindes untersuchen. Liegt beispielsweise ein verkürztes Zungenbändchen oder Lippenbändchen vor? Eine Trennung der Bändchen, begleitende Therapie, Muskelübungen und Wundmanagement sind kleine Eingriffe, die dir und deinem Baby ein schmerzfreies Stillen ermöglichen. (Wichtig: Diese Diagnose erhältst du nur von o. g. Experten – viele Kinderärzte, Zahnärzte, HNOs oder Mund-Kiefer Gesichtschirurgen erkennen die Problematik nicht.)
  • Stillvorbereitung: Es gibt Stillvorbereitungskurse, in denen du in kurzer Zeit die Grundlagen des Stillens kennenlernst. Statistisch kann das Problemen vorbeugen und deine Stilldauer verlängern.
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