Wie sollten Eltern aufs Fremdeln ihres Babys reagieren?

Oft ist Eltern das abweisende oder klammernde Verhalten ihres Kindes gegenüber den "fremden" Personen unangenehm. Lies hier, wie du am besten mit dem Fremdeln deines Kindes umgehst.

Ein Mädchen fremdelt

Fremdeln ist vollkommen normal und sollte vom Umfeld auch so behandelt werden.


Die erste Regel: Kein Zwang!

Kein Zwang und volle Rückendeckung, das empfiehlt Psychologin Sybille Weber: "Mache dich zum starken Anwalt deines Babys. Verteidige seine Ängste vorbehaltlos." Zwinge es also nicht, mal ein bisschen freundlicher zu sein oder der Oma nun endlich die Hand, oder schlimmer noch, einen Kuss zu geben. Gib dein Kind auch nicht in die Arme einer anderen Person, wenn es das nicht möchte. Im schlimmsten Fall verliert dein Kind bei solchen Aktionen das Vertrauen in dich als sicheren Hafen. Es versteht sich von selbst, dass du die Angst deines Kindes aus demselben Grund auch nicht ins Lächerliche ziehst, herunterspielst oder bestrafst. Nimm es in seiner Angst ernst.

Lasse deinem Kind einfach Zeit, von sich aus Kontakt zu den unbekannten Personen aufzunehmen. In "brenzligen" Situationen, d.h. wenn sich dein Kind beispielsweise versteift und augenscheinlich nicht weiß, wie es reagieren soll, dann "rette" es, indem du es auf den Arm oder an die Hand nimmst. Natürlich kann auch ein behutsames Erklären, wer die neue Person ist, nicht schaden.

Kläre über das Fremdeln auf

Damit sich die "abgewiesene" Person nicht vor den Kopf gestoßen fühlt, kläre sie ruhig über die völlig normale Reaktion deines Kindes auf. Diese hat weder etwas mit Antipathie, noch mit einem unsozialen oder gar bösartigen Wesen zu tun. Wenn dein Gegenüber selbst Kinder hat, wird er/sie das auf jeden Fall verstehen und das Verhalten aus eigener Erfahrung kennen. Bitte fremde Personen um Geduld und ruhig auch darum, eine gewisse Distanz zu deinem Kind zu wahren. Bei vorsichtigem, freundlichem Annähern ohne Druck und Zwang fallen die Abwehrreaktionen deiner kleinen Klette dann vielleicht geringer aus.

Kleiner Junge fremdelt

Ein typisches Bild zu Beginn der Familienfeier: das Kind klammert.


Ganz ohne Schuldgefühle dürfen Mütter auch die Enttäuschung von abgemeldeten Großeltern oder Vätern hinnehmen. Vertröste alle, die sich kurzfristig vom Fremdelkind zurückgewiesen fühlen: Es kommen bald wieder andere Zeiten.

Geduld haben und die Fremdel-Phase aussitzen

Gegen das Fremdeln kann man nichts machen. Früher oder später geht die Phase von allein vorüber, da muss man als Eltern(teil) eben durch. Übrigens, die Angst vieler Mütter, das Baby würde durch zu viel Schutz unselbstständig werden, hält Weber für unbegründet. „Jedes Kind darf im 1. Lebensjahr unbegrenzt mit Liebe und Vertrauen versorgt werden. Die Sicherheit, die es dadurch erfährt, lässt das Kind später umso selbstbewusster und eigenständiger werden“, erklärt die Psychologin.

Wann, wie lange und wie stark das Fremdeln beim Kind ausfällt kann keiner vorhersagen. Aber eines Tages ist es bei jedem Kind so weit. Dennoch ist die Übergangsphase vom fröhlichen Wonneproppen zum verschreckten Angsthäschen nicht leicht. Im Dauereinsatz als Beschützerin muss Mama bzw. Papa geben, geben, geben. Doch dein Engagement wird reichlich belohnt. Das reifere Kind schenkt seiner Mutter bzw. seinem Vater jetzt etwas Wunderbares: ein ganz bewusstes, gezieltes Lächeln, tiefe Zuneigung und absolutes Vertrauen - und das exklusiv. Freue dich über dieses Kompliment. Sei ruhig stolz darauf, der oder die "Auserwählte" deines Kindes zu sein!


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